Seit Wochen warten die Bewohner des Waldenbucher Sonnenhofs, die ihr Zuhause verlassen mussten, auf Auskünfte zu den Schäden durch das Hochwasser. Bisher vergeblich.
Waldenbuch - Für die Bewohner des Waldenbucher Sonnenhofs sind es schmerzliche Wochen. In der Hochwassernacht vom 28. auf den 29. Juni evakuieren Feuerwehr und DRK ihre Wohnungen. Seitdem ist nichts mehr, wie es war. Von ihren Notquartieren aus verfolgen die Senioren, wie ihr Zuhause zur Baustelle wird und warten auf verlässliche Informationen.
Am 26. Juli gab es das erste offizielle Treffen mit der Stadt und dem Siedlungswerk. Doch weiterhin sind viele Fragen offen. „Die Zuständigkeiten sind für uns nicht klar erkennbar. Wir kämpfen uns durch ein Geflecht von Ansprechpartnern. Der eine sagt dies, die andere das, und niemand weiß genau, was Sache ist. Diese ständige Ungewissheit ist für uns alle sehr belastend“, sagt Almut Brodführer, die sich nichts sehnlicher wünscht, als endlich wieder in ihre kleine Wohnung unterm Dach zurückzukehren.
Viele Evakuierte verlässt langsam der Mut
Seit vier Wochen lebt sie in einer provisorischen Unterkunft der Familie in Stuttgart. Andere wurden in Hotels einquartiert, fanden in städtischen Immobilien und Ferienwohnungen eine Bleibe oder gingen in Kurzzeitpflege. „Der Großteil der Bewohner hat körperliche Einschränkungen und ist auf die gewohnte Umgebung und eine geregelte Tagesstruktur angewiesen“, erzählt Almut Brodführer. Viele seien psychisch schwer angeschlagen. Das bestätigt auch eine Mitbewohnerin, die ihren Namen nicht öffentlich machen will: „Ich habe zu vielen Nachbarn Kontakt. Sie werden immer stiller und mutloser.“
Der Schock sitzt tief. Sobald es regne, zuckten sie zusammen, erzählen die Seniorinnen. Die Ereignisse der Hochwassernacht müssen sie erst noch verarbeiten. „Als die Feuerwehr um fünf Uhr morgens an meine Tür geklopft hat, ging alles ganz schnell. Ich konnte nur meinen Geldbeutel, die Medikamente, den Ausweis und mein Handy mitnehmen“, erzählt Almut Brodführer. Im Haus war der Strom ausgefallen, durchs dunkle Treppenhaus ging es nach unten zu einem kleinen Bus, der die Bewohner zum Notlager im Feuerwehrgerätehaus transportierte.
Ein Lob für die Rettungskräfte
Für die Rettungskräfte gibt es ein dickes Lob von den Seniorinnen: „Das war perfekt organisiert. Keiner von uns musste einen Schritt alleine gehen und morgens um zehn Uhr war bereits für jeden ein Quartier gefunden.“ Doch dann riss der Faden ab. „Wir sind jetzt wochenlang den Informationen hinterhergelaufen. Das ist zermürbend“, berichtet Almut Brodführer.
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Ihre Mietwohnung gehört zum Bestand des Siedlungswerk Stuttgart. Ein Teil der Wohnungen ist in städtischem Besitz, außerdem gibt es private Eigentümer. Bei der Verwaltungsgesellschaft des Siedlungswerks SWV laufen die Fäden zusammen. Doch die Waldenbucher Senioren hat man dort nicht auf dem Schirm. „Es ist Glückssache, ob wir im zuständigen Büro in Böblingen jemanden erreichen, und wenn, dann sind die Auskünfte sehr vage. Bei der Schadensabwicklung und in Versicherungsfragen geht es voran. Mit unseren persönlichen Anliegen werden wir aber von einer Stelle zur anderen geschickt“, bemängelt die Seniorin.
Wer trägt die Kosten für Schäden und Interimquartiere?
Die beiden Damen würden gern verstehen, warum die Keller erst so spät ausgeräumt wurden, weshalb Bewohner, die noch gut zu Fuß sind, ihr Zuhause in den oberen Stockwerken nicht beziehen dürfen oder wer die Kosten für die Ausweichquartiere und die Schäden am persönlichen Eigentum übernimmt. Beim Treffen am 26. Juli gab es die ersten Antworten. „Die Ausgaben für die Hotels werden wohl übernommen“, erzählt Almut Brodführer. Auch für jene, die privat untergekommen sind, werde an einer Lösung gearbeitet.
„Das ist schon mal eine große Erleichterung“, sagt Almut Brodführer. Auch über den Stand der Bauarbeiten sind die Bewohner jetzt informiert: Acht Wochen soll es dauern, bis der Estrich in Keller und Erdgeschoss komplett erneuert ist. Im Moment wird die Elektrik durchgecheckt, der Notruf wieder aktiviert und nach einer Alternative für den defekten Aufzug gesucht. Für eine Rückkehr in ihre Wohnung im Dachgeschoss sieht die Seniorin keine Hürden mehr. „Ich bin fit, Strom, Telefon und Internet funktionieren, und auch die Handwerker stören mich nicht“, sagt sie.
Wie es mit dem Seniorenheim weitergehen soll
Doch die Eigentümer haben andere Pläne. „Da soll es wohl keine Ausnahmen geben“, sagt ihre Mitbewohnerin, die sich ebenfalls einen festen Termin für die Rückkehr gewünscht hätte und nun ernüchtert feststellt: „Es will sich einfach niemand festlegen.“ Das Warten geht also weiter, und auch die Suche nach Antworten wird fortgesetzt. Denn nach wie vor ist unklar, was die Stadt plant, damit der Sonnenhof bei Starkregen und Hochwasser künftig besser geschützt ist. „Ich habe den Bürgermeister darauf angesprochen, aber er ist nicht darauf eingegangen“, bedauert Almut Brodführer. Für sie und ihre Nachbarn steht deshalb fest: „Wir warten jetzt zwei Wochen, ob sich was tut, und haken dann noch einmal nach.“