Wieso nur ruft ein zu Ende gehendes Projekt der Stadtwerke Fellbach Assoziationen an Schlagerstar Mike Krüger hervor? Foto: Baumann/ZDF

Die Stadtwerke Fellbach beenden ihre Beteiligung an der Gesellschaft, die diverse Dienstleistungen und Software angeboten hat. Ein launiger Abschiedsgruß.

Das ist eine bittere Nachricht für Fellbach: Walter hilft nicht mehr. Wobei, ehrlicherweise muss man auch einräumen: Seine Dienste haben nur die wenigsten in Fellbach bemerkt. Und so richtig nach Wunsch all jener, die immense Hoffnungen in seine Servicefähigkeiten gesetzt hatten, fiel Walters Leistungsvermögen zumindest zuletzt offenkundig auch nicht mehr aus.

 

Also: Walters Tage sind gezählt, knapp sechs Jahre nachdem er erstmals in Fellbach aufgetaucht war. Und offenbar weinen ihm nur wenige eine Träne nach.

Der Begriff leitet sich vom „Hausverwalter“ ab

Es waren mit manch amüsanter Note versehene Erläuterungen, mit denen der Erste Bürgermeister Johannes Berner im Februar 2019 für die Beteiligung der Stadtwerke Fellbach an einem Projekt warb, das seinerzeit unter dem Firmentitel „Walter hilf GmbH“ viele Kommunen neugierig machte. Den Begriff leiteten die Erfinder vom Beruf des „Hausverwalters“ ab.

Mittels der Software „Walter“ sollte es möglich sein, verbrauchsbezogene Betriebskosten bequemer zu erstellen. Über fernauslesbare Zähler werde Hausverwaltern und Kleinunternehmen der Wohnungswirtschaft – also nicht den „großen Fischen“ – eine stichtagsbezogene Abrechnung der Heiz- und Brauwasserkosten ermöglicht. Die Ablesung einzelner Messgeräte werde entbehrlich, führte Berner im Gemeinderat aus.

Neun Stadtwerke hatten sich bereits beteiligt, das Tochterunternehmen der Stadt Fellbach war nun das zehnte und mit einem Beteiligungskapital von rund 150 000 Euro dabei. Im Gremium war man zufrieden, „das ist ein gewinnbringendes Aufgabengebiet“, konstatierte etwa CDU-Rat Hans-Ulrich Spieth.

Einzig der Name „Walter hilf“ provozierte einige Kommentare. Martin Oettinger (Freie Wähler/Freie Demokraten) fand ihn „ausgefallen, aber einprägsam“. SPD-Stadtrat Andreas Möhlmann wiederum erinnerte sich an seine Kindheit, als im Radio der Kalauer-Gassenhauer „Mein Gott, Walther“ der Schlager-Supernase Mike Krüger rauf und runter lief.

Die Liebe zu Walter ist deutlich abgekühlt

Zuletzt allerdings seufzten die Verantwortlichen wohl öfter „Mein Gott, Walter!“ Die Liebe zu Walter ist abgekühlt, und zwar nicht erst in den vergangenen Tagen, wie jetzt im Lokalparlament offenkundig wurde.

Demnach hat die Stadtwerke-Geschäftsleitung um den Chef Gerhard Ammon bereits im Juli 2023 nach umfangreichen Analysen beschlossen, sich aus dem Geschäftsfeld der Heizkostenabrechnung zurückzuziehen. Der Aufsichtsrat beschloss daraufhin, zunächst den Anteil von 10 Prozent an der Walter hilft GmbH zu halten, um die weitere Entwicklung der Gesellschaft zu beobachten.

Aktuell konzentrieren sich die Stadtwerke Fellbach darauf, ihre Geschäftsfelder im klassischen Versorgungsbereich zu stabilisieren und künftige Geschäftsfelder im Bereich der Wärmeversorgung und im Bereich der Erneuerbaren Energien auszubauen. Deswegen haben sie sich nun entschlossen, sich von Beteiligungen zu trennen, die mit den Geschäftsfeldern der Stadtwerke in keinem Zusammenhang stehen.

Dies betrifft nun auch die Walter hilf GmbH, weshalb die Beteiligung dort beendet werden soll. „Dieser Schritt würde eine Reduzierung des finanziellen Risikos und eine Fokussierung auf erfolgversprechendere Geschäftsbereiche ermöglichen“, heißt es in den schriftlichen Erläuterungen der Stadtkämmerin Sabine Arnold.

Der Kaufpreis gilt als angemessen

Inzwischen haben sich Stadtwerke und Walter hilf auf einen Kaufpreis in Höhe von 75 000 Euro geeinigt. „Auch in Anbetracht der Tatsache, dass die Stadtwerke Fellbach GmbH in den Anfangsjahren von der Walter hilft GmbH profitiert hat, ist dieser Kaufpreis angemessen“, so die Wertung der Stadtverwaltung.

An der Veräußerung zu diesem Preis hatte der Gemeinderat nichts auszusetzen. Das Kapitel der Liaison ist damit beendet, die Stadtwerke Fellbach sind den nicht mehr so taufrischen Burschen los – mein Gott, Walter!