Stadtteilzentrum Untertürkheim Hier wird der Rote Teppich ausgelegt

Von Georg Linsenmann 

Marlene Blumenstock in „Marinke“, mit einer smarten Recyclingtasche. Foto: Georg Linsenmann
Marlene Blumenstock in „Marinke“, mit einer smarten Recyclingtasche. Foto: Georg Linsenmann

Das Trio Marinke belebt mit dem gleichnamigen Laden die vielfach desolate Widdersteinstraße.

Untertürkheim - Nur manchmal wundert sich Marlene Blumenstock noch. Schließlich weiß sie schon lange, „dass es Kreative nicht leicht haben in Untertürkheim“. Schwer gewundert hatte sie sich zuletzt, dass ihre Initiative „Platz nehmen!“ mit aussortierten Stühlen der evangelischen Kirchengemeinde, pfiffig kreativ recycelt und mit einem umhäkelten Hirtenstab aufgemöbelt, fast keine Resonanz bei den Geschäften in der „Einkaufspassage“ fand. Ein Totstellreflex? Vielleicht nicht einmal mehr ein Reflex? Kein Mitmachen jedenfalls – außer von „Eine Welt“, plus der Bücherei am Kelterplatz.

Resignation aber passt nicht zu Gemüt und Haltung von Blumenstock. Das wischt sie allein schon mit ihrem strahlenden Lachen weg. Also hat sie sich mit Ina Kiess und Kerstin Knihs zusammengetan und in einem zum Abbruch freigegebenen Leerstand in der Mitte der Problemstraße einen temporären Laden aufgemacht: „Marinke“, aus den Anfangsbuchstaben der Vornamen gebastelt.

Und jetzt stellen sie selbst Stühle raus, Montag bis Freitag, immer ab 17 Uhr. Unverzagt, bis zum Ende des Jahres. Und sie legen dabei am Eingang buchstäblich den Roten Teppich aus: „Das signalisiert Wertschätzung. Der Kunde ist König“, sagt Blumenstock. Was aber hat Marinke nach dem Gang über den Roten Teppich zu bieten?

Sogar Vegetarisches für den Vierbeiner ist zu haben: Jessis Wuffi Cookies

Ein höchst originelles Konzept! Regale zum Mieten, acht Euro pro Regal. Und die sind restlos genutzt, von 22 Anbietern aus dem Ort und der Region. Schließlich sagt schon das Schaufenster: „Regional einkaufen heißt Heimat erhalten“. Kreatives, Pfiffiges, Schönes, Nützliches. Alles handgemacht, lauter Unikate. Textilien für die Damen, Babysachen, Spielzeug aus Holz, witzige Deko. Ein Leseknochen als perfekte Nackenstütze, Konzeptlampen, Einweckgläser, Taschen und Täschchen, ein Handyetui aus Filz. Oder Postkarten, mit dem per Weihnachtsmodel in Bütten gedruckten Motiv der Grabkapelle, auch Gemaltes der Marke „Zuckerschnute“. Außergewöhnliches eben. Perfekte Geschenke! Eigentlich. Sogar Vegetarisches für den Vierbeiner ist zu haben: Jessis Wuffi Cookies. Auf den Hund kommt hier aber niemand. Und das soll abstrahlen in die Problemzone, ein Beispiel geben à la „Bunt statt Grau“, wo Blumenstock auch mitwirkt. Man wird ganz ruhig in diesem Laden. Und leicht. Da wird die Lampe mit dem in Transparentpapier geschnitten Schriftzug unvermittelt zum Resümee: „Place to be!“ Ein Platz zum Dasein. Sogar zum Sein.

Zuletzt übrigens hatte sie sich mal wieder gewundert: „Für den Masterplan hat die Wirtschaftsförderung Studenten zum Ideen sammeln durch die Straße geschickt. Dabei gibt es diese Ideen schon, seit vier Jahren. Aber ohne Resonanz.“ Klar, da bleibt nur das breiteste, charmante Lachen. Und der Verweis auf das Verbindende, für das Blumenstock so unverdrossen begeistern möchte, kreativ zu einem Motto geronnen: „Ich und Du – gleich Wir: Verändern das Quartier!“ Man müsste sich nicht wundern, wenn das doch mal zünden sollte. Irgendwann vielleicht.

Redaktion Bad Cannstatt

Ansprechpartner
Torsten Ströbele
untertuerkheim@stz.zgs.de

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