Die Wohnungsbau Ludwigsburg trotzt der Baukrise und hat im vergangenen Jahr 72 neue Wohnungen fertiggestellt. Doch auch der wichtigste Player des Ludwigsburger Wohnungsmarktes ist ratlos, wie in Zukunft Neubauten entstehen sollen.
Angesichts der anhaltenden Baukrise überraschen die Zahlen der Wohnungsbau Ludwigsburg (WBL) doch ein wenig: Im vergangenen Jahr hat die WBL mehr als 300 Millionen Euro in den Bau von Wohnraum investiert und 72 Wohnungen fertiggestellt, unter anderem in den Baugebieten Grünbühl, Weingarten und Jägerhof. Damit hat das Wohnungsunternehmen der Stadt Ludwigsburg insgesamt 2391 Wohneinheiten im Bestand.
Der Jahresüberschuss liegt bei fast zwei Millionen Euro, fast doppelt so viel wie ursprünglich geplant. Und auch die Mieten der WBL steigen nur langsam und liegen im Durchschnitt bei rund acht Euro pro Quadratmeter – zwei Euro günstiger als der Mittelwert aller Ludwigsburger Mieten.
Baupreise um 29 Prozent gestiegen
Ähnlich gut sieht übrigens auch der Jahresbericht der Bietigheimer Wohnbau aus. Eigentlich erfreulich, doch die Zahlen zeigen nur einen Teil der Wahrheit. Denn WLB-Geschäftsführer Andreas Veit, Stadtverwaltung und Stadträte sorgen sich um die Zukunft von Neubauprojekten. „Deutschlandweit droht der Wohnungsbau zum Erliegen zu kommen“, sagt Veit. Doch wie sieht es in Ludwigsburg aus?
Die Probleme sind bekannt: Seit dem Jahr 2019 sind die Baupreise um 39 Prozent gestiegen, zudem wird es immer schwieriger, eine Bank zu finden, die eine Baufinanzierung mit akzeptablen Zinsen anbietet. Drittens fehlen laut Andreas Veit Förderprogramme von Bund und Land, die gerade für gemeinwohlorientierte Bauträger wie die WBL extrem wichtig seien. „Viele Förderprogramme wurden eingestellt, andere laufen zwar noch, es gibt aber kein Geld mehr – die Töpfe sind leer.“
Ein weiteres Sorgenkind ist das fehlende Interesse der Bürger an Eigentumswohnungen. Auch die WBL verkauft einen Teil ihrer Neubauwohnungen, um damit Geld für den Bau von neuem, meist sozial gefördertem Wohnraum zu finanzieren. Die Verkäufe würden aktuell vor sich hin „tröpfeln“, sagt Veit. „Das muss besser werden, sonst fehlt uns das Eigenkapital für den Wohnungsbau.“
Viele schlechte Vorzeichen, nicht nur für die WBL, sondern für den gesamten Wohnungsmarkt. Und das, während jetzt schon mehr als 1500 Menschen auf einer Warteliste für eine Wohnung in Ludwigsburg stehen. „Wenn es keinen neuen Wohnraum gibt, ist das ein gesellschaftliches Problem“, sagt Daniel O’Sullivan, Stadtrat der SPD. Und auch CDU-Rätin Edith Klünder sagt: „Wir brauchen in Ludwigsburg viel mehr Wohnungen. Wir können das lokal nicht lösen, da ist die Landes- und Bundespolitik gefragt.“
Kopf nicht in den Sand stecken
Wie geht es weiter mit dem Neubau in Ludwigsburg, wird überhaupt noch gebaut? Aktuell arbeitet die WBL an 288 Wohnungen, deren Fertigstellung gesichert sei, sagt Veit. Einige Projekte, wie die Weiterentwicklung des Baugebiets Grünbühl werden jedoch aufgeschoben. Ähnliches berichten die Bietigheimer Wohnbau, Pflugfelder und Layher. Private und gemeinwohlorientierte Bauträger der Region sind vorsichtig und drosseln ihre Tätigkeiten – Wohnbauprojekte lohnen sich aktuell einfach nicht.
Andreas Veit will aber nicht ausschließen, dass die WLB in den kommenden Jahren neue Projekte in Angriff nimmt – beispielsweise auf dem Fuchshof. Die Flächen des größten Neubaugebietes der Stadt sollen in den kommenden Monaten an Bauträger verkauft werden, auch die WBL will mitmischen.
„Wir wollen den Kopf nicht in den Sand stecken“, sagt Veit. Die WBL tue alles dafür, Baukosten zu senken, angemessene Zinsen zu bekommen, Förderungen zu ergattern und neuerdings auch Kooperationen mit anderen gemeinwohlorientierten Bauträgern zu finden. Alles, um neuen Wohnraum zu schaffen. „Wir planen weiter und reichen Baugesuche ein. Wir sind bereit zum Bauen, wenn es wieder bezahlbar ist.“