Standort-Umzug Netze BW verlegt Ausbildung nach Esslingen

Von Konstantin Schwarz 

Die EnBW siedelt das Ausbildungszentrum ihres Tochterunternehmens Netze BW in einem Neubau in Esslingen an. Bisher sind die 200 Plätze in Stuttgart. Foto: dpa
Die EnBW siedelt das Ausbildungszentrum ihres Tochterunternehmens Netze BW in einem Neubau in Esslingen an. Bisher sind die 200 Plätze in Stuttgart. Foto: dpa

Die Netze BW, ein Tochterunternehmen der EnBW, verlegt ihr Ausbildungszentrum aus Stuttgart nach Esslingen. In der Landeshauptstadt gab es Artenschutzprobleme, die nicht rasch genug gelöst werden konnten.

Stuttgart - Die für den Ausbau und die Wartung von Energienetzen zuständige Netze BW kehrt mit ihrem Ausbildungszentrum der Landeshauptstadt den Rücken. Das Tochterunternehmen der Energie Baden-Württemberg (EnBW) hat bisher am Standort Stöckach im Osten rund 200 Plätze eingerichtet. Ihre Zahl soll in wenigen Jahren auf 250 steigen.

Dafür hatte Netze BW einen Neubau auf eigenem Gelände an der Talstraße beim Gaskessel geplant und laut einem Firmensprecher bei der Stadt einen Bauantrag eingereicht. Artenschutz und Brandschutzanforderungen hätten zusätzlichen Aufwand ergeben, damit sei der Zeitplan für die Inbetriebnahme des Neubaus im Juni 2019 nicht mehr zu halten gewesen. Es sei deshalb entschieden worden, das neue Aus- und Weiterbildungszentrum in Esslingen an der Kurt-Schumacher-Straße auf ebenfalls eigenem Grund zu erstellen. Der Bauantrag für Stuttgart sei am 10. Mai zurückgezogen worden.

Verdi kritisiert OB Kuhn

Die Gewerkschaft Verdi kritisiert angesichts dieser Entwicklung OB Fritz Kuhn (Grüne). Gewerkschaftsvertreter und der Betriebsratsvorsitzende hätten Kuhn am 28. Februar um ein Gespräch zum Ausbildungszentrum gebeten. Das sei aber bis heute nicht zustande gekommen. „Daraus lässt sich auch erkennen, welche Wertigkeit der Erhalt von Ausbildungsplätzen in Stuttgart hat“, schreiben Fachbereichsleiter Jakob Becker und Verdi-Geschäftsführer Cuno Brune-Hägele in einer Pressemitteilung. Kuhn habe eine Chance vertan, so Brune-Hägele.

„Es gibt in diesem Fall keinen Vorwurf unseres Unternehmens an die Stadt“, betont indes der EnBW-Sprecher. Schuldzuweisungen seien nicht angebracht. Im Fall Stöckach stehe man unter Zeitdruck. Das Gelände im Osten – immerhin 42 Hektar groß – solle 2020 nicht mehr genutzt werden. Mehrere Gebäude stehen bereits leer.

Über die Liegenschaft spreche man mit der Stadt. Die Kommune plant einen Wohnbauschwerpunkt mit 400 Einheiten. Es gebe „kein Vorkaufsrecht für die Stadt, aber es wird Gespräche geben“, so eine Stadtsprecherin. Die Stadt bedauere die Bauentscheidung, wichtig sei aber, „dass dieses Ausbildungszentrum in der Region bleibt“. An der Talstraße müsse der Artenschutz für Mauereidechsen, Wildbienen und blauflügelige Sandschrecken sichergesellt werden, darum habe man sich „im engen Dialog“ mit der EnBW bemüht. Doch sei der Zeitdruck zu groß gewesen.

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