Mit dem Kinofilm „Star Trek“ (2009) hat J. J. Abrams frischen Wind in die etwas angestaubte Weltraumsaga gebracht. Nun soll er auch „Star Wars“ neu beleben. Zunächst kommt an diesem Donnerstag aber das neue „Star Trek“-Abenteuer „Into Darkness“ in die Kinos.

Mit dem Kinofilm „Star Trek“ (2009) hat J. J. Abrams frischen Wind in die etwas angestaubte Weltraumsaga gebracht. Nun soll er auch „Star Wars“ neu beleben. Zunächst kommt an diesem Donnerstag aber das neue „Star Trek“-Abenteuer „Into Darkness“ in die Kinos.

Mr. Abrams, heute „Star Trek“, morgen „Star Wars“ – wie halten Sie diesen enormen ­Erwartungsdruck aus?
Ich habe gar keinen gefühlt, bis Sie es ­erwähnt haben! (Lacht.) Es herrscht doch immer Druck. Ich erinnere mich gut an die großen Plakatwände, die 1998 für unsere erste Fernsehserie „Felicity“ warben: „Von J. J. Abrams und Matt ­Reeves“. Ich dachte mir: „Oh Mist, was wird bloß, wenn sich kein Mensch diese ­Serie anschaut?“ Dann machte ich meinen ersten Kinofilm „Mission: Impossible III“, mit dem größten Budget, dass man je einem Debütanten zur Verfügung gestellt hat. Es hätte ein Desaster werden können, schließlich hatte ich bis dato nur Serien-Episoden inszeniert. Nun trat ich in die Fußstapfen von John Woo und Brian De Palma. Immer, wenn ich mich einem neuen Projekt ­gewidmet habe, gab es eine skeptische ­innere Stimme.

Wie wollen Sie den Vorstellungen einer eingefleischten Fan-Basis gerecht werden?
Eine große Erwartungshaltung ist doch viel besser als gar kein Interesse. Ich fühle mich den „Star Trek“-Fans verbunden und den „Star Wars“-Fans erst recht. Ich ­komme mir nicht wie ein Außenseiter vor, der ins Revier einbricht.

Wie hat sich Benedict Cumberbatch als neuer „Star Trek“-Bösewicht qualifiziert?
Die Suche gestaltete sich schwierig. Schließlich riet mir Produzent Damon Lindeloff, ich solle mal „Sherlock“ unter die Lupe nehmen. Ich hatte die Serie noch nie gesehen. Als ich mir eine Episode anschaute, war ich von Benedicts Arbeit sofort sehr angetan. Ich wusste, dass er unser Mann ist. Er sprach dann via iPhone vor und erfüllte alle Erwartungen. Er ist ein überaus intelligenter Mensch. Man kann Charaktere wie „Sherlock“ oder den „Star Trek“-Bösewicht nicht spielen, wenn man nicht selbst ein cleverer Typ ist.

Wie haben Sie den Look des Bösewichts erarbeitet?
Ich habe mir viele Filme als Referenzen angeschaut, um den besten Weg für uns zu finden. Am Ende ist er nur ein Kerl im schwarzen Hemd. Er hat nicht einmal lange Haare. Er ist ein adretter Typ ohne verrücktes Tattoo, ohne lächerliche Maske und ohne auffälliges Kostüm. Als wir drehten, fühlte es sich für mich so elementar einfach an. Ich war mir nicht sicher, ob das nicht ein riesiger Fehler war. Es ist Benedicts Verdienst, dass er auch ohne besonderes Kostüm ­allein durch seine Präsenz und sein Spiel so furchteinflößend sein kann.

Wie immer haben Sie um jeden Aspekt des neuen Filmes große Geheimhaltung ­betrieben. Warum legen Sie so großen Wert darauf?
Wenn ich mir heute Filmtrailer anschaue oder Artikel lese, dann verraten sie häufig viele Details. Ich gehe ins Kino und denke mir, oh Mann, ich kenne ja schon den ganzen Film! Dann kommen diese Marketingleute an und sagen, wir haben Studien, die belegen, dass die Leute einen Film noch dringender sehen möchten, wenn sie wissen, was darin passiert. Das wage ich zu ­bezweifeln. Ich behaupte ja nicht, dass man dem Publikum keinen Appetit machen soll. Man muss immer etwas preisgeben. Und das zu dosieren ist im Internetzeitalter sehr schwierig. Aber man sollte das Kinoer­lebnis für den Zuschauer bewahren. ­Niemand soll das Gefühl haben, alles schon zu kennen.

Stimmt es, dass Sie einem todkranken „Star Trek“-Fan eine unfertige Fassung des Films gezeigt haben?
Ja. Es handelte sich um einen Herrn aus New York, der an einer besonders aggressiven Form von Krebs erkrankt war. Seine Frau hatte im Internet gepostet, dass er nicht mehr lange zu leben hätte und dass es sein letzter Wunsch sei, den neuen „Star Trek“-Film noch sehen zu dürfen. Wir ­waren noch nicht annähernd fertig, die ­visuellen Effekte waren erst zu einem Bruchteil vorhanden. Als ich diese ­Geschichte las, erinnerte sie mich daran, dass unsere Arbeit, mit der wir einfach nur unterhalten wollen, manchen Menschen sehr viel bedeutet. Wir mussten dieses Paar unbedingt ausfindig machen. Der Film wurde ihnen dann in ihrem Apartment vorgeführt, ich hatte auch eine Video-Grußbotschaft aufgezeichnet. Vier Tage später ist der Mann gestorben.

Der „Star Trek“-Film dreht sich um Regeln, die man befolgt oder bricht. Nach welchem Prinzip entscheiden Sie, welche „Star Trek“-Regeln Sie befolgen und welche nicht?
Eine interessante Frage. Ich selbst war nie ein eingefleischter „Star Trek“-Fan. Dinge wie die Oberste Direktive haben mir kein größeres Kopfzerbrechen bereitet. Die ­Autoren haben das Wesen von „Star Trek“, seine Charaktere und die Hintergrundgeschichte immer im Hinterkopf ­behalten. Ich habe gelernt, dass die Grundprinzipien nicht immer und überall eingehalten werden. Nichts ist in Stein ­gemeißelt, es werden immer wieder Ausnahmen gemacht. Ich ­habe mich einfach danach gerichtet, welches Element sich für mich richtig angefühlt hat. Ein Autor wie Roberto Orci, der ein großer „Star Trek“-Fan ist, hat eine eher logische Sicht auf die Dinge. Es ist eine unablässige Diskussion zwischen den Produzenten, den Autoren und mir im Gang, bis wir zu einem Ergebnis kommen, das sich für alle richtig anfühlt.

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