Salzburg: Stadt der Musik, der süßen Sachen und der Kunstgeschichte. Foto: imago images/Shotshop/ROHA-Fotothek Fürman

Salzburg und die Musik, das ist lange Zeit ausschließlich Männersache gewesen. Doch das ändert sich: auf Spurensuche nach weiblichen Tönen in der weltberühmten Festspielstadt.

Entschieden schüttelt der junge Mann den Kopf: „Nannerl, nein, diesen Namen mag ich nicht. Er verniedlicht und reduziert Maria Anna Mozart darauf, Mozarts Schwester gewesen zu sein. Sie war aber eine eigenständige Persönlichkeit mit einem ganz außergewöhnlichen Talent.“ Linus Klumpner ist seit Anfang 2022 neuer Direktor der beiden Salzburger Mozart-Museen, und der leidenschaftliche Mann im dunklen Slim-Fit-Anzug bringt ordentlich frischen Wind in die alten Gemäuer.

 

Die Frauen der Familie Mozart

Für das kommende Jahr plant der 34-Jährige eine Ausstellung, die nicht die beiden Männer – den Komponisten Wolfgang Amadé und seinen Vater, den Pädagogen Leopold – zum Gegenstand hat, sondern die Frauen der Familie. „Die Mutter Anna Maria und die Ehefrau Constanze waren clevere Unternehmerinnen, heute würde man sagen, sie waren Finanz- und Musikmanagerinnen. Und die Schwester Maria Anna war eine hochbegabte Pianistin, der man das Talent geraubt hat.“ Klumpner zeigt die wenigen Gemälde, die es von den weiblichen Mitgliedern der Familie gibt, und fügt entschlossen hinzu: „Es ist an der Zeit, die Geschichte der Familie Mozart neu zu erzählen.“

Klumpner ist zwar jung, aber besonnen, deshalb nennt er das Mozart-Geburtshaus in der Getreidegasse auch nicht verstaubt, sondern „sehr konservativ aufgestellt“. Die beliebteste Sehenswürdigkeit Salzburgs mit der charakteristischen gelben Fassade und den niedrigen Räumen war vor der Pandemie ein Selbstläufer. Doch Klumpner weiß, dass man dafür etwas tun muss, das bleibt nicht einfach immer so.

Mozart auf Tiktok?

Im Juni soll eine vielseitige Museumsapp erscheinen und der Kunsthistoriker überlegt sogar, die bei Teenagern sehr beliebte Plattform Tiktok zu bespielen. Auch die Stiftung Mozarteum muss Überlegungen anstellen, wie man in Zukunft junge Menschen in die beiden Mozart-Museen nach Salzburg locken kann.

Das treibt Kristina Hammer, die neue Präsidentin der Salzburger Festspiele, ebenfalls um. „Doch es geht nicht nur um Verjüngung, wir wollen die Zuschauerbasis insgesamt verbreitern“, sagt die 53-Jährige. Im Januar hat die gebürtige Karlsruherin die Nachfolge von Helga Rabl-Stadler angetreten, doch die Wirtschaftsjuristin macht nicht den Eindruck, als ob ihr der Vergleich mit der berühmten Vorgängerin Angst macht.

Ihre langjährige Berufserfahrung in den verschiedensten Unternehmen – unter anderem in den Jahren 2007 bis 2009 bei Mercedes-Benz in Stuttgart – hat ihr eine sympathische Gelassenheit verliehen. Sie führt, ohne dominant zu wirken, und vertraut den bestehenden Strukturen: „Ich nehme mir die Zeit, mein Team erst einmal in aller Ruhe kennenzulernen. Ich kann an so viel Gutes und Gewachsenes anknüpfen“, sagt die Managerin und lächelt Andreas Zechner zu, dem Technischen Direktor der Festspiele. Auch er hatte eine berufliche Station in Stuttgart: Von 2002 bis 2009 war Zechner in gleicher Funktion beim Schauspiel der Württembergischen Staatstheater angestellt.

