Wo wohnten die Stuttgarter besonders gerne? Die Plätze 1 bis 10 im Stadtteil-Ranking zeigt die Bildergalerie. Foto: Westend61/Werner Dieterich via www.imago-images.de

Es gibt Stuttgarter Stadtteile, da will kaum jemand wieder weg. Unser Ranking zeigt, welche Gegenden besonders beliebt sind. Mit einigen hätte man nicht gerechnet – oder war noch gar nie dort.

Nirgendwo in Stuttgart wohnen die Menschen so lange wie in Luginsland. Vier von zehn Bewohnern des Untertürkheimer Stadtteils sind seit mindestens 15 Jahren dort gemeldet. Auf 1000 Einwohner kamen 2020 nur gut 50 Fortzüge, das ist stuttgartweit jeweils ein Spitzenwert und damit landet Luginsland in unserem Stadtteil-Ranking auf Platz eins. Aber warum zieht kaum jemand von dort weg?

 

Der Stadtteil wurde Anfang des 20. Jahrhunderts genossenschaftlich nach dem Prinzip einer Gartenstadt von Daimler- und Bosch-Mitarbeitern gegründet, damit sie in der Nähe des Arbeitsplatzes wohnen können. Wer Luginsland nicht kennt, kann sich ein Stadtbild aus Reihenhäusern mit Garten vorstellen, das familienfreundlich und grün ist. Heute zählen die höher gelegenen Teile von Luginsland zu den teuersten entlang des Neckars, früher waren die Einfamilienhäuser erschwinglich.

Das sind die Top-10

In einer kleinen Reihe untersuchen wir die 152 Stuttgarter Stadtteile in Form von Rankings. Für diesen Beitrag schauen wir, wo die Menschen besonders lange wohnen. Dafür nutzen wir amtliche Daten zum Anteil der Menschen, die seit mindestens 15 Jahren im Stadtteil wohnen und zu den Fortzügen je 1000 Einwohner. Wir gewichten beide Faktoren gleich und errechnen aus der Summe einen Prozentwert. Je besser die beiden Werte im Vergleich zur Gesamtstadt sind, desto weiter oben landet ein Stadtteil im Ranking. Die Daten stammen aus dem „Statistikatlas Stuttgart“.

Die Tabelle zeigt die zehn Stadtteile, in denen die Menschen besonders lange wohnen:

Luginsland erreicht bei den beiden gewählten Kategorien jeweils nicht den höchsten Wert in der Stadt, liegt dafür aber in der Summe ganz vorn. In Neuwirtshaus leben mehr als 60 Prozent der Einwohner schon seit mindestens 15 Jahren im Stadtteil, dafür ziehen aber etwas mehr Menschen weg. Der Stadtteil im Bezirk Zuffenhausen besteht vor allem aus Doppelhäusern mit Gärten, die zwischen 1933 und 1937 in relativ einfacher Bauweise errichtet wurden. Die Siedlung war damals vor allem für Arbeitslose errichtet worden. Heute weist sie mit 73 Prozent die höchste Eigentümerquote von ganz Stuttgart auf – eine Erklärung, warum so viele dort so lange wohnen.

Oft sind es Siedlungen am Rande der Stadt

Nicht weit dahinter steht Asemwald – in unserem Ranking sowie bei der Eigentümerquote (57 Prozent). Viele der Menschen, die Ende der 1960er Jahre in eine der 1137 Eigentumswohnungen eingezogen sind, leben weiterhin in den Hochhäusern. Die Wohnstadt zählt zu den größten Eigentümergemeinschaften Deutschlands – und zu den jedenfalls bei den Bewohnern beliebtesten Teilen der Stadt.

Bei den Top-Ten-Stadtteilen in unserem Ranking fallen einige Gemeinsamkeiten auf. Sie befinden sich alle eher am Rande der Stadt in hübscher, aber oft unspektakulärer Lage. Es ist daher gut möglich, dass die Leserinnen und Leser dieses Texts sie kaum aus eigener Anschauung kennen. Außerdem handelt es sich vielfach um geplante Wohnsiedlungen, in denen bevorzugt Ein- oder Zweifamilienhäuser stehen – mit den Ausnahmen Asemwald und Neugereut.

Neugereut landet hinter Steinhaldenfeld auf Platz fünf in unserem Ranking. Die Großwohnsiedlung entstand in den 1970ern. Steinhaldenfeld (gebaut in den 1930er Jahren) erinnert dagegen eher an Neuwirtshaus und Luginsland. Auch Hoffeld (Platz sechs) und Bergheim (Platz zehn) sind planmäßig angelegte Siedlungen, deren Häuser vielfach von den Bewohnern mitgebaut wurden und bis heute in Familienbesitz sind. Rotenberg und Uhlbach auf den Plätzen sieben und acht punkten mit Aussicht und Weinbergen.

Zwei „neue“ Stadtteile – und die unbeliebtesten

Nicht unter den Top-10, aber ebenfalls erwähnenswert, sind die Zuffenhausener Stadtteile Im Raiser und Zazenhausen. Viele der Häuser dort sind erst vor wenigen Jahren entstanden, weshalb die Stadtteile kaum mit vielen Menschen punkten können, die dort 15 Jahre oder länger wohnen. Allerdings zieht dort bislang kaum jemand weg – die Quote ist mit unter 60 Fortzügen je 1000 Einwohner stuttgartweit eine der niedrigsten.

Die Schlusslichter im Ranking sind jene Stadtteile, aus denen besonders viele Menschen wegziehen oder wo kaum jemand länger als 15 Jahre lebt. Dabei handelt es sich mit Weilimdorf-Nord, Feuerbach-Ost und Pragstraße teils um von Gewerbe und Verkehr geprägte Gebiete mit nur wenigen, häufig wechselnden oder – wie an der Pragstraße – zwangsweise verdrängten Einwohnern sowie die Studenten-Stadtteile Hohenheim und Pfaffenäcker.