Blick vom Tagblatt-Turm: Der Verbindungsbau über der Steinstraße (Mitte) soll weg, der Komplex rechts davon möglichst auch. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Der Anbau an das Gebäude Galeria Kaufhof über der Steinstraße stört Stadtplaner und Baubürgermeister seit Jahrzehnten. Jetzt zeichnen sich der Abriss und auch eine bauliche Neuordnung an der Eberhardstraße ab.

Stuttgart - Die nächste Baustelle, die Stuttgarts Innenstadt merklich verändern könnte, steht bevor – in der Eber­hardstraße, gegenüber von Tagblatt-Turm und Hegelhaus. Dort soll schon bald nicht nur die Überbauung der Steinstraße beseitigt werden, was seit Jahrzehnten auf der Wunschliste der städtischen Planer und Bürgermeister steht; es soll der Gebäudekomplex daneben in der Eberhardstraße ersetzt werden, der zu Teilen schon leer steht, neben der Tanzschule Haag aber noch Gastronomie und Friseur- sowie Kosmetikgeschäfte beherbergt.

Die LBBW-Immobiliengesellschaft, die den Vertrag über den Kauf des Gebäudekomplexes im Oktober abschloss, hat bereits eine Machbarkeitsstudie eingeholt und Verhandlungen mit der Stadtverwaltung über mehrere bauliche Varianten aufgenommen. Nach Informationen dieser Zeitung wollen der Eigentümer und die Stadtverwaltung in Kürze die Eckdaten für einen städtebaulichen Wettbewerb besprechen. Dieser soll das Ziel haben, „auf diesen Grundstücken neu zu bauen“, bestätigten Städtebaubürgermeister Peter Pätzold (Grüne) und Frank Berlepp von der Geschäftsführung der LBBW-Immobilien-Gruppe.

Abbruch über der Steinstraße seit 20 Jahren auf der Agenda

Das Ziel, den noch in jüngerer Vergangenheit von Galeria Kaufhof genutzten und inzwischen aufgegebenen Verbindungsbau über der Steinstraße endgültig zu beseitigen, hat Pätzold von seinem Vorgänger Matthias Hahn (SPD) geerbt. Der hatte den Plan rund 20 Jahre lang auf der Agenda, weil ihn die optische Abriegelung des Rathausviertels von der Straßenquerspange störte. Jetzt sollen die Sichtbeziehungen, die Anfang der 1970er Jahre verbaut wurden, wieder hergestellt werden.

Im Blick auf das Bauprojekt von LBBW-Immobilien hat die Stadtverwaltung ihren Umbauplan für die Kreuzung beim Tagblatt-Turm noch einmal überarbeitet. Spätestens im Herbst wolle man sie dem Ausschuss für Technik und Umwelt des Gemeinderats vorstellen, so Pätzold.

Dass das Bauprojekt Folgen für die Gestaltung des Kreuzungsbereichs haben könnte, liegt auf der Hand. Der Vorgängerbau des Gebäudekomplexes Eberhardstraße 18–22, der optisch an den nahe gelegenen Graf-Eberhard-Bau mit dem Amt für Stadtplanung und Wohnen erinnerte, war noch nicht so nah an der Kreuzung gestanden, heißt es bei der Stadtverwaltung. Bei der Neubebauung könnte sich daher die Chance bieten, auf die alte Baulinie zurückzugehen und so wieder etwas mehr Aufenthaltsfläche für Passanten zu schaffen.

Denkmalschutzstatus gibt es nicht

Nimmt man die üblichen Zeitabläufe bei Wettbewerben zum Maßstab, dann könnten vielleicht um die Jahreswende die Grundzüge eines künftigen Architekturkonzepts für das Areal vorliegen. Der Eigentümer hält sich allerdings recht bedeckt. Er bestätigte, dass die Gebäude jetzt im Besitz des Unternehmens sind, für das hier die Projektgesellschaft Schockenried GmbH tätig ist. Der Austausch mit der Stadtverwaltung über das Vorhaben sei in einem „frühen Stadium“. Man gebe noch keine nähere Auskunft.

Abrisspläne könnten auch noch öffentliche Debatten nach sich ziehen. Der Grund: Die Fassadengestaltung wird mit dem früheren Stararchitekten Egon Eiermann in Verbindung gebracht, der solche, an Eierschachteln erinnernde Elemente einst für die Kaufhauskette Horten entworfen hatte, die an der Eberhardstraße ansässig war und die für Galeria Kaufhof Platz machte.

Während Bauten nach Eiermann-Plänen im ehemaligen IBM-Campus in Stuttgart-Vaihingen unter Denkmalschutz stehen, ist dies bei der Eberhardstraße 18–22 aber nicht der Fall. „Da ist kein Denkmalschutz drauf“, sagte Bürgermeister Pätzold. Die untere Denkmalbehörde der Stadt erklärte unserer Zeitung, dass die Teile nicht mehr Originale seien, sondern Nachbildungen unter der Regie von früheren Eiermann-Mitarbeitern. Die auf Egon Eiermann zurückgehenden Fassadenelemente seien 1982 entfernt worden.

Wohnungen sind erwünscht, aber problematisch

Unter Denkmalschutz stehen dagegen als sogenannte Sachgesamtheit oder Ensemble einige deutlich ältere Gebäude in der Geißstraße, hinter dem Komplex Eber­hardstraße 18–22 und neben der Zufahrt zur Tiefgarage für das LBBW-Areal. Nach Ansicht der Stadtplaner ist der Handlungsbedarf bei der Aufwertung des Stadtbilds dort besonders groß. Die Verwaltung erwartet sich daher nun Verbesserungen für den Platz beim Hans-im-Glück-Brunnen.

Grundsätzlich wünscht man sich im Rathaus und bei der LBBW im Neubau außer Läden und Gastronomie auch Wohnungen, doch das gilt zugleich wegen der Lärmgrenzwerte als rechtlich etwas heikel.

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