Das Bad Berg soll umfassend saniert werden Foto: Leif Piechowski

8,5 Millionen Euro zahlte die Stadt 2005, um 69,5 Prozent an der Mineralbad Berg AG von der Familie Blankenhorn zu kaufen. Den Rest besaß sie schon. Nun soll die 159 Jahre alte und in wirklich allen Teilen marode Anlage im Osten von 2016 bis zu zwei Jahre lang saniert werden. Stehen bleiben wird nur das Rohbau-Gerippe.

Stuttgart - 8,5 Millionen Euro zahlte die Stadt 2005, um 69,5 Prozent an der Mineralbad Berg AG von der Familie Blankenhorn zu kaufen. Den Rest besaß sie schon. Nun soll die 159 Jahre alte und in wirklich allen Teilen marode Anlage im Osten von 2016 bis zu zwei Jahre lang saniert werden. Stehen bleiben wird nur das Rohbau-Gerippe.

Zusätzliche Angebote sind mit der Sanierung nicht vorgesehen, die Becken in der Kaltbadehalle werden zwar komplett erneuert, bleiben in Form und Größe aber erhalten. Aus Platz- und Kostengründen wurden zuletzt sogar ein Fitnessraum und eine neue Küche gestrichen.

Der eigentliche Baubeschluss soll am 19. Juni fallen, der Bäderausschuss des Gemeinderats nahm die Vorlage zur Generalsanierung am Freitag unter Zeitdruck denn auch nur knapp zur Kenntnis. Die erhoffte Attraktivitätssteigerung finde er nicht wieder, monierte Andreas G. Winter für die Grünen. Bernd Klingler (AfD) kritisierte die Begründung der Bäderbetriebe für die in den Mineralbädern 2014 um sieben Prozent zurückgegangenen Besucherzahlen. „Man kann nicht immer nur sagen, es liege am Wetter“, sagte Klingler verärgert. Der Verlust aller städtischen Bäder stieg auf 13,7 Millionen Euro. Im Bad Berg allein versickern jährlich 1,3 bis 1,4 Millionen Euro. Weniger Verlust ist auch nach der Sanierung nicht zu erwarten, weil der Betrieb teurer wird und höhere Abschreibungen anfallen.

Die Besucherzahlen im Schwimmbad sind 2014 um 18,3 Prozent auf 86 953 zahlende Gäste eingebrochen (2013: 106 421), dafür kamen in das Berg ein paar Saunagänger mehr, 20 468 statt 20 311. Das Leuze besuchten 50 000 Badegäste weniger (minus 6,4 Prozent), in das Mineralbad Cannstatt kamen 18 000 weniger (minus vier Prozent). Als Grund nennen die Bäderbetriebe die „stetig steigende Konkurrenzsituation durch neue attraktive Bäder im Umland“.

Das Mineralbad Berg wird nach den Rechnungen der Bäderbetriebe auch nach der Sanierung nicht mit einem wirklichen Besucheransturm rechnen können. In den Wintermonaten von Oktober bis März kamen im Tagesschnitt 144 Badegäste und 66 Saunabesucher. In den Sommermonaten waren es 350 bis 450 Schwimmer und 57 Saunierer.

Bei einer „optisch neu erscheinenden Anlage“ könne wegen des positiven Gesamteindrucks und der vorgesehenen Warmbadetage im Winter 25 Prozent mehr Besucher kommen, heißt es im Papier an den Gemeinderat. Das wären nur 36 Badegäste mehr pro Tag. Der eher familiäre Charakter des Berg mit seinen fünf Mineralquellen bliebe damit sicher gewahrt, das hohe Defizit auch.

Als „besonderes charakteristisches Alleinstellungsmerkmal“ zu anderen öffentlichen Saunaanlagen solle die Sauna im Bad Berg „weiterhin geschlechtergetrennt betrieben werden“. Revolutionäres will man aber nicht ganz ausschließen. „Sollte ein zeitweiser Bedarf bestehen, können über den Balkon beide Anlagen verbunden werden“, steht in der Vorlage. Der „zeitweise Bedarf“ ist nicht näher definiert.

Mit dem Kauf vor zehn Jahren verband die Stadt hochfliegende Pläne. Der private Investor Hans Ruland aus Bad Herrenalb sollte neben dem Bad ein Hotel mit umfassendem Gesundheitsangebot bauen. Die Wellness-Welle allerdings verebbte. Mit einer Ausschreibung will sich die Stadt jetzt wieder auf die Suche nach einem Bauherrn für einen „Gesundheitscampus“ machen. Wenn der nicht kommt, kommen Wohnungen.

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