Die Schülerinnen des St-Agnes-Gymnasiums beteiligten sich mit Fragen und Beiträgen an der Podiumsdiskussion. Foto: Manuel Kern

Gymnasiastinnen diskutieren mit der Staatssekretärin Marin von Wartenberg über die Chancen von Akademiker- und Arbeiterkindern.

S-Mitte - Große Politik-Bühne im Mädchengymnasium St.Agnes an der Gymnasiumstraße: Bei einer Podiumsdiskussion geht es am Mittwoch richtig zur Sache. Eingeladen hat der Gemeinschaftskunde-Kurs der Klassenstufe 12, der sich in einem Schulprojekt mit Bildungspolitik auseinandergesetzt hat. Unter Leitung ihrer Lehrerin Ingrid Sauter-Ehmann haben die Schülerinnen die Veranstaltung akribisch geplant und vorbereitet. Um Bildungsgerechtigkeit soll es in der voll besetzten Aula gehen, und schnell wird klar: Das Thema ist so vielschichtig und komplex, dass die Zeit nur reicht, um einige Aspekte anzureißen. Zumal es, auch angesichts der nahenden Landtagswahl und der aktuellen Debatte über die Integration von Flüchtlingen, jede Menge politischen Zündstoff bietet.

Acht Gäste haben die Schülerinnen eingeladen, vier davon aus der Landespolitik. Marion von Wartenberg (SPD), Staatssekretärin im Kultusministerium, ist da, außerdem Siegfried Lehmann, Vorsitzender des Bildungsausschusses in der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen. Ihnen gegenüber sitzen Timm Kern (FDP) und Volker Schebesta (CDU), beide parlamentarische Geschäftsführer und stellvertretende Vorsitzende ihrer jeweiligen Landtagsfraktion. Beide Seiten liefern sich immer wieder kleine Scharmützel. Vor allem an der Frage, ob nun acht oder neun Jahre Gymnasium das Richtige sind, scheiden sich die Geister. Auch die personelle Situation an den Schulen sorgt für kontroverse Beiträge.

Flotter Ritt durch aktuelle Themen aus der Schulwelt

Die Schülerinnen Theresa Streib und Olga Zirkelbach moderieren souverän und fangen die Diskussion immer wieder ein, wenn sie angesichts der Brisanz der in die Runde geworfenen Stichworte zu chaotisch wird. Migration, Inklusion, Chancengleichheit – es ist ein flotter Ritt durch aktuelle Themen aus der Schulwelt. Wie stark der Bildungserfolg vom Elternhaus abhängig sei, fragen die Moderatorinnen. Marion von Wartenberg betont die Bedeutung von Vorbildern: „Wenn niemand in der Familie Akademiker ist, an wem soll man sich dann orientieren?“ Daniel Opalka kümmert sich beim Portal „arbeiterkind.de“ um Schüler und Studenten, die als erste in ihrer Familie einen akademischen Abschluss anstreben. „Kinder aus bildungsfernen Haushalten sind an der Uni unterrepräsentiert“, sagt er, „ein Akademikerkind hat viele Wahlmöglichkeiten, ein Arbeiterkind nicht.“

Doch müssen überhaupt so viele Jugendliche studieren? Timm Kern verneint: „Wir dürfen die Abschlüsse von Menschen nicht abwerten, die bewusst etwas anderes machen.“ Die Berufsausbildung werde leider nicht mehr als verlässliche Perspektive angesehen, bedauert auch Siegfried Lehmann: „Jeder hat unterschiedliche Begabungen und Neigungen. Denen wird unser Bildungssystem nicht gerecht.“

Schüler sollen unterschiedliche Betriebe besuchen

Drei weitere Gäste sind der Einladung der Schülerinnen gefolgt. Paul Stollhof, Geschäftsführer der Sießener Schulen GmbH, die Träger des Gymnasiums St. Agnes ist, Dagmar Preiß vom Mädchengesundheitsladen, und Wolf Bonsiep, zuständig für Ausbildung und Personalentwicklung bei Bosch. Sein Unternehmen habe keine Probleme, gute Auszubildende zu finden, sagt Bonsiep. „In kleinen Betrieben sieht das aber sicher anders aus.“ Volker Schebesta (CDU) betont, es sei sinnvoll, wenn Schüler unterschiedliche Betriebe besuchten, um sich frühzeitig ein Bild von verschiedenen Berufen zu machen.

Einig ist sich die Runde in zwei Punkten: Die Integration der hohen Anzahl an Flüchtlingen stellt auch das Bildungssystem vor neue Herausforderungen. Und die Weichen für einen gelungenen Bildungsweg werden nicht erst in Schule oder Ausbildung gestellt, sondern zuhause und im Kindergarten.

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