Superstars unter sich: Kevin Durant (links) und Steph Curry Foto: Getty

In der Nacht auf Mittwoch startet die neue Saison der US-Basketball-Profiliga NBA. Die Golden State Warriors um Steph Curry und Neuzugang Kevin Durant sind das vielleicht stärkste NBA-Team aller Zeiten. Ist der Titelgewinn nur Formsache?

Stuttgart - Die Golden State ­Warriors gelten in Las Vegas derzeit nicht als besonders gute Wette. Die Buchmacher raten dringend davon ab, darauf zu setzen, dass der Vizemeister der vergangenen NBA-Saison in diesem Jahr den Titel gewinnt. Dabei gelten die Warriors nicht etwa als schlechte Wette, weil sie aussichtslos wären. Vielmehr gilt ihr Triumph als zu sicher, als dass es sich lohnen würde, darauf zu setzen. Unter Buchmachern nennt man eine solche Wettwahrscheinlichkeit „Odds-On“. Solche Wahrscheinlichkeiten hat es schon öfter gegeben – bei den Chicago Bulls in den 90er Jahren etwa oder bei den Miami Heat mit Dwayne Wade und LeBron James. So extrem wie bei den derzeitigen Warriors waren die Quoten jedoch noch nie.

Für das Team aus dem kalifornischen Oakland sind diese Quoten durchaus gerechtfertigt. Vor der neuen Saison, die an diesem Dienstag startet, ist nur schwer zu erkennen, wie irgendjemand die Warriors besiegen soll. Schon im Vorjahr sprachen vor der 3:4-Finalniederlage gegen Cleveland viele vom „besten Team aller Zeiten“. Nun hat dieses Team noch einen der besten Spieler ­aller Zeiten hinzubekommen.

Der Wechsel von Kevin Durant von Oklahoma an die Westküste war die Sensation des Sommers. Immerhin hatte Durant zuletzt im Viertel­finale mit seinen Oklahoma Thunder den Warriors gewaltige Schwierigkeiten bereitet. Neben Stephen Curry und LeBron James gilt er als einer der drei besten Spieler der Liga. Nun sind zwei von ihnen bei Golden State.

Es ist eine Elefantenhochzeit sondergleichen

Es ist eine Elefantenhochzeit sondersgleichen. Sowohl Durant als auch Curry haben im vergangenen Jahr 30 Punkte pro Spiel erzielt. Im Grunde könnten die beiden alleine die meisten anderen NBA-Teams in Schach halten. Doch die Talentdichte hört nicht bei Durant und Curry auf. Mit Draymond Green und Klay Thompson haben sie zwei weitere All-Star-Spieler.

Natürlich hat diese Anhäufung von Spitzenpersonal auch Kritik ausgelöst. Nicht alle Beobachter sahen es für notwendig an, dass die Warriors ihrer ohnehin schon überragenden Auswahl noch einen Ausnahmespieler hinzufügen und damit eines der anderen Topteams der Liga de facto demontieren. In die gleiche Richtung zielte die Kritik an Durant. Ähnlich wie im Falle von LeBron James bei dessen zwischenzeitlichem Umzug von Cleveland nach Miami wirft man ihm Egoismus zulasten der Liga vor.

Das Ende der Post-Michael-Jordan-Ära?

Einige wenige Stimmen sehen das anders. So schreibt der Kolumnist Harvey Araton in der „New York Times“, dass man den neuen Trend zur Monopolisierung von Stars begrüßen sollte. Mit der Durant-Curry-Combo sei endgültig die Post-Michael-Jordan-Ära vorbei, in der die Mehrheit der Teams um einen einzigen Superstar gruppiert wurde.

In jedem Fall wird die Curry-Durant-Show ein Publikumsmagnet. Die Fans auf der ganzen Welt können es jetzt schon kaum erwarten zu sehen, was für ein Feuerwerk die beiden Superschützen abfackeln. „Die Golden State Warriors sind das für die NBA, was Donald Trump für CNN ist“, schreibt das Sportportal ESPN.

Warriors-Coach Steve Kerr weiß um diese Erwartungen und versucht sie im Vorfeld zu dämpfen. Das Ziel sei es in dieser Saison nicht unbedingt, wie im vergangenen Jahr den Rekord an Saisonsiegen zu brechen. „Das hat uns letztlich in den Play-offs geschadet“, sagt er. Als es darauf ankam, hatte sein Team nicht genügend Kraft mehr, um gegen die aggressiven ­Cavaliers von LeBron James zu bestehen.

Wird es unmöglich, gegen die Warriors überhaupt ins Spiel zu kommen?

Stattdessen, so Kerr, werde man sich viel Zeit nehmen, um zu experimentieren. Gesucht wird der richtige Weg, um all diese Superspieler zu einer effektiven Einheit zu formen. Stephen Curry sieht dabei keine großen Probleme: „Ich denke, es wird für uns alle ­genügend Gelegenheiten geben, uns von unserer besten Seite zu zeigen.“

Auch andere Beobachter glauben nicht, dass die Superstars sich gegenseitig hemmen oder dass es wie einst zwischen Kobe Bryant und Shaquille O’Neill bei den Los Angeles Lakers zu einem Aufeinanderprall der Egos kommt. Dafür steht die selbstlose Kultur der Warriors, die nicht ­zuletzt Curry verkörpert. Vom ehemaligen NBA-Champion Kenny Smith wurde er als „uneigennützigster Superstar aller Zeiten“ geadelt.

Neuzugang Kevin Durant, so hofft man, wird sich dieser Kultur anpassen. Und dann könnte es, wie das Sportportal ESPN schreibt, „praktisch unmöglich“ werden, gegen die Golden State Warriors überhaupt nur ins Spiel zu kommen.

