Die Böblinger Straße, welche den Stadtteil buchstäblich zerschneidet, ist eines der Hauptprobleme in Kaltental. Foto: Alexandra Kratz

Der Stadtteil Kaltental soll ein Sanierungsgebiet werden. Dann bekommt Stuttgart Fördermittel vom Bund und vom Land, um das Quartier aufzuhübschen. Zunächst sind aber die Ideen der Bürger gefragt.

Kaltental - Vor den Kaltentalern liegt ein Berg Arbeit. Genau genommen, sind es sogar zwei Berge Arbeit. Denn der Stadtteil mit seinen markanten zwei Hügeln soll ein Sanierungsgebiet werden. Dann bekommt Stuttgart Fördermittel vom Bund und vom Land, um das Quartier aufzuhübschen. Zunächst muss es aber eine Liste mit den Dingen geben, die in Angriff genommen werden sollen. Dazu hat die Stadt das Stuttgarter Büro Steg Stadtentwicklung mit den sogenannten vorbereitenden Untersuchungen beauftragt.

Die Bevölkerung soll mitmachen. Die Bürger, Vertreter der Vereine und öffentlicher Einrichtungen sowie die Händler sind dazu aufgefordert, ihre Ideen und Anregungen einzubringen. Wie genau, das erklären Mitarbeiter des Amts für Stadtplanung und Stadterneuerung am Donnerstag, 8. Dezember. Die Informationsveranstaltung beginnt um 19 Uhr im evangelischen Gemeindesaal an der Schwarzwaldstraße 7.

Die Zukunftswerkstatt hat schon viele Ideen gesammelt

In einem zweiten Schritt ist für Januar eine Fragebogenaktion geplant. Die Stadt schreibt alle Grundstückseigentümer, Haushalte und Betriebe im Untersuchungsgebiet an. So sollen weitere Vorschläge und Wünsche für eine Aufwertung des Gebiets gesammelt werden. Das Sanierungsgebiet reicht von der Fuchswaldstraße im Westen bis zur Engelbold- und Burgstraße im Osten, sowie vom Anweiler Weg im Süden bis zur Stadtbahnhaltestelle Vogelrain im Norden. „Die Stadt bittet alle Beteiligten um aktive Mitwirkung, damit wichtige Erkenntnisse für die künftige Sanierung gewonnen werden können“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Die Kaltentaler stehen freilich schon seit Langem in den Startlöchern. Unter dem Dach der Zukunftswerkstatt haben sie in den vergangenen zwei Jahren bereits viele Ideen gesammelt. „Wir müssen vor allem die Topografie austricksen“, sagt Marion Eisele. Die stellvertretende SPD-Bezirksbeirätin ist sozusagen der Kopf der überparteilichen Zukunftswerkstatt. Für alte und gehbehinderte Menschen, aber auch für Mütter mit Kinderwagen sei die Böblinger Straße, welche den Stadtteil quasi zerschneidet, ein Problem. Denn um ohne Stufen von dem einen Berg auf den anderen zu kommen, muss man immer erst ganz runter. Die bereits bestehende Brücke über die ehemalige B 14 ist nicht barrierefrei. „Unsere Utopie ist eine Brücke auf hohem Niveau“, sagt Eisele. Mit Niveau meint sie vor allem die topografische Höhe.

Vor allem aber wünscht sich Eisele für den Termin am Donnerstag, dass viele Bürger kommen. „Es reicht nicht, wenn nur die Mitglieder der Zukunftswerkstatt mit ihren Ideen da sind. Bei dem Sanierungsprogramm müssen insbesondere auch die Eigentümer mitmachen“, sagt Eisele. Denn das Projekt sieht auch Fördermittel für die Sanierung privater Immobilien vor. „Je mehr mitmachen, desto erfolgreicher wird das Stadterneuerungsprogramm“, sagt Eisele und ergänzt. „Mit zwei Veränderungen an der Böblinger Straße ist es nicht getan.“

Zwei Kreisverkehr könnten die Ortseingänge definieren

Wobei diese geplanten Änderungen durchaus umfangreich sind. Der Bezirksbeirat Süd wünscht sich neben besseren Verbindungen zwischen den zwei Bergen eine Aufwertung der beiden Ortseingänge. Die Kreuzungen an den Stadtbahnhaltestellen Waldeck und Engelboldstraße sollen zu Kreisverkehren umgebaut werden. Die Sache hat allerdings einen Haken. Die Fördermittel von Bund und Land sind auf 150 Euro pro Quadratmeter begrenzt. Einen Quadratmeter Straße neu zu bauen, kostet aber viel mehr. Die Stadt muss also ein Mehrfaches an Haushaltsmitteln zuschießen. So stand es in der Gemeinderatsvorlage, welche die Verwaltung den Stadträten im Sommer vorlegte. Der Gemeinderat sagte dennoch ja und machte damit den Weg frei für die vorbereitenden Untersuchungen. Neben den beiden Kreisverkehren könnte mit Hilfe des Programms auch die Verlegung der Stadtbahngleise auf der Böblinger Straße im Bereich der Polizeisiedlung realisiert werden. Darum reicht das Sanierungsgebiet im Norden bis zur Haltestelle Vogelrain.

Raiko Grieb hofft, „dass viele Kaltentaler viele Anregungen und Meinungen zur Entwicklung des Stadtteils hervorbringen“. Der ehrenamtliche Bezirksvorsteher im Stuttgarter Süden ergänzt: „Die Stadtverwaltung ist hoch sensibilisiert. Ihre Türen und Tore stehen weit offen, um aufzusaugen, was es an Ideen gibt.“ Seine eigenen Prioritäten möchte Grieb noch nicht nennen. „Ich möchte nichts vorwegnehmen. Zunächst geht es darum, was die Kaltentaler sagen. Der Termin am Donnerstag ist ihre Chance.“ Aber es gebe sicher Überschneidungen mit seinen Vorstellungen.

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