Robert Lewandowski und seine Bayern: Dominieren sie auch in dieser Saison wieder die Fußball-Bundesliga? Foto: Getty

Das Geschäft mit der Fußball-Bundesliga boomt, die Zuschauerzahlen sind hoch, die Fernseheinnahmen steigen. Doch sportlich läuft es nicht rund in der Liga, analysiert Sport-Redakteur Carlos Ubina.

Stuttgart - Der VfB Stuttgart wird Zehnter. Das ist keine gewagte Prognose, sondern das Ergebnis fundierter Berechnungen. Der Finanzmathematiker Jörg Seidel hat schon vor Jahren einen Algorithmus entwickelt, der am Ende die Abschlusstabelle einer Bundesligasaison auswirft. Sein System fußt dabei weder auf den Passquoten noch den Laufleistungen der Spieler, sondern einzig auf der härtesten Währung im Fußball: dem Tor. Wie groß ist der Einfluss eines einzelnen Profis auf den Ausgang einer Partie?, lautet die Kernfrage. Daraus ergibt sich dann ein Gesamtwert für den Kader, der ständig durch Transfers und Verletzungen nachjustiert wird. 20 000 Mal werden die vorhandenen Daten in den 306 Spielen einer Saison simuliert.

Trotz aller Komponenten und Korrelationen bleibt der Goalimpact, wie sich auch das aus dieser Idee entstandene Unternehmen nennt, aber nur eine Wahrscheinlichkeitsrechnung. Und weil die Menschen nicht wissen, wie es wirklich ausgeht, erliegen sie der Faszination Fußball und strömen in die Stadien. 41 515 Besucher wurden durchschnittlich in der vergangenen Saison in den Arenen der deutschen Eliteliga gezählt. Weltweit ist die Bundesliga mit diesem Wert die Nummer eins.

Erstmals ein leichter Zuschauerrückgang

Allerdings musste der Ligaverband DFL erstmals seit Jahren einen leichten Zuschauerrückgang verzeichnen. Fußballmüdigkeit lesen die einen heraus. Eine reine Kapazitätsfrage sagen die anderen. Mit den Stadien in Darmstadt und Ingolstadt sei nicht mehr zu erreichen gewesen. Nun gibt es in der Bundesliga aber nach dem Abstieg von Darmstadt und Ingolstadt keine kleinen Spielstätten mehr, sondern nur noch 18 Clubs mit großen Zielen und Erwartungen.

Dieter Hecking, der Trainer von Borussia Mönchengladbach, kann sich vor dem ersten Anpfiff an diesem Freitag die spannendste Saison aller Zeiten vorstellen. Die DFL-Manager würden sogar gerne mit der besten Liga aller Zeiten werben. Nur: Diese Einschätzung ist allein durch wachsende Umsatzzahlen und steigende Fernseheinnahmen gedeckt. In ihrem Report 2017 vermeldet die DFL mit 3,24 Milliarden Euro einen Umsatzrekord, den zwölften in Folge. Und noch nie sind so hohe TV-Honorare an die Clubs – insgesamt eine Milliarde Euro in dieser Saison – geflossen.

Sportlich schwächelt die Bundesliga

Sportlich sieht es jedoch anders aus. Zumindest im internationalen Vergleich. Zwar liegt Deutschland in der für den Europapokal maßgebenden Fünfjahreswertung hinter Spanien und vor England weiter auf dem zweiten Rang, doch die italienische Serie A holt als Vierter auf und die Bundesliga schwächelt. Denn zuletzt zeigte sich auf den Feldern der Champions League nur der FC Bayern als Punktegarant. In der vergangenen Runde war für den Rekordmeister jedoch ebenso wie für Borussia Dortmund im Viertelfinale Schluss – und die seit 2013 gepflegte Theorie, die Vorzeigevereine aus München und Dortmund würden mit dem damals rein deutschen Finalduell in der Königsklasse eine neue Fußballdominanz begründen, wurde endgültig widerlegt.

Seither haben nur spanische Clubs (dreimal Real Madrid, einmal FC Barcelona) die Champions League gewonnen. In der Europa League, die möglicherweise mehr über die Breite als die Spitze einer Liga aussagt, sieht die deutsche Bilanz noch schlechter aus. Die Sieger der jüngsten Vergangenheit heißen FC Sevilla und Manchester United – was insgesamt die These stützt, dass der erfolgreichste Fußball in der Primera Division gespielt und das meiste Geld in der Premier League verteilt wird.

Da kann selbst der FC Bayern nur schwer mithalten, der national bei allen Prognosen auf Platz eins landet. Für diese Vorhersage braucht es auch keinen Algorithmus. Doch zum Glück für Eintracht Frankfurt und Werder Bremen, die bei Goalimpact als Absteiger errechnet wurden, beinhaltet der Fußball immer noch eine Reihe von unkalkulierbaren Faktoren.

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