Auf den nächsten Seiten haben wir die – unserer Meinung nach – bisher besten NBA-Teams der Historie ausgewählt.

Chicago Bulls 1996

In den 1990er Jahren ging die Schuhmode unter Teenagern in Deutschland plötzlich in eine ganze neue Richtung – hin zum Basketballstiefel. Genauer gesagt: zum Nike Air Jordan. Verantwortlich dafür waren die Glanzleistungen des 1,98 Meter großen Überfliegers Michael „Air“ Jordan von den Chicago Bulls (und die zunehmende TV-Präsenz sowie rapide ansteigende Popularität der NBA hierzulande). Sein Spitzname – oder vielmehr Künstlername – heißt wörtlich übersetzt „Luft“, in seinem Fall trifft es „Luft-Hoheit“ allerdings besser. Der heute 53-jährige Milliardär, 1992 der größte Star unter all den Stars des legendären US-Dreamteams beim Olympiasieg in Barcelona, ist der beste Basketballer aller Zeiten. 1991, 1992, 1993, 1996, 1997, 1998 führte er die Chicago Bulls – vor und nach einem Intermezzo beim Baseball – zur Meisterschaft.

Die Mannschaft der Saison 1995/96 gilt als bestes Team der NBA-Geschichte, auch wenn der Rekord von 72 Siegen und nur zehn Niederlagen in der regulären Saison in der vergangenen Spielzeit von den Golden State Warriors knapp übertroffen wurde. Mit dem Spielmacher Ron Harper, dem Flügelspieler Scottie Pippen, der Reboundmaschine Dennis Rodman und dem Center Luc Longley bildete Michael Jordan eine formidable Anfangsfünf – der Kroate Toni Kukoc und der Dreierspezialist Steve Kerr (heute Warriors-Trainer) sorgten für erstklassige Entlastung von der Bank. Earvin „Magic“ Johnson, selbst eine Legende des Sports unter den Körben, sagte einmal: „Es gibt Michael Jordan – und dann gibt es noch den Rest von uns.“ (ggp)

Los Angeles Lakers 1987

Die Los Angeles Lakers sind ein Ausnahmeteam. Sie sind die einzige NBA-Mannschaft, deren Heimtrikot nicht weiß, sondern golden ist. Und das ist längst nicht die einzige Besonderheit an dem Club, dessen Name auf die Zeit vor dem Umzug nach Kalifornien zurückgeht. Denn bis 1958 spielte der Verein in Minneapolis im Bundesstaat Minnesota, dem „land of 10 000 lakes“ (Land der 10 000 Seen). Dort führte ihn der Center George Mikan zwischen 1949 und 1954 schon zu fünf Meisterschaften. In Los Angeles kam seitdem fast ein Dutzend Titel dazu – und viel Glamour.

Die Lakers hatten über die Dekaden dermaßen viele gute Mannschaften, dass es schwer ist, ­alleine schon ihr clubintern bestes Team aller Zeiten auszumachen. Das Starensemble um Wilt Chamberlain und Jerry West zog zwar zwischen 1968 und 1973 fünfmal ins NBA-Finale ein, holte aber nur 1972 den Titel. Nach einer anschließenden Durststrecke brachen mit der Verpflichtung von Kareem Abdul-Jabbar und Earvin „Magic“ Johnson die goldenen 1980er Jahre an, mit fünf Meisterschaften (1980, 1982, 1985, 1987, 1988). Mit James Worthy bildeten sie den Kern des „Showtime-Express“ – diesen Beinamen erhielten die Lakers jener Jahre wegen ihres spektakulären Spielstils. Ähnlich gut und erfolgreich war der Club mit Kobe Bryant und Shaquille O’Neal mit den Titeln 2000, 2001, 2002 und 2004, ehe Letztgenannter im Streit ging. Unerreicht bleiben aber wohl die umwerfend spielenden Meisterschaftsgewinner von 1987, die in einer epischen Finalserie den starken Titelverteidiger Boston Celtics 4:2 bezwangen. (ggp)

Boston Celtics 1986

Die Boston Celtics sind der erfolgreichste NBA-Verein überhaupt. Mit 17 Meisterschaften weisen sie einen Titel mehr auf als die Los Angeles Lakers. Bis auf den Triumph 2008 stammen diese Erfolge allerdings allesamt aus dem vergangenen Jahrhundert. Die Celtics sind das Team der Vergangenheit.

Die NBA-Mannschaft der 60er Jahre war nach dem ersten Titel im Jahr 1957 von 1959 bis 1966 stets obenauf und holte dann auch 1968 und 1969 weitere Meisterschaften. Auf dem Feld führte sie Bill Russell an, an der Seitenlinie dirigierte sie (bis 1966) der legendäre Trainer Red Auerbach. Nach zwei weiteren Titelgewinnen 1974 und 1976 erlebten die Männer aus Massachusetts in den 1980er Jahren mit drei Meisterschaften (1981, 1984, 1986) eine weitere Hochphase, in der sie sich zahlreiche geschichtsträchtige Duelle mit den Los Angeles Lakers lieferten.

So auch in der Saison 1985/86. Nach der Finalniederlage gegen die überragende Mannschaft der 1980er Jahre (siehe auch „Showtime-Express“) in der Saison zuvor , schlugen sie dem Erzrivalen ein Schnippchen. Der Superstar Larry Bird und Kevin McHale glänzten in der Offensive, Robert Parish in der Defensive. So kamen die Celtics in der regulären Spielzeit auf 67 Siege in 82 Spielen und spazierten danach auch durch die Play-offs.

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