Zum Beginn des Wintersemesters müssen sich viele Studierende erst an die neuen Regeln und echte Kommilitonen gewöhnen. An der Uni Stuttgart musste wegen der Auflagen die Erstsemesterparty verschoben werden.
Stuttgart - Wie wird der Unibetrieb in Präsenz funktionieren, nach anderthalb Jahren Lockdown – so von null auf hundert? An der Uni Stuttgart läuft ohne Campusticket gar nichts. Also erst mal zur 3-G-Registrierung. So haben sich am Montag die Präsenzhungrigen in der Stadtmitte brav in die Schlange vor dem Zelt zwischen KI und KII eingereiht, um das digitale Ticket zu erhalten. 6000 solcher Tickets seien bereits ausgegeben worden, berichtet der Stuttgarter Unikanzler Jan Gerken am Montag.
Auch Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) schaut sich die Umsetzung der Coronaregeln vor Ort an, nachdem die Hochschulrektoren des Landes vor wenigen Tagen die Kontrollbürokratie als übertrieben kritisiert hatten. Während beim Eingang ins Foyer des KI den Sicherheitsleuten eine mündliche Zusicherung des 3-G-Status genügt, müssen die Studierenden in den Hörsälen erst mal ihr Campusticket über den Scanner ziehen. „Das ist die Anwesenheitsdoku und die Überprüfung des 3-G-Status“, erklärt Frank Gießelmann, Prorektor für Lehre und Weiterbildung. Das Gerät sei von einer jungen Firma entwickelt worden, in der auch Absolventen der Uni Stuttgart mitarbeiteten, berichtet Rektor Wolfram Ressel. Und es kommt auch bei den Nutzern gut an: „Ich finde das super, das geht schneller als alles andere“, sagt ein Mitglied der Studierendenvertretung (Stuvus).
Unirektor Ressel: „Die Lernräume sind der Flaschenhals“
„Wir werden über 310 Räume in knapp 80 Gebäuden damit ausgestattet haben“, ergänzt Gerken. Insgesamt sei das alles aber „eine große Herausforderung“. Ressel räumt ein: „Wir haben noch ein Problem mit den Lernräumen, die sind der Flaschenhals. Wir haben viel zu wenig Lernplätze.“ Auch der Ministerin leuchtet ein, dass dies kein guter Zustand ist: „Man muss ja zwischen den Veranstaltungen irgendwo sein.“
Doch was ist mit den Mensen? Weshalb haben die nur über Mittag auf und stehen sonst leer? Gerken berichtet, da sei man in Gesprächen mit dem Studierendenwerk. Das Problem sei: die Mensen seien nur verpflichtet, die Kontakte zur Nachverfolgung zu kontrollieren, aber nicht den 3-G-Status. Letzteres sei Aufgabe der Uni.
Und die ist vorsichtig. „Wir belegen alle Räume zu 50 Prozent“, sagt Gießelmann. Dabei dürften abwechselnd die Studierenden mit den geraden und den ungeraden Matrikelnummern in die Präsenzveranstaltungen. Und den Andrang auf die Toiletten vor den Tiefenhörsälen regelt eine Ampel.
Studierende sind traurig über die kurzfristige Absage der Erstiparty
Dass die Uni die zentrale Erstsemesterparty abgesagt hat, kommt bei den Studierenden nicht gut an. Denn anders als die Hohenheimer hatten sie die nicht als geschlossene Veranstaltung mit 1100 Teilnehmern im Wasen-Partyzelt geplant, sondern im Unigebäude auf dem Vaihinger Campus. „Unser Hygienekonzept war der Uni nicht gut genug“, berichten die Stuvus’ler, trotz 2G. Nun befürchten sie, auf den Kosten sitzen zu bleiben, die T-Shirts seien schon bezahlt.
Gerken erklärt, die Party werde nur verschoben. Aber für eine Veranstaltung mit 1400 Teilnehmern, Disco, Bar und schlecht belüftbaren Räumen gebe es eben hohe Auflagen. Man kläre das noch mit dem Gesundheitsamt ab.
An der benachbarten Hochschule für Technik (HFT), wo das Semester früher angefangen hat, kontrollieren zwei Mitarbeiterinnen am Eingang die 3G. Drinnen müssen sich die Studierenden vor jedem Vorlesungsraum per QR-Code registrieren. „Wir kontrollieren mit Stichproben“, erklärt Rektorin Katja Rade der Ministerin. „Wie ist die Akzeptanz“, will Bauer wissen. „Gut“, sagt Rade – „wir haben nur wenige rausgefischt“. Beim ersten Verstoß hätten die Erwischten 24 Stunden Zeit, ihren Nachweis nachzureichen. Falls dies nicht geschehe, greife eine Woche Campusverbot. Das sei bisher nur bei einem Student erfolgt. Beim zweiten Verstoß gebe es eine Anzeige beim Ordnungsamt.
An der Hochschule für Technik kämpfen Drittsemester mit dem Workflow
Unterdessen freuen sich an der HFT die Drittsemester der Innenarchitektur, in einer echten Veranstaltung Freihandzeichnen zu lernen, mit Maske, aber mit Live-Kommilitonen. „Es ist toll“, meint eine von ihnen – „wir haben ja gar nicht mitbekommen, wie man anfängt in so einem Fach.“ Eine andere: „Man fühlt sich wie ein Erstsemester, es ist schwierig, so jetzt seinen Workflow zu finden. Zuhause hatte man mehr Zeit, keinen Fahrweg – ich bin zwiegespalten, was ich besser finde“.