In den Chefetagen der Stuttgarter Beteiligungsbetriebe kann nicht über mangelhafte Dotierung geklagt werden. Zwei Chefs räumten besonders ab.
Die Beteiligungsunternehmen und Eigenbetriebe der Stadt zählen mehr Beschäftigte als die Kernverwaltung. Im aktuellsten Beteiligungsbericht für das Jahr 2023 werden 16 719 Mitarbeitende in den Betrieben genannt, mit denen die Verwaltung zum Beispiel den Nahverkehr, die Gesundheits- und Energieversorgung und die Entsorgung (Abfall und Abwasser) sicherstellt, darunter 1237 Auszubildende. 13 138 Menschen arbeiteten 2023 in der Kernverwaltung. Der Personalaufwand insgesamt stieg von 2022 auf 2023 in beiden Bereichen erheblich, in der Verwaltung um 8,7 auf 883 Millionen Euro in den Betrieben sogar um 9,4 Prozent auf 1,04 Milliarden.
Viele Chefs verdienen mehr als der OB
In den Betrieben wird an der Spitze nach der durch Corona verursachten Delle sehr gut verdient. Für viele Chefs liest sich der Gehaltszettel erfreulicher als der von Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU), der sich aktuell mit rund 230 000 Euro im Jahr bescheiden muss und sich damit im Ranking nicht unter den ersten zehn der bestbezahlten Manager platzieren könnte. Bemerkenswert: 2023 überschritten gleich zwei Chefs bei städtischen Tochterunternehmen erstmals die Einkommensschwelle von einer halben Million Euro.
Banker außer Konkurrenz
Außer Konkurrenz rangiert seit jeher die Spitze der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Die Stadt hält und haftet mit 18,93 Prozent an dem Institut. In der Vorstandsetage beim Hauptbahnhof liegt nicht nur ein extra dicker Teppichboden, hier sind auch die Gehaltsschecks üppig. Vorstandschef Rainer Neske selbst erhielt laut LBBW-Vergütungsbericht zwischen zwei und 2,499 Millionen, seine sechs Vorstandskollegen kassierten zwischen einer und 1,499 Millionen Euro. Banken stöhnen regelmäßig unter der auferlegten Regulatorik und Bürokratie. Wer den LBBW-Vergütungsbericht betrachtet, gewinnt den Eindruck, dass das Bürokratiemonster bei der komplizierten Berechnung variabler Gehaltsbestandteile den Griffel führte.
Hohe Summen am Klinikum
Erstmals überwiesen zwei städtische Betriebe ihren Chefs 2023 mehr als eine halbe Million Euro. Bei Klinikchef Jan Steffen Jürgensen war die Entwicklung absehbar. Der Ärztliche Direktor hatte bereits im Vorjahr 473 000 Euro erhalten, nun waren es 510 000 Euro. Der Kaufmännische Geschäftsführer Alexander Hewer wechselte im Mai zum Berliner Vivantes-Konzern. Bis 31. Mai erhielt er 204 000 Euro, hochgerechnet bis zum Jahresende wäre er mit 489 600 Euro nicht mehr weit von der halben Millionen entfernt gewesen.
Sprung durch Sonderzahlung
Überraschender als beim hoch defizitären Klinikum ist der Sprung beim Chef des städtischen Wohnungsbauers SWSG. Samir M. Sidgi hatte 2022 noch 274 000 Euro erhalten, was im Ranking zu Platz neun rechte. Nun waren es 569 000 Euro, wovon allerdings 270 000 Euro einer „einmaligen Sonderzahlung“ für die Jahre 2021 bis 2023 zuzurechnen sind. Sie hat ihren Grund darin, dass Sidgi die Position des Technischen Geschäftsführers 34 Monaten lang zusätzlich mit übernommen hatte. Dieser Posten ist bei der SWSG seit dem 1. Januar 2024 wieder besetzt. Ohne Sonderzahlung stieg Sidgis Gehalt um acht, das von Jürgensen um 7,8 Prozent.
Platz zehn für die erste Frau
Unter den zehn am besten bezahlten Geschäftsführern städtischer Unternehmen findet sich nur eine Frau: Annette Schwarz, die bei den Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) den Unternehmensbereich Personal leitet. Sie erhielt 260 000 Euro. Der Nahverkehrsdienstleister kämpft wie viele Firmen mit der Demografie und um neues Personal. Dazu wollen die SSB von 2026 an die Schaltung von Stellenanzeigen in digitalen Jobbörsen und auf Social-Media-Plattformen für zwei Jahre extern vergeben. 2,4 bis maximal 3,1 Millionen Euro sind in der Ausschreibung für diese Dienstleistung vorgesehen. 250 Fach- und Führungsstellen sollen so pro Jahr besetzt werden.
Vor Schwarz platzierten sich 2023 Ulrich Heppe (Flughafen, 286 000 Euro), Mario Laube (SSB, 290 000), Martin Rau (Stadtwerke, in.Stuttgart, 302 400), Peter Drausnigg (Stadtwerke, 305 000), Thomas Moser (SSB, 308 000), und Roland Bleinroth (Messe, 318 000 Euro).
Sachleistung für Flughafenchef
Eine auf den ersten Blick hohe Summe für nur noch einen Monat Zugehörigkeit zum Unternehmen erhielt Flughafenchef Walter Schoefer, der am 31. Januar 2023 nach 23 Jahren ausschied. In der Vergütung in Höhe von 142 000 Euro war aber die Erfolgsprämie für das Vorjahr mit 95 000 Euro enthalten. Besonders hoch waren mit 30 000 Euro die Sachleistungen. Das habe nichts mit seinem Dienstwagen zu tun, den Schoefers Nachfolger übernommen habe, sondern mit der offiziellen Verabschiedung des Langzeitchefs. Rund 22 500 Euro seien in Absprache mit dem scheidenden Chef als Sachzuwendung (für das Abschiedsfest) gegeben und „korrekt versteuert“ worden, so die Flughafen-Pressestelle auf Anfrage, beim Rest handele es sich um die Urlaubsabgeltung. Für die restlichen elf Monate erhielt Schöfer 2023 Versorgungsbezüge in Höhe von 83 000 Euro – und einen Beratervertrag für „einzelne Termine und punktuelle Beratung bei projektspezifischen Themen“, so die Pressestelle damals. Gemeint war das Bahnprojekt Stuttgart 21.