Eine Szene aus dem neusten Star-Wars-Film Foto:  

J. J. Abrams, der schon „Star Trek“ zu neuem Kinoglanz verholfen hat, ist bei „Star Wars“ eine Hommage gelungen, die über eine Zitatensammlung aus glorreichen Zeiten weit hinausgeht: Er holt George Lucas‘ Stoff mit frischen Impulsen zurück ins Leben und in die Gegenwart.

Stuttgart - Das Universum - Alles fühlt sich an wie früher, wie in den Episoden vier bis sechs (1977–1983) – das ist wohl das größte Kompliment für einen Regisseur, der eine zum Mythos geronnene Kinoreihe fortsetzt. J. J. Abrams hat schon „Star Trek“ zu neuem Kinoglanz verholfen, „Star Wars VII“ nun ist eine Hommage, aber mehr als eine Zitatensammlung aus glorreichen Zeiten: Er knüpft direkt an Episode sechs an und holt George Lucas’ Stoff mit frischen Impulsen zurück ins Leben, in die Kinogegenwart.

Luke Skywalker, der letzte ­Jedi-Ritter, ist verschwunden. Verwerfungen stehen im Raum. Noch nie hat man in Mark Hamills (64) Gesicht solchen Schmerz gesehen. Wieder ist die Welt am Abgrund zwischen Gut und Böse, und alles wird davon abhängen, welche Seite Luke zuerst findet. Wieder geht es um die ­Verführbarkeit derer, in denen die ominöse Macht stark ist, jener pseudoreligiöse Kitt, der die Reihe zusammenhält. Die lichte oder die dunkle Seite, Kriegermönch oder Dämon? Auf der dunklen Seite lauern mächtige Manipulatoren, auf der lichten weise Mentoren.

Harrison Ford (73) ist zurück in seiner ­Paraderolle als Weltraumpirat Han Solo, er rennt, schießt und ­laviert wie einst, es ist sein stärkster Auftritt seit sehr langer Zeit. Carrie Fisher führt weiter die Rebellion an als zur Generalin gereifte Prinzessin Leia – und beide sind nach wie vor verstrickt in die Kabbeleien Liebender, die nicht ohne einander können und nicht mit. Die geröhrten ­Anspielungen des haarigen Chewbacca funktionieren nicht nur hier ohne Worte.

Daisy Ridley etabliert sich aus dem Stand als Sympathieträgerin

Zu den alten Helden kommen neue. Mit katzenhafter Anmut spielt die junge Engländerin Daisy Ridley die wunderbare Rey, familiär gebunden auf dem wüsten Planeten Jakku, wo sie sich unter galaktischem Treibgut als Schrottjägerin durchschlägt. Ihr Platz ist woanders, so sehr sie sich sträubt, und bald entdeckt sie sich selbst neu. Mit starkem Willen, flinkem Körper, ­wachem Geist etabliert sie sich aus dem Stand als Sympathieträgerin.

Der junge Brite John Boyega brilliert als Deserteur von der dunklen Seite, der mit feinem komödiantischem Timing um die Frage kreist, ob er sich dem Staub machen soll oder seiner Tat einen Sinn geben und sich dem Widerstand anschließen. Einen neuen Gefährten bekommen die Droiden R2-D2 und C-3PO: Der putzige BB-8, eine sich rollend fortbewegende Kugel mit aufsitzendem Kuppelkopf, hat Regungen wie ein Kind oder ein kleines Tier. Er ist anhänglich, dem Menschen ein treuer Freund wie ein Hund.

Nach dem Untergang Darth Vaders und des Imperators hat die dunkle Seite völlig neue Protagonisten. „Erste Ordnung“ nennen sich die Erben des Imperiums, deren entstellter Potentat Snoke nur als gigantisches Hologramm erscheint. Der junge Choleriker Kylo Ren eifert verbissen dem Vorbild Vaders nach, wütet mit feuerrot ­oszillierendem Lichtschwert. Er setzt die Macht drangsalierend ein – als müsste er sich selbst immer aufs Neue beweisen, das er sie besitzt.

Der Film ist beseelt vom lakonischen Humor der ersten Trilogie

Eine schwierige Rolle, die Adam Driver („Gefühlt Mitte 20“) nuanciert ausgestaltet: Er gibt dem Zwiespalt, in dem seine Figur steckt, unzählige einander überlagernde Facetten – und geht bravourös durch die kontroverseste Szene, die es jemals in einem „Star Wars“-Film gegeben hat. Hier mehr zu verraten hieße, die Spannung zu verderben.

Anders als in den Episoden eins bis drei (1999–2005), die Lucas eher fahrig inszenierte, sind alle Figuren echte Charaktere, die ­jede für sich ihr Päckchen zu tragen haben. Die Erzählung ist weniger bierernst, wieder beseelt vom lakonischen Humor der ersten Trilogie. Visuell ­erreicht Abrams eine neue Qualität mit gestochen scharfen Bildern und kaum als solchen wahrnehmbaren Effekten.

Weltraumschlachten, Hyperraumflüge, Aliens in wundersamsten Gestalten, von Droiden projizierte Hologramme, Lichtschwertduelle – ­alles ist von hyperrealistischer Finesse, und das auch noch in 3-D. ­Abrams setzt die Stereoskopie behutsam ein, aber wirkungsvoll, Hallen in der Festung des Bösen erscheinen riesig, kleine Kammern winzig. Dabei hat Abrams viel analog ­gedreht: Han Solos komplett nachgebauter Millennium-Falke ist ein Schrotthaufen zum Anfassen, aber immer noch ein sehr schneller.

Fans dürfte die klassische Handlung mit wohliger Nostalgie erfüllen

Die Schwäche des Films ist die Handlung – Abrams verschenkt die Chance, etwas anderes zu erzählen als das Übliche. Die dunkle Seite hat eine neue Waffe, gewaltiger noch als der Todesstern, erneut steht ein Vater-Sohn-Drama im Zentrum. Dass dieses ohne Not viel zu früh im Dialog preisgegeben wird, ist ein Makel, der Spannung kostet.

Fans dürfte die klassische Handlung mit wohliger Nostalgie erfüllen, andere werden gebannt den starken Charakteren und ihren Beziehungen folgen, die in diesem Kino-Spektakel viel wichtiger sind als der immer gleiche Showdown mit Fliegerschlacht. Die Magie ist zurück – mit Macht. Und mit einem Cliffhanger für Episode acht.

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