Martina Schütz ist gerade erst in die neuen Räume im ehemaligen Polizeirevier eingezogen. Foto:  

Der Stadtteiltreff Stöckach ist in die Metzstraße gezogen. In der ehemaligen Polizeiwache ist viel Platz für neue Projekte. Die Anwohner sollen eigene Ideen umsetzen.

Stuttgart-Ost - Die Wände sind weiß gestrichen und noch ganz kahl. Martina Schütz ist in der vergangenen Woche ganz frisch in ihre neuen Räume an der Ecke Metz- und Stöckachstraße eingezogen. Die ehemalige Polizeiwache ist jetzt das neue Zuhause des Stadtteiltreffs Stöckach, der bisher in der Heinrich-Baumann-Straße war.

Einige Leute aus dem Stadtteil waren am Morgen des Eröffnungstages schon da. „Viele kommen einfach vorbei und fragen, was ich hier eigentlich so mache“, erzählt Martina Schütz, die Sozialarbeiterin beim Stuttgarter Jugendamt im Bereich der Gemeinwesenarbeit und zuständig für den Stadtteiltreff Stöckach ist. Der Treffpunkt in der Metzstraße bietet einen Raum, in dem sich auch größere Gruppen treffen können. Ein kleinerer Raum, mit Kinderspielzeug ausgestattet, steht für Krabbel- und Spielgruppen zur Verfügung. Eine Küche und ein Büro für jedermann sind vorhanden. Es gibt also Platz genug, um neue Ideen für den Stadtteil auszuprobieren. „Heute war schon eine Dame da, die gerne eine indische Tanzgruppe machen möchte“, erzählt Schütz. Sie sei für jede Anregung offen, sagt die Sozialarbeiterin. Ein wichtiges Ziel der Gemeinwesenarbeit in den Stadtteilen sei schließlich, die Eigeninitiative der Bürger zu fördern – egal, ob das nun Yoga sei oder ein Computerkurs für Senioren.

Hausaufgabenhilfe und Flohmärkte

Doch dies ist nur einer der Pfeiler, auf denen Martina Schütz ihre Stadtteilarbeit gründen möchte. Zuallererst ist der Stadtteiltreff ein offenes Haus, in das jeder kommen kann, um sich zu unterhalten und Kaffee zu trinken. An drei Tagen die Woche bietet die Sozialarbeiterin eine offene Sprechstunde an. In den alten Räumen sei diese von den Bürgern nicht sehr gut angenommen worden. „Viele wussten vermutlich nichts davon“, sagt Schütz. Eine Beratung nehmen bei der Sozialarbeiterin jedoch viele in Anspruch. „Es ist leichter, zunächst zu mir zu kommen“, erklärt sie. Zum Jugendamt zu gehen, sei für viele ein ungleich größerer Schritt.

Einige Angebote hat sich Schütz bereits überlegt, darunter eine Hausaufgabenhilfe für Grundschüler. „Ich möchte auf jeden Fall Deutsch-Kurse anbieten“, sagt sie. Denn die Nachfrage sei groß. Beim monatlichen Stöckach-Treff plant sie mit Bürgern Aktionen wie den Flohmarkt, das Stadtteilfest oder Kulturveranstaltungen. Jeder ist dabei willkommen.

Hauptaufgabe der Stadtteilzentren ist, Projekte zu organisieren und anzuregen. „Der Stadtteiltreff soll langfristig von alleine laufen“, betont Schütz. Dann ziehe sich die Jugendhilfe in der Regel als Projektträger zurück. Derzeit betreut die Abteilung Jugendhilfe neben dem Stadtteilhaus am Stöckach ein weiteres in Botnang-Nord, das Familien- und Nachbarschaftszentrum (FuN) sowie den Stadtteiltreff Veielbrunnen in Bad Cannstatt. Für Botnang-Nord sucht die Jugendhilfe einen Träger, der das Zentrum übernimmt.

Mehr Geld für bestehende Häuser

Die Gemeinwesenarbeit konzentriert sich auf benachteiligte Bezirke von Stuttgart. „Nicht immer richten wir gleich ein ganzes Haus ein, manchmal geht es auch ohne“, erklärt Alexander Vecellio, der Leiter Gemeinwesenarbeit beim Jugendamt Stuttgart. Es gebe inzwischen auch wesentlich mehr Standorte, wo die Trägerschaft nicht oder nicht mehr bei der Jugendhilfe liege. So ist die Caritas Träger des Stadtteilhauses Mitte und des Hauses 49 am Nordbahnhof. Unterstützt wird sie dabei von den Kirchengemeinden.

Derzeit hat die Jugendhilfe keine weiteren Projekte geplant. „Der Trend ist, die bestehenden Häuser mit mehr Geld zu unterstützen“, sagt Vecellio. Konkret bedeute dies, dass in den Häusern feste Stellen geschaffen werden, so im Familien- und Stadtteilhaus Nord, das von der Jugendhaus gGmbH getragen wird. Auch die Zentren in Wangen und Untertürkheim werden besser ausgestattet. „Gemeinwesenarbeit ist mehr als nur ein Haus bereitzustellen“, so Vecellio.

DIE GEMEINWESENARBEIT (GWA)

Projekt Die GWA leistet Aufbau- und Entwicklungsarbeit in Stadtteilen. Sie ist Ansprechpartnerin für alle Bewohner vor Ort und unterstützt engagierte Menschen, die ihren Stadtteil mitgestalten wollen. Die Gemeinwesenarbeit ist organisatorisch und fachlich der Jugendhilfeplanung zugeordnet.

Ziele Die GWA möchte Bewohnern die Begegnung in ihrem Stadtteil sowie eine stärkere Identifikation mit diesem ermöglichen. Gleichzeitig möchte sie Netzwerke zwischen allen Akteuren im Stadtteil aufbauen. Die Einrichtungen im Stadtteil sollen zudem für alle Bewohner geöffnet werden.

Vernetzung Die GWA ist Mitglied in den stadtteil- bzw. stadtbezirksbezogenen Gremien der Regionalen Trägerkoordination. Im Rahmen ihrer Projekte initiiert, begleitet und koordiniert die GWA Arbeitsgruppen und Runde Tische zu Themen des Stadtteils. Einmal im Jahr findet ein trägerübergreifender Fachtag statt.

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