Das Stuttgarter Straßenfest Westallee findet in diesem Jahr nicht statt. Viele Stuttgarter bedauern die Absage. Doch nicht alle. Reaktionen aus der Nachbarschaft.
Im Stuttgarter Westen wird im Sommer ein Stadtteilfest fehlen. Vor Kurzem haben die Veranstalter die Absage der Westallee bekannt gegeben. Dem vorangegangen war eine Debatte über mögliche, neue Auflagen für Stadtteilfeste seitens der Stadt. Diese kommen, zur Erleichterung vieler Veranstalter, nun doch nicht.
Dennoch fehlt es den Veranstaltern der Westallee laut eigenen Angaben nun an Zeit, um das Fest auf dem gewohnten Niveau umzusetzen. Auch steigende Kosten und eine reduzierte Förderung nennen die Veranstalter als Gründe für die Absage.
Die Reaktionen darauf sind unterschiedlich. Viele Anwohner im Viertel bedauern diese Entscheidung, andere begrüßen sie.
„Wir freuen uns jedes Jahr auf die Westallee“, sagt Tom Wolter-Rössler. Der Stuttgarter wohnt mit seiner Familie quasi mitten auf dem Festgelände, in der Johannesstraße nahe des Anton-Wilhelm-Amo-Platzes (ehemals Lerchenplatz). Die Einschränkungen, die es durch das Fest zeitweise gibt – etwa, dass Parkplätze vorübergehend nicht nutzbar sind oder Musik gespielt wird – erleben er und seine Familie „überhaupt nicht als schwierig“.
Westallee abgesagt – viele Stuttgarter bedauern das
Nach der Fest-Absage zeigt sich der Stuttgarter enttäuscht: „Das Viertel verliert damit eine sehr wertvolle Veranstaltung, die Lebensqualität mit sich bringt.“ Die Westallee sei ein Ort der Nachbarschaft und des sozialen Austauschs. Er hofft, dass das Fest im nächsten Jahr wieder stattfinden kann. „Ich überlege momentan auch, was ich denn beitragen kann, damit das klappt“, sagt er. „Man nimmt es immer so als gegeben hin, dabei muss man bedenken, dass das Menschen in ihrer Freizeit organisieren – und die möchte ich nicht hängen lassen.“ Auch von der Stadt wünscht sich der Stuttgarter mehr Unterstützung für Veranstaltende.
Mit dieser Ansicht ist er nicht allein. Eine andere Anwohnerin im Westen, die anonym bleiben möchte, betont ebenfalls den hohen Stellenwert des Festes als Treffpunkt und „Beitrag zu einer liebenswerten Stadt“. Sie hebt zudem das „gut kuratierte“ Musikprogramm der dort auftretenden Künstler hervor.
„Die Absage ist sehr schade. Das Fest ist ein Teil des Westens“, sagt auch Martina Bolwin. Sie betreibt den Kiosk Martinas Lädle in der Johannesstraße und wohnt in der Nähe. Nicht nur sei sie selbst gern auf dem Fest unterwegs, währenddessen kämen auch viele Besucher in ihrem Geschäft vorbei. Das fällt in diesem Jahr weg.
Beschwerden über wegfallende Parkplätze und Lärm in Stuttgart-West
Doch nicht alle Menschen im Westen wollen die Westallee. „Manche in unserer Nachbarschaft beschweren sich darüber, dass wegen des Fests Parkplätze wegfallen oder es zu laut ist“, erzählt Tom Wolter-Rössler. Dazu hat der Stuttgarter eine klare Meinung: „Wenn ich in der Landeshauptstadt wohne, finde ich, muss es auch mal möglich sein, für ein paar Tage Musik im Viertel zu haben.“
Eingehende Beschwerden wie diese bestätigt auch der Bezirksvorsteher für Stuttgart-West, Bernhard Mellert. Hauptsächlich seien diese in letzter Zeit über Gelbe Karten – ein Meldetool der Stadtverwaltung, das online oder per Post Anliegen entgegennimmt – bei der Stadt eingegangen. Persönliche Ansprachen an den Bezirksvorstand habe es kaum gegeben.
Die Stadt Stuttgart bestätigt auf Anfrage unserer Redaktion für das Jahr 2025 den Eingang von insgesamt sieben Gelben Karten zum Stadtteilfest Westallee. „Diese betrafen im Wesentlichen die Themen Lärmentwicklung sowie Müllaufkommen im Umfeld der Veranstaltung“, so ein Sprecher der Stadt.
Gegenstand von Beschwerden sei auch Lärm nach dem offiziellen Ende des Fests gewesen, ergänzt Bezirksvorsteher Mellert. Es seien in den Straßen weiter Partys gefeiert worden, obwohl die Musik längst aus war. Das Problem: Die Veranstaltenden selbst haben darauf kaum Einfluss.
„Eine Zumutung“: Stuttgarter Anwohnerin beklagt Wildpinkler und Überfüllung
Zwiegespalten zeigt sich eine andere Anwohnerin aus der Johannesstraße, die ihren Namen nicht nennen will. Einerseits, sagt sie, seien solche Feste wichtig für die Nachbarschaft, andererseits versetze die Westallee das Viertel in einen Ausnahmezustand, der wegen Auf- und Abbau teils länger andauere als nur über die Festtage. „Es ist eine wahnsinnige Zumutung“, findet sie. „Es sind zu viele Leute unterwegs.“ Abends müsste sie das Tor zu ihrem Hof abschließen, damit sich Wildpinkler vom Fest nicht dorthin verirrten.
Gleichzeitig gibt sie zu bedenken: „Das kann man natürlich nur schwer regulieren. Wenn die Leute kommen, dann kommen sie halt.“ In den ersten zwei Jahren der Westallee sei der Andrang noch in Ordnung gewesen, doch mittlerweile sei es zu viel. „Wir sind teils schon für drei Tage aus der Wohnung geflüchtet.“
Die Anwohnerin beklagt zudem die Tatsache, dass Autos umgeparkt werden müssten. „Im Umkreis findet man dann kaum eine Alternative“, sagt sie. Direkt bei der Stadt Beschwerde eingereicht habe sie jedoch nicht.
Die Stadt Stuttgart hat eingegangene Beschwerden geprüft. Die Entscheidung, dass in diesem Jahr keine neuen Auflagen für Stuttgarter Stadtteilfeste greifen sollen, begründete die Stadt Stuttgart auf Anfrage damit, dass es für etwaige Verschärfungen „bisher keinen konkreten Anlass“ gegeben habe.
Bezirksvorsteher: Information hätte früher stattfinden müssen
Bezirksvorsteher Mellert begrüßt die Entscheidung. Gleichzeitig gibt er, auch im Namen der Veranstalter, zu bedenken: „Gut wäre es gewesen, wenn dieses Gespräch schon früher stattgefunden hätte.“ Die Veranstalter hätten ihre Planung dann entsprechend früher darauf einstellen können.
Dieser Text erschien erstmals am 2. April 2026 und wurde am 7. April aktualisiert.