Der Planungswettbewerb zur B14 in Stuttgart zeigt: Das „Monster“ ist zähmbar. Darauf müssen Stadt und Land reagieren – jetzt, nicht in ferner Zukunft, kommentiert „Stuttgarter Nachrichten“-Titelautor Nikolai B. Forstbauer.
Stuttgart - Der Planungswettbewerb zur B14 in Stuttgart mit dem Siegerentwurf von asp Architekten/Koeber Landschaftsarchitekten aus Stuttgart zeigt: Das „Monster“ ist zähmbar, ja, es wartet nur darauf, nicht etwa nur Autobahn oder gar nicht, sondern endlich eine normale Straße sein zu können .Darauf müssen Stadt und Land reagieren – jetzt, nicht in ferner Zukunft, kommentiert „Stuttgarter Nachrichten“-Titelautor Nikolai B. Forstbauer.
Stadtautobahn ist auch nur eine Straße
Zehn Spuren der Bundesstraße 14 sind in Stuttgart zwischen Staatstheater-Areal (mit Opernhaus und Schauspielhaus) und Baden-Württembergs Museumsflaggschiff Staatsgalerie zu überqueren. Da muss man rüberwollen – unüberwindbar aber ist diese Schneise durch Stuttgarts Stadtmitte nicht. Seit langem plädieren die „Stuttgarter Nachrichten“ für einen ebenerdigen, zehn Meter breiten Übergang zwischen Opernhaus und Musikhochschule. Die Stadtautobahn, so das Credo, ist auch nur eine Straße. Die in dieser Woche gekürten Gewinner des Planungswettbewerbs zu einer Neuordnung der B 14 setzen just auf diese Position. Gut so.
Das Auto ist nicht das Böse
Dabei hat die Stuttgarter Allianz asp Architekten/Koeber Landschaftsarchitekten nur genau hingeschaut. Nein, die Straße muss nicht weg, nein, das Auto ist nicht das Böse, das unter Tage muss, damit die Bürgerinnen und Bürger ihm ebenerdig auf dem Dach herumspazieren und von Ost nach West wie vor allem von Nord nach Süd und umgekehrt flanieren können.
Weit offene Hintertüre
Eingebremst und mit zeitgerechtem Antrieb versehen, ist das Auto vielmehr ebenso selbstverständlicher Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger, Radfahrer und überwiegend elektrifizierte Zweiradnutzer. Das auch zu wollen, ist Sache der Politik von Stadt und Land. So weit, so gut. Jedoch: Die Hintertüre steht sperrangelweit offen.
Vier Spuren, viel Grün
Eine Machbarkeitsstudie soll klären, ob überhaupt möglich ist, was die nun gekürten B 14-Vordenker in schlichtem Realitätssinn vorschlagen: Die Stadtautobahn, reduziert auf vier Spuren nurmehr oberirdisch zu führen und die frei werdenden Flächen für deutlich mehr Grün und als Handlungsraum für die Bürgerinnen und Bürger zu nutzen. Eine spektakulär unspektakuläre Idee mit einer einfachen Botschaft: Das Monster B 14 ist zähmbar, ja, es wartet nur darauf, nicht etwa nur Autobahn oder gar nicht, sondern endlich eine normale Straße sein zu können .
Kein Monster – und jetzt?
Wo aber das Monster fehlt, taugt auch das Feindbild nicht und ist der Schrecken nur mehr behauptet. Dort, wo die Bundesstraße 14, wo die Stadtautobahn zehnspurig ebenerdig durch das Herz der Metropolregion Stuttgart mit ihren 2,8 Millionen Einwohnern führt, kann man den Vorschlag von asp Architekten bereits jetzt aufgreifen. In ganzer Breite des zum Busparkplatz verkommenen und zudem aller Wasser-Leichtigkeit beraubten Platzes zwischen Kammertheater und Haus der Geschichte auf der einen und Opernhaus auf der anderen Seite lässt sich die Straße lustvoll und mit Blick auf die Höhen in Nord und Süd überqueren. Man muss es nur wollen. Wer sich weiter hinter dem „Ungetüm“ B 14 versteckt, wird indes keinen Schritt weiterkommen. Erst recht nicht von Seiten der prominenten Kultur-Anrainer. Die Klage der Schneise geht fehl, solange man nicht das Überqueren zum selbstverständlichen und also auch künstlerischen Thema macht.
Auftakt einer Wettbewerbs-Kette
Nicht weniger widersinnig ist das Warten auf die Umsetzung der Wettbewerbsentscheidung. Sie ist ja nur der Anfang einer ganzen Kette von Wettbewerben, von Ideenfindungen, in deren Zentrum die Neugestaltung und Erweiterung des Staatstheater-Areals steht und die zur klaren Identifikation eines dann vom Neubau der John-Cranko-Schule des Stuttgarter Balletts bis hin zum Kunstmuseum Stuttgart und vom Stadtpalais bis zur Kinostrecke in der Bolzstraße reichenden Kulturquartiers führt.
B 14 taugt nicht als Schlange
Dieses Kulturquartier muss nicht erfunden werden, es ist Realität, formulierten die „Stuttgarter Nachrichten“ vor nun 15 Jahren. asp Architekten/Koeber Landschaftsarchitekten machen mit ihren zutiefst bodenständigen Ideen für die B 14 genau dies deutlich. Wir alle können die Rolle der Kaninchen abgeben – die B 14 taugt nicht als Schlange. Sie ist schlicht auch nur eine Straße.
nikolai.forstbauer@stuttgarter-nachrichten.de