Der Wohnbauriese baut ohne Vorvermarktung drei große Mehrfamilienhäuser in Marbach (Kreis Ludwigsburg) – obgleich die Paulus-Pleite auf dem Markt noch nachwirkt.
Das Besigheimer Wohnbauunternehmen Layher eckt bisweilen mit seinen Plänen an. Kritiker kreiden der Firma vor allem an, quasi jeden Quadratmeter eines Grundstücks ausmosten zu wollen. Was man Layher sicher nicht vorwerfen kann, ist, dass dort halbe Sachen gemacht würden. Das zeigt sich jetzt auch wieder bei einem Projekt in Marbach. Ende Januar war das Konzept für den Bau von drei Mehrfamilienhäusern zwischen der Uhlandstraße und der Kernerstraße erstmals öffentlich präsentiert worden. Mittlerweile wird dort längst kräftig in die Hände gespuckt. Am Mittwoch wurde auch offiziell der Spatenstich gefeiert.
Das ganze Gelände war davor eher spärlich bestückt mit einer alten Scheune und einem Zweifamilienhaus. Layher hat sich das circa 2000 Quadratmeter große Areal gesichert, um an selber Stelle 26 Wohnungen und eine Tiefgarage errichten zu lassen. Man nehme dafür rund 12 Millionen Euro in die Hand, sagt Geschäftsführer Stefan Layher, der das Unternehmen mit seinem Zwillingsbruder Albrecht 1979 aus der Taufe gehoben hat. „Spätestens im Sommer 2027 wollen wir fertig sein. Und das werden wir auch einhalten“, beteuert er.
Layher arbeitet nur mit Eigenkapital
Die Firma geht dabei auch ein Stück weit ins Risiko. Die Bagger sind angerückt, ohne dass das Unternehmen im Vorfeld auch nur eine einzige Wohnung an den Mann oder die Frau gebracht hätte. „Der Verkauf geht jetzt erst offiziell los“, sagte der technische Projektleiter Etienne Schweizer beim Spatenstich. Ein für Layher freilich typisches Vorgehen – das jedoch eher branchenunüblich ist. Bei der Konkurrenz wird oft kein Stein auf den anderen gesetzt, ehe nicht eine bestimmte Vorvermarktungsquote erreicht ist.
Layher kann nicht zuletzt deshalb einen anderen Kurs fahren, weil das Unternehmen im Gegensatz zu vielen anderen bei der Finanzierung nicht auf die Banken angewiesen ist. „Wir schaffen nur mit dem eigenen Geld, nur mit Eigenkapital. Wir haben noch nie einen Kredit aufgenommen. Und wenn wir ein Projekt angehen, dann ziehen wir das auch durch“, sagt Stefan Layher.
Das sei ein nicht zu unterschätzendes Plus, gerade nach der großen Paulus-Pleite, ergänzt der Marbacher Bürgermeister Jan Trost. Die Insolvenz des besagten Wohnbauunternehmens vor rund zwei Jahren habe in der Region für eine gewisse Verunsicherung gesorgt. Käufer fragten sich seither, ob man bei Wohnungen überhaupt in Vorleistung gehen oder nicht besser warten sollte mit dem Erwerb, bis die Immobilie tatsächlich steht und man sicher einziehen kann. „Deshalb ist es eine gute Botschaft, dass dieses Projekt hier in Marbach mit Eigenkapital finanziert ist. Man kann hier guten Gewissens jetzt schon kaufen und weiß, dass es dann auch fertig wird“, sagt Trost.
Vorab schon Reservierungen eingegangen
So oder so hat Stefan Layher keine Bedenken, trotz der schwierigen Lage im Immobiliensektor die 26 Einheiten veräußern zu können. Man habe schon mehrere Reservierungen erhalten. Zum Tragen komme insbesondere der sogenannte Sicker-Effekt. Das bedeutet, dass sich Leute im Alter nach einer kleineren Immobilie in der Nähe ihres gewohnten Umfelds umschauen. Im Gegenzug wird dann auch wieder Wohnraum, zum Beispiel in Einfamilienhäusern, frei.
Die 26 neuen Layher-Wohnungen in Marbach werden zwischen 55 und 104 Quadratmeter groß sein und aus zweieinhalb bis maximal viereinhalb Zimmern bestehen, sagt Etienne Schweizer, der technische Projektleiter. 70 Prozent der Einheiten seien barrierefrei, ergänzt Stefan Layher. Die Heizung wird über Wärmepumpen betrieben, die im Untergeschoss der Mehrfamilienhäuser installiert werden. Bei Bedarf kann zum Tragen der Spitzenlast auch Gas beigemischt werden.