Das Große Festspielhaus – ein Labyrinth

Die beiden wirken bereits gut eingespielt, Kristina Hammer läuft trotz ihrer kurzen Dienstzeit schon schlafwandlerisch sicher durch den labyrinthischen Hinterbühnenbereich des Großen Festspielhauses. Ja, das passt gut, Kristina Hammer und Salzburg, und nicht nur, weil sie vom Typ her ein wenig an Eliette von Karajan, die Witwe des berühmten Dirigenten, erinnert.

Es braucht Mut, Begeisterung und eine pfiffige Idee, um neben den weltberühmten Salzburger Festspielen einfach noch weitere Festspiele in Salzburg zu etablieren. 2007 hat die unerschrockene und quirlige Dirigentin und Musikvermittlerin Elisabeth Fuchs die Kinderfestspiele Salzburg gegründet, die jungen Menschen die klassische Musik näherbringen sollen.

„In diesem Jahr feiern wir das 15-jährige Bestehen“, erzählt Fuchs stolz und wirft schwungvoll die grauen Haare aus der Stirn. Bereits 1998 hat die Oberösterreicherin Chor und Orchester der Philharmonie Salzburg gegründet. Wenn Fuchs dirigiert, sind nicht nur die Säale voll, auch auf der Bühne tummeln sich die Menschen, denn der Philharmonische Chor ist ein Laienchor.

Klassik, Volksmusik, Hip-Hop oder Musical

Ihre Begeisterung macht vor nichts halt, Fuchs hat keine Berührungsängste vor Volksmusik, Hip-Hop oder Musical und auch keine Scheu, neue Publikumsschichten anzuwerben. „Seit 2013 gibt es auch Lehrlingskonzerte“, erzählt die Musikerin. „Jedes Jahr besuchen rund 2000 junge Leute, die gerade eine Lehre absolvieren, das Große Festspielhaus“, sagt Fuchs und strahlt. Neue Schichten an Brahms, Mahler und Co. heranzuführen, ist der Gastwirtstochter ein ganz besonderes Anliegen. Elisabeth Fuchs bezeichnet sich selbst als „Glückskind“ und möchte die Flamme, die in ihr brennt, gerne weitertragen.

„Von meinem Vater habe ich gelernt, sich selbst etwas zuzutrauen“. Das versuche sie weiterzugeben: „Meinen beiden Kindern, meinen Musikern und Musikerinnen und dem Publikum.“ Im Herbst steht die Gründung des ersten Streichorchesters für Kinder und Jugendliche der Philharmonie Salzburg an. „Es gibt so wenig weibliche Vorbilder für angehende Dirigentinnen“, meint Fuchs. In Salzburg kann man sie erleben.

Info: Anreise

Mit der Bahn über München oder Nürnberg nach Salzburg: www.bahn.de

Unterkunft

Gemütliches Hotel in Altstadtnähe mit sehr herzlichem Service: Altstadthotel Wolf-Dietrich, DZ/F ab 99 Euro, www.salzburg-hotel.at.

Feines Haus mit kleinem Innenhofgarten: Hotel und Villa Auersperg. DZ/F ab 130 Euro. www.auersperg.at.

Essen und Trinken

Traditionsrestaurant mitten im Festspielviertel: das Triangel, seit 2020 in weiblicher Hand. https://www.triangel-salzburg.co.at/

Der Feinkostladen Azwanger am Grünmarkt bietet auch einen kleinen Mittagstisch: http://azwanger.at/

Aktivitäten

Pflicht für alle Salzburg-Besucher: das Mozart-Geburtshaus, https://mozarteum.at.

Klassische Musik jenseits der Salzburger Festspiele gibt es bei der Philharmonie Salzburg: www.philharmoniesalzburg.at, www.elisabethfuchs.com

Festspiele

Für die Salzburger Festspiele im Sommer gibt es noch Karten: www.salzburgerfestspiele.at

Die Kinderfestspiele von Elisabeth Fuchs finden das ganze Jahr über statt, vom 5. bis 9. September 2022 gibt es eine Orchesterwoche für Kinder und Jugendliche: www.kinderfestspiele.com.

Am 27. Oktober um 9, 11.30 und 14 Uhr ist Elisabeth Fuchs mit Schülerkonzerten zu Gast im Carmen Würth Forum, Künzelsau.

Weitere Infos: www.salzburg.info

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