Dies ist ein Wohngebäude der Stadt an der Stuttgarter Straße in Leinfelden, das saniert werden müsste. Foto: /Philipp Braitinger

Die Leinfelden-Echterdingen hat eine Wohnraumoffensive auf den Weg gebracht. Bis zum Jahr 2040 müssten laut einer Machbarkeitsstudie knapp 69 Millionen Euro für Sanierungen und Neubauten investiert werden.

Zwei wesentliche Ziele werden verfolgt, wenn die Stadt Leinfelden-Echterdingen ihren Bestand an Wohnungen sanieren und erweitern möchte. Einerseits sollen die Gebäude zukünftig klimaneutral werden. Zudem möchte die Stadt durch weitere Wohngebäude dem angespannten Wohnungsmarkt entgegenwirken. Wie die Ziele erreicht werden können, beschreibt eine nun vorgestellte Machbarkeitsstudie.

 

„Die Stadt und die Wohnungsbaupolitik stehen vor großen Herausforderungen“, fasste es Anja Schubert, die Leiterin des Amts für Immobilien, jüngst im Technischen Ausschuss zusammen. Zwanzig Wohnhäuser der Stadt müssen bis zum Jahr 2040 energetisch saniert werden. Hintergrund ist, dass die Stadt in 17 Jahren klimaneutral sein soll.

Die Stadt verfügt zurzeit über 176 Wohnungen in 23 Gebäuden

Derzeit verfügt die Stadt über 176 Wohnungen in 23 Gebäuden. Begonnen werden könnte bereits Mitte des kommenden Jahres. Grob könnte ein Gebäude pro Jahr saniert werden. Den dringendsten Sanierungsbedarf sieht die Verwaltung in der Felixstraße 9 und im Wäldle 33-37. Doch nicht alle Bestandsgebäude werden saniert. Drei Häuser sollen stattdessen abgerissen und das Grundstück mit einem neuen Gebäude bebaut werden.

Die erste Kostenschätzung für die Sanierung der Bestandsgebäude liegt bei rund 22,3 Millionen Euro. Präsentiert wurden die Zahlen während der Vorstellung der Machbarkeitsstudie zur Wohnraumoffensive von Vertretern der Firma Albrings und Müller. Dass die Sanierungskosten so hoch sind, liegt auch daran, dass in den vergangenen Jahren nicht konsequent investiert wurde. Nun sei ein gewisser Sanierungsstau aufgelaufen, wie Stadträte unterschiedlicher Fraktionen erkannten. Teilweise müssen die derzeitigen Bewohner für die Sanierungsmaßnahmen ausziehen. Wie die notwendigen Umzüge im Einzelnen gestaltet werden sollen, muss noch geklärt werden. Eine Möglichkeit wäre, dass Bewohner in neue Gebäude umziehen und nicht mehr in ihre bisherigen Wohnungen zurückkehren. Eine andere Möglichkeit wären kurzfristige Umzüge in andere Wohnungen im selben Gebäude und ein Rückzug in die sanierte Wohnung nach dem Abschluss der Baumaßnahmen im Innern der Wohnung. Dass die notwendigen Umzüge schwierig werden, ist Schubert bewusst. „So ein Umzug ist immer eine riesige Hürde“, sagte sie. Dabei gehe es nicht allein um die Wohnung. Auch die nachbarschaftlichen Beziehungen litten darunter.

Für neue Gebäude könnten sieben Grundstücke genutzt werden, von denen drei derzeit bebaut sind. Insgesamt sollen 132 Wohnungen neu gebaut werden. Begonnen werden soll in der Jakobstraße. Im nächsten Schritt könnte das Haus in der Falkenstraße abgerissen und das Grundstück neu bebaut werden. Die Kosten dafür werden derzeit auf 46,4 Millionen Euro beziffert.

Weiteres Personal im Rathaus ist vonnöten

„Die Wohnraumoffensive benötigt viel Geld“, brachte es Schubert auf den Punkt. Gleichzeitig betonte sie, dass der nun vorgestellte Plan mit einer so langen Laufzeit nicht in Stein gemeißelt sei. „Wir müssen flexibel bleiben. Wir wollen den Fahrplan anpassen, wenn es erforderlich ist“, sagte sie.

Fest steht allerdings, dass angesichts der bevorstehenden Aufgaben weiteres Personal im Rathaus von Leinfelden-Echterdingen benötigt wird. Ab dem Jahr 2024 soll ein Mitarbeiter hinzukommen. Ebenfalls erneut in den Raum gestellt wurde die Frage, ob denn die Gründung einer kommunalen Wohnbaugesellschaft anstelle des Regiebetriebs sinnvoll wäre. Der Regiebetrieb ist Teil der Stadtverwaltung. Eine Wohnungsbaugesellschaft wäre dagegen nicht mehr dem kommunalen Haushalts-, Rechnungs- und Prüfungswesen unterworfen. Einnahmen und Ausgaben müssten nicht mehr vollständig in den Haushalt der Kommune einbezogen werden.

Pelletheizungen, Wärmepumpen und Photovoltaikanlagen

Gesetz
Im Klimaschutzgesetz von Baden-Württemberg steht, dass bis zum Jahr 2040 eine Klimaneutralität erreicht werden muss. Mit dem vorgestellten Sanierungsprogramm möchte die städtische Wohnungswirtschaft von Leinfelden-Echterdingen die gesetzlichen Vorgaben erfüllen.

Maßnahmen
Unter anderem sollen Ölheizungen durch Pelletheizungen oder Wärmepumpen ersetzt werden. Auch über Heizzentralen für Quartiere soll nachgedacht werden. Darüber hinaus sollen Fenster getauscht und Fassaden sowie Dächer gedämmt werden. Ferner ist geplant, Dächer mit Photovoltaikanlagen auszustatten und für eine Stromspeicherung in den Gebäuden zu sorgen.

Einsparung
Insgesamt könnten durch die Sanierungsarbeiten laut der Stadtverwaltung bis zu 410 Tonnen Kohlendioxid jährlich eingespart werden.