Viel Platz gibt es in den Räumen des Sozialen Dienstes im Dachgeschoss des Alten Rathauses in Bernhausen nicht. Einen Aufzug ebenso wenig. Foto: Jens Noll

Das Arbeitspensum des Sozialen Dienstes der Stadt Filderstadt steigt weiter. Für große Unzufriedenheit sorgt die Raumsituation im Alten Rathaus in Bernhausen.

Filderstadt - Rein rechnerisch hat der Soziale Dienst der Stadt im Jahr 2011 jeden Filderstädter Bürger eine Minute lang beraten. Tatsächlich verteilen sich die geleisteten 44 125 Beratungsminuten jedoch auf 459 Fälle. „Inhaltlich hat sich an unserer Arbeit nicht allzu viel geändert, nur quantitativ“, sagte der Mitarbeiter Rudolf Ott bei der Vorstellung des Jahresberichts im Technischen Ausschuss.

 

Weil das Arbeitspensum des Sozialen Dienstes in den vergangenen Jahren stetig stieg, wurde das Personal im November 2011 aufgestockt. Seitdem ist neben Ott, der Sozialpädagogin Jeanette Widmann-Birk und der Sekretärin Ruth Zschiesche auch Leonie Hörz als Sozialarbeiterin im Alten Rathaus in Bernhausen tätig.

Ein Jahr Wartezeit bei der Schuldnerberatung

„Die Finanzen sind nach wie vor Hauptthema“, berichtete Hörz über die Beratungsinhalte. Wohnen und Krankheit inklusive Pflegebedürftigkeit sind weitere Kernproblemfelder, über die die Mitarbeiter mit den Klienten sprechen, von denen ungefähr 90 Prozent Transferleistungen beziehen. Alle 14 Tage finden Gruppentreffen mit gemeinsamem Kochen, Ausflügen oder Spaziergängen statt. „Wir können da sehr viel auffangen“, erzählte Hörz.

Laut Ott ist der Soziale Dienst darauf angewiesen, dass Klienten nach einer existenzsichernden Beratung an Fachberatungsstellen weitervermittelt werden können. Doch bis überschuldete Personen einen Termin bei der Finanzberatungsstelle bekommen, dauert es ein Jahr. Solange begleitet sie der Soziale Dienst zumeist. Ott und seine Kolleginnen wünschen sich eine Erhöhung der Kapazitäten bei der Schuldnerberatungsstelle, für die der Landkreis zuständig ist.

Ein Drittel der Klienten kontaktiert den Dienst telefonisch, 58 Prozent kommen im Büro vorbei, sechs Prozent sind Hausbesuche. Letztere haben im Vergleich zum Vorjahr zugenommen. Ein Grund dafür ist die unzureichende Raumsituation: Die Anlaufstelle im Dachgeschoss des Alten Rathauses ist nur über eine schmale Treppe zu erreichen – für viele ältere Menschen und Familien mit Kinderwagen ein unüberwindbares Hindernis. Einzelne Termine werden ersatzweise in einem Besprechungsraum bei der Verkehrsbehörde im Erdgeschoss abgehalten.

Stadträte: „Nicht akzeptabel“

Dass die Räume nicht barrierefrei sind, bezeichnete Stadträtin Monika Riegraf (Grüne/FFL) als „Unding“. Ebenso kritisierte sie, dass es in den kleinen Büros keinen Platz gebe, um Praktikanten aufzunehmen. Sie bat die Verwaltung darum, nach einer alternativen Unterbringung zu schauen. Dem schloss sich Rolf Kurfess (FW) an. Die räumliche Situation sei bei der hohen Zahl an Bürobesuchen „nicht akzeptabel“, sagte er. Bürgermeister Reinhard Molt versprach, dass die Verwaltung nach einer besseren Unterbringungsmöglichkeit suchen werde.

„Sie sind total überlastet“, stellte Johannes Jauch (FDP) fest. Es sei notwendig, meinte er, über eine weitere Personalaufstockung nachzudenken. Da der Soziale Dienst eine Freiwilligkeitsleistung der Stadt sei, erklärte Rudolf Ott, könnten die Mitarbeiter nicht sagen, dass sie überlastet seien. „Sie müssen sagen, wie viel Sie leisten wollen“, erläuterte er den Stadträten.

Auf Rückfrage von Frank Schwemmle (SPD) gab Ott seine Einschätzung ab, wonach sich die Wohnsituation künftig verschärfen wird, weil es weniger städtische Sozialwohnungen in Filderstadt gebe. Schwemmle wollte auch wissen, wie lange Klienten auf einen Termin beim Sozialen Dienst warten müssen. Im Moment erhalte man einen innerhalb von maximal zwei Wochen, antwortete Leonie Hörz. „Wir haben auch Notfälle“, fügte Ott jedoch hinzu. Deshalb könne es vorkommen, dass kurzfristig Termine gestrichen werden müssen.