Bei der Stallwächterparty in der baden-württembergischen Landesvertretung in Berlin feiert man fraktions- und länderübergreifend: SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück (links), Ministerpräsident Winfried Kretschmann und der Botschafter Frankreichs, Maurice Gourdault-Montagne (rechts). Foto: dpa

Keine zwei Monate vor der Bundestagswahl haben Politiker aller Couleur bei der Stallwächterparty in Berlin noch einmal zusammen gefeiert. Prominentester Gast war SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück.

Berlin - Wo ist Peer Steinbrück? Der SPD-Kanzlerkandidat sollte zu den ersten Gästen der Stallwächterparty in der baden-württembergischen Landesvertretung in Berlin gehören. Doch der „Stargast“ ließ sich etwas Zeit. Mit einigen Minuten Verspätung schob sich Steinbrück am Donnerstagabend durch die Menschenmenge, nahm am Tisch von Regierungschef Winfried Kretschmann (Grüne) Platz und lauschte den Reden, in denen die deutsch-französische Freundschaft beschworen wurde. „Lieber Peer, schön dass Du da bist“, begrüßte ihn Bundesratsminister Peter Friedrich (SPD) unter großem Applaus.

Immerhin - er war da. Dabei schneidet die Südwest-SPD in den Umfragen - zuletzt waren es 19 Prozent - noch schlechter ab als die Partei im Bund, die nach dem aktuellen ARD-Deutschlandtrend auf 25 Prozent kommt. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte sich hingegen für die Party der von Grün-Rot regierten Baden-Württemberger entschuldigen lassen. Ob terminliche oder andere Gründe wenige Wochen vor der Bundestagswahl eine Rolle spielten, blieb offen. Mit mehr als 1500 Gästen zählt die Stallwächterparty zu den größten Sommerfesten im politischen Berlin. In diesem Jahr - 50 Jahre nach der Unterzeichnung des Elysée-Vertrags, der die deutsch-französische Freundschaft begründete - stand sie im Zeichen des französischen Nachbarn.

Schäuble und Özdemir unter den Gästen

Bundesprominenz machte sich im Gegensatz zu den Vorjahren aber rar. Grünen-Bundeschef Cem Özdemir und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), beide gebürtige Baden-Württemberger, zählten dazu. Auch SPD-Parlamentsgeschäftsführer Thomas Oppermann und die Regierungschefs von Hamburg und Niedersachsen, Olaf Scholz und Stephan Weil (alle SPD), wurden gesehen. Gastgeber Peter Friedrich erklärte die geringe Prominentendichte damit, dass der Bundestag - im Gegensatz zum Bundesrat - bereits in der vergangenen Woche seine letzte Sitzung vor der parlamentarischen Sommerpause hatte und viele Bundespolitiker schon nicht mehr in der Hauptstadt waren.

FDP-Landeschefin Birgit Homburger hatte keine Probleme damit, mit dem parteipolitischen Intimfeind Grün-Rot zu feiern. „Ich halte es für wichtig, auf der persönlichen Ebene einen Kontakt zu halten.“ Der baden-württembergische Beamtenbundchef Volker Stich vergaß für einen Augenblick seinen Zoff mit der Landesregierung über Sparmaßnahmen. Am Dienstag hatte Kretschmann bekräftigt, wenn es nach ihm gegangen wäre, hätten die Beamten noch stärkere Einbußen hinnehmen müssen.

Steinbrück verabschiedete sich nach 45 Minuten. Auf dem Weg nach draußen wechselte er ein paar Worte mit dem Fraktionschef der Grünen im Bundestag, Jürgen Trittin, der gerade kam, und steuerte dann auf das Polizeimusikkorps Karlsruhe zu - für ein gemeinsames Foto. Für einen Moment schimmerte Steinbrücks loses Mundwerk durch, das ihm als Kanzlerkandidat schon so viele Probleme bereitet hat. „Sind alle drauf?“, rief er laut, als die Fotografen ihre Bilder machten. „Sie müssen nicht so weit wegstehen“, raunte er einer Musikerin zu, die weiten Abstand hielt. Die Bitte, den Taktstock zu übernehmen, erfüllt er aber nicht. „Keine Zeit, ich muss weiter“, sagte der Kanzlerkandidat und entschwand mit seinem Tross.

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