Hartmut Rehorsch möchte eine Gedenktafel am Flugzeug anbringen lassen. Anwohnern ist der Flieger ein Dorn im Auge. Foto: Bernd Zeyer

Der Starfighter bekommt eine Gedenktafel. Ob er auf dem Dach bleiben darf, ist noch unklar.

Zuffenhausen - Seit gut zwei Monaten steht ein ausrangierter Starfighter auf dem Dach der Firma Merkle an der Zahn-Nopper-Straße 16 (die Nord-Rundschau berichtete). Ob er dort bleiben darf, ist nach wie vor nicht geklärt. Trotzdem möchte Geschäftsführer Hartmut Rehorsch an dem Jet nun eine Gedenktafel aufhängen, die an verunglückte Piloten erinnert.

„Im Gedenken an die Piloten, die für Deutschland und den Frieden ihr Leben gelassen haben“, steht auf der anderthalb Quadratmeter großen Tafel. Laut Hartmut Rehorsch soll das Schild nicht nur an Starfighter-Piloten, sondern auch an alle anderen Flieger der Bundesluftwaffe erinnern, die im Einsatz zu Tode gekommen sind. Ursprünglich hatte er geplant, eine Tafel mit den Namen aller 116 toten deutschen Starfighter-Piloten aufzuhängen. Dieses Projekt liegt nun aber mindestens so lange auf Eis, bis die Zustimmung aller Angehörigen eingeholt ist. Beim Bundesverteidigungsministerium hat der Hobbypilot mittlerweile auch schon vorgefühlt. Dort, so berichtet er, stünde man dem Projekt positiv gegenüber.

Dass der silberne Vogel auf dem Dach dermaßen Staub aufwirbeln würde, hätte Rehorsch nicht gedacht. Unter anderem war das Thema in China, Indien, Russland und Brasilien in den Medien präsent, meist im Internet. „Zuffenhausen ging noch nie so schnell um die Welt wie mit dem Starfighter“, sagt Rehorsch. Zwei Wochen lang habe er sich um nichts anderes kümmern können, täglich hätten Journalisten und Fotografen angefragt. „Natürlich ist das auch eine tolle Werbung für die Firma. So etwas hätte man normalerweise gar nicht schalten und bezahlen können“, erzählt der Geschäftsführer und ergänzt: „Wir haben deutlich mehr Anfragen und machen sicher auch mehr Umsatz.“ Das hat für Rehorsch auch positive finanzielle Auswirkungen: Ursprünglich hatte er das Projekt, das eine sechsstellige Summe gekostet hat, privat finanziert. Nun wird die Firma die Kosten übernehmen.

„Hier geht es um Recht und Unrecht“

Zwar hat das Interesse inzwischen nachgelassen, laut Rehorsch kommen aber immer noch 20 bis 30 Leute täglich, um sich das ausgediente Kampfflugzeug anzuschauen, darunter auch Kindergärten und Schulklassen. Seit zwei Tagen gibt es unter www.starfighter-stuttgart.de einen eigenen Internet-Auftritt. Mehr als 1000 Unterschriften für den Verbleib des Flugzeugs sind zusammen gekommen, ebenso viele „Oben bleiben“ Aufkleber sind verteilt worden.

Ob der Starfighter auf dem Firmendach bleiben darf, dazu hat sich das Baurechtsamt noch nicht geäußert. „Fünf Anwälte sind für mich am Ball“, erzählt Rehorsch. Die kompletten Statik-Unterlagen sowie ein Lageplan mit Höhenangaben seien fristgerecht Ende April eingereicht worden. „Die Unterlagen liegen vor und werden geprüft“, bestätigt Sven Matis, Pressesprecher der Stadt Stuttgart. Mehr könne er noch nicht sagen, innerhalb der Verwaltung sei jedenfalls bislang noch keine Entscheidung getroffen worden.

Bei den Anwohnern gibt es nach wie vor Widerstand gegen den Jet. Rehorsch vermutet freilich, dass der Starfighter nur ein vorgeschobenes Motiv ist, einen schon seit einiger Zeit schwelenden Nachbarschaftsstreit neu zu befeuern. Das möchte eine Anwohnerin aus der Rütlistraße so nicht stehen lassen. „Hier geht es um Recht und Unrecht“, sagt die Dame, die ihren Namen nicht in der Zeitung abgedruckt haben möchte. Es könne nicht sein, dass Rehorsch mache, was er wolle. Jeden Tag habe sie das Kriegsgerät vor Augen, das finde sie makaber. Auch von einer Gedenktafel hält sie wenig: „Wenn es wirklich um das Andenken geht, dann hätte man mit dem Geld, welches das Projekt gekostet hat, einen Fonds für die Hinterbliebenen einrichten können.“ Ein Denkmal gehöre nicht aufs Dach, sondern ins Museum. Ohnehin müsse man nicht auf ein Flugzeug stolz sein, von dem so viele abgestürzt seien. Für sie gibt es nur eine Lösung: „Der Starfighter muss weg.“

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