Zum Wohlsein: Grünenfraktionschefin Renate Künast stößt mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann an. Foto: dpa

Winfried Kretschmann feiert in Berlin seine erste Stallwächterparty als Ministerpräsident.

Berlin - Im heikelsten Moment macht Winfried Kretschmann eine Kunstpause. Das Thema „Automobilsommer 2011“ der Stallwächterparty stamme von seinen Vorgängern, berichtet Baden-Württembergs grüner Ministerpräsident. Wie er das finde? Nach einem Moment raunt er den gespannt lauschenden Besuchern nur zu: „Passt.“ Einen weiteren Augenblick später schiebt er eher etwas verlegen nach: „Denn die Autos müssen ja grüner werden.“ Es ist das erste Mal, dass Grün-Rot das Sommerevent im politischen Party-Berlin ausrichtet - und eine gute Gelegenheit, die Wandlungen bei den Grünen zu besichtigen.

2000 Gäste und schicke Flitzer

Auf dem Weg zum Traditionsfest müssen sich die rund 2000 Gäste an Sportflitzern vorbeidrängeln. Bundestags-Fraktionschefin Renate Künast bleibt an dem Auto-Spalier stehen - baden-württembergischer Provenienz und elektrisch betrieben. Ob sie schon mal in so einem Ding saß? „Nein“, bekennt die langgediente Grüne, die jetzt auf den Posten von Berlins Regierungschef Klaus Wowereit (SPD) durchstarten will. Entsprechend fackelt sie bei einem schrillen gelben Exemplar nicht lange und nähert sich demonstrativ furchtlos.

Als Kretschmann noch designierter MP war, machte es Furore im Autoland, als er zitiert wurde mit dem Satz: „Wir müssen mit weniger Autos in Deutschland auskommen.“ In Zukunft zählten ganze Mobilitätskonzepte und nicht nur Autos. SPD-Landeschef Nils Schmid musste in die Bresche springen mit dem Hinweis: „Jede baden-württembergische Landesregierung hat Benzin im Blut.“

"Zwar nicht sexy, aber reich an Ideen"

Am Donnerstagabend umschmeichelt Kretschmann nun die Autobauer, preist Audi, Daimler und Porsche als Hauptsponsoren der Sause in der Landesvertretung. Mit einem Seitenhieb auf Wowereits bekannten Spruch verspricht Kretschmann: „Wir sind in Baden-Württemberg zwar nicht alle sexy, aber“ - und bei dem Wort schreit er kurz auf - „reich an Ideen.“ Auto- und andere Firmen sollten weiter Sachen erfinden, so dass es bald in Richtung nachhaltige Mobilität gehe.

„Dafür brauchen wir die Unterstützung von ihnen allen.“ Den Wunsch könnte der Mann aus dem Südwesten auch auf die gesamte angestrebte Energiewende gemünzt haben zwei Wochen nach dem Atomausstiegs-Parteitag, von dem die Grünen sich einen Schub in Richtung Regierungspartei auch im Bund 2013 erhoffen.

Schwarz-gelb mit kleinen Berührungsängsten

In Berlin hat man sich noch nicht ganz an die neuen Verhältnisse zwischen Bodensee und Hohenlohe gewöhnt. Viele Gäste müssen zweimal hingucken, als sich auf den schwer umringten Spitzenplätzen in der Mitte vor der Bühne die grünen Größen Claudia Roth, Künast, Jürgen Trittin, Cem Özdemir, Fritz Kuhn drängen.

Aber auch Gesichter von der schwarzen und gelben Seite des politischen Spektrums sind zu sehen - wenn auch deutlich weniger als bisher. Fianzminister Wolfgang Schäuble (CDU) ist zu sehen. Die Kanzlerin hat abgesagt - aus terminlichen Gründen.

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