Die Bundesliga hat an Glanz verloren. Wenn an diesem Freitag die neue Saison startet, wird es trotzdem spannend. Und die Liga steht unter verschärfter Beobachtung, kommentiert unser Autor Dirk Preiß.
Bei den eingefleischten Fans des ultimativen Kicks ist die Sehnsucht vermutlich schon groß. Am Wochenende beginnt die Bundesliga. Und Anhänger des kurzhosigen Ballnachjagens dürfen sich freuen auf Knaller-Duelle zum Start.
Der FC St. Pauli empfängt da den 1. FC Heidenheim. Der FC Augsburg hat den SV Werder Bremen zu Gast. Und Holstein Kiel misst sich in Sinsheim mit der TSG Hoffenheim. Den Auftakt macht an diesem Freitag die zuletzt mausgraue Borussia aus Mönchengladbach mit ihrem Heimspiel gegen den Meister, die Werkself aus Leverkusen. Und? Steigt das Fieber?
Meister-Kader wird zwanzigmal so hoch geschätzt wie der Aufsteiger
Damit kein falscher Eindruck entsteht: Die Ironie soll die Leistung der genannten Clubs keinesfalls schmälern. Jeder von ihnen hat sich sportlich die Teilnahme verdient, hat im Premierenjahr überrascht, sich seit Jahren etabliert im Oberhaus oder mit einer einzigartigen Saisonleistung den Titel gewonnen. Mit dem FC St. Pauli kehrt zudem ein kultiger Farbtupfer zurück, die Störche aus Kiel fliegen erstmals ein und versprechen ein neues Element.
Aber man wird auch das Gefühl nicht los, dass da schon mal mehr Glanz war innerhalb der deutschen Fußball-Bundesliga. Und der Abstand zwischen oben und unten wird mit der aktuellen Zusammensetzung auch nicht gerade kleiner. Ein Beispiel: Der Marktwert des Kaders von Meister Bayer Leverkusen wird mehr als zwanzigmal so hoch eingeschätzt wie jener des Aufsteigers Holstein Kiel. Die Bayern aus München spielen ohnehin noch einmal in einer anderen Liga.
Am meisten Spannung verspricht der FC Bayern
Gerade der in der vergangenen Saison gestürzte Rekordmeister macht diese Saison aber auch besonders spannend. Schlägt er zurück? Klappt das Experiment mit einem unerfahrenen Trainer? Ist der zuletzt unausgegorene Kader nach Investitionen von mehr als 140 Millionen Euro stimmig? Auch Borussia Dortmund hat kräftig investiert, um von Platz fünf wieder nach vorne zu rücken, sich dabei aber fast ausschließlich bei der Bundesligakonkurrenz bedient. Vor allem beim VfB Stuttgart.
Der hatte in der vergangenen Saison ja bewiesen, dass Cinderella-Storys trotz recht zementierter Machtverhältnisse in der Liga möglich sind. Klar, auch die Stuttgarter bedienen sich der gängigen Mechanismen, sammeln Geld bei potenten Investoren und Sponsoren ein, bedienen die Kundenwünsche der VIP-Anhänger und verlassen sich nicht allein darauf, dass aus Talenten plötzlich Megastars werden. Der Aufstieg des VfB vom Fast-Absteiger zum Vizemeister hat dennoch gezeigt, was möglich ist, wenn vorhandenes Potenzial mit guter Arbeit entwickelt wird. Die spannende Frage hier: Können die Stuttgarter das neue Niveau halten?
Rein sportlich bietet die neue Bundesligasaison also durchaus Gründe, sich das Treiben anzuschauen. Die Stadien werden größtenteils ausverkauft sein. Und auch ohne massenhaften Zukauf von Attraktionen aus dem Ausland bietet das Oberhaus ein starkes Leistungslevel. Zumal bis auf den Spanier Dani Olmo kein Hochkaräter die Liga Richtung England, Spanien, Italien oder gar Saudi-Arabien verlassen hat.
Das Produkt Bundesliga steht dennoch unter verschärfter Beobachtung. Letztmals greift in dieser Saison der TV-Vertrag, der den Clubs jährlich rund 1,1 Milliarden Euro garantiert. Bisher lief das Prozedere der Neuvergabe bis 2028 nicht frei von Störungen, ob ähnlich viel erlöst werden kann wie zuletzt, steht in den Sternen.
Trotzdem: Dass der Fußball noch die Kraft hat, Millionen Menschen in seinen Bann zu ziehen, hat die Europameisterschaft in Deutschland belegt. Und die ist ja noch gar nicht so lange her.