Aus der AfD-Fraktion ist Jessica Sarah Czech (mit den Stadträten Gerhard Zuleger, links, und Lars Haise, rechts) bereits im Januar per Rauswurf ausgeschieden, jetzt folgt durch den Wohnsitzwechsel auch der erzwungene Abschied aus dem Schorndorfer Gemeinderat. Foto: AfD-Homepage

Die Affäre um die durch Nicht-Anwesenheit glänzende Lokalpolitikerin Jennifer Sarah Czech nimmt eine unerwartete Wendung – weshalb die AfD jetzt einen Nachrücker suchen muss.

Die Stadt Schorndorf (Rems-Murr-Kreis) kann die Affäre um die dauerhaft fehlende Stadträtin Jennifer Sarah Czech zu den Akten legen. Gewartet werden muss auf die seit über einem Jahr bei keiner einzigen Sitzung mehr gesichtete Lokalpolitikerin im Rathaus jedenfalls nicht mehr.

 

Denn inzwischen ist klar, dass die amtsmüde AfD-Frau in künftigen Besprechungsrunden auch nicht mehr auftauchen wird. Jennifer Sarah Czech ist mittlerweile offenbar weggezogen aus Schorndorf – und hat mit dem Wohnsitzwechsel die Pflicht zur regelmäßigen Teilnahme an den Sitzungen elegant umschifft.

Die Idee mit dem finanziellen Druckmittel läuft ins Leere

Für Schorndorfs Oberbürgermeister Bernd Hornikel („So etwas habe ich noch nie erlebt“) bedeutet die unerwartete Wendung, dass sich die Stadt ein Ordnungsgeldverfahren sparen kann. Nach monatelang vergeblichen Kontaktversuchen hatte die Verwaltungsspitze vom Regierungspräsidium Stuttgart prüfen lassen, ob die dauerschwänzende Stadträtin mit einem finanziellen Druckmittel zur Räson gebracht werden kann.

Für ihr dauerhaft unentschuldigtes Fernbleiben von den Sitzungen hätte die Stadt die säumige Kommunalpolitikerin mit einem Ordnungsgeld in Höhe von 500 Euro belegen können. Theoretisch wären nach Paragraf 34, Absatz 3, der Gemeindeordnung sogar bis zu 1000 Euro möglich. Einen entsprechenden Beschluss hätte allerdings der Schorndorfer Gemeinderat treffen müssen.

Dass es zu diesem Tagesordnungspunkt jetzt gar nicht mehr kommt, liegt am Wegzug der als Betreuungskraft in einem Seniorenheim arbeitenden Frau. Mit dem Wohnsitzwechsel scheidet Czech, bei der Kommunalwahl vor zwei Jahren mit mehr als 4000 Stimmen ins Gremium gewählt, per Gesetz aus dem Gemeinderat aus – und schafft Platz für einen Nachrücker in die AfD-Fraktion.

Wer sich in ein kommunalpolitisches Amt wählen lässt, kann nicht nach Lust und Laune entscheiden, ob ihm eine Sitzung ins Zeitbudget passt oder nicht. Die Teilnahme ist verpflichtend. Bei Absage eines Termins müssen Bürgervertreter einen wichtigen Hinderungsgrund geltend machen, beispielsweise eine Erkrankung. Ganz abgesehen von der moralischen Verpflichtung gegenüber den Wählerinnen und Wählern wird in der Gemeindeordnung von Baden-Württemberg eine aktive Mitarbeit gefordert.

Auf die Kandidatenliste war Jennifer Sarah Czech gesetzt worden, weil sie als im Sozialbereich beschäftigte alleinerziehende Mutter neben einer weiblichen Note auch ein Stück Volksnähe ins Bewerberfeld bringen sollte – ein Schachzug, der sich für die AfD bei der Kommunalwahl auszahlte. Wegen der großen Resonanz hatte die AfD die Pflegerin prompt zur stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden gekürt.

An den ersten Treffen nach der Kommunalwahl nahm die neue Stadträtin auch pflichtbewusst teil. Immerhin neun Anwesenheiten sind im Sitzungskalender für die Bürgervertreterin registriert. Doch die Begeisterung für die Mühen der politischen Arbeit bröckelte offenbar schnell bei der Frau, die sich auf Social Media für so illustre Themen wie Fingernagel-Design, Zahnschmuck und Makeup-Inspirationen interessiert. Die Sitzungsbesuche wurden spärlicher, die Fehlzeiten stiegen.

Neben ihrem Amt als Stadträtin wäre die Kommunalpolitikerin auch bei verschiedenen Zusatzverpflichtungen gefragt gewesen, unter anderem mit einem Sitz im Fachrat für Integration, in der Jury für den Barbara-Künkelin-Preis oder im Aufsichtsgremium für die Stadtbau. Doch seit März 2025 hat Jennifer Sarah Czech an keinem einzigen Rathaus-Termin mehr teilgenommen.

Seit März 2025 hat sie an keiner Sitzung mehr teilgenommen

Einen nachvollziehbaren Grund für das Fernbleiben an den Sitzungen hatte der Rathauschef vergeblich zu erfragen versucht. Auf Kontaktversuche durch den OB reagierte die an lokaler Politik offenbar nicht weiter interessierte AfD-Frau ebenso wenig wie auf mehrfache Schreiben der für den Fachbereich Kommunales zuständigen Dörte Lange.

Auch der AfD-Fraktionschef Lars Haise biss sich am Desinteresse der Kollegin die Zähne aus. Wegen des Schadens für die über Schorndorf hinaus zum Gespött werdende Partei wurde Jennifer Sarah Czech im Januar mit sofortiger Wirkung aus der AfD-Fraktion ausgeschlossen. Seither wurde die Stadträtin in Schorndorf als „fraktionslos“ geführt – was mit dem Wegzug jetzt ebenfalls Vergangenheit ist.