Das alte Norma-Gebäude in Wendlingen ist Geschichte – bis zur Neubebauung soll das Areal zum Stadtstrand werden. Foto: Kerstin Dannath

Bis zur Bebauung soll ein Grundstück im Herzen der City temporär zur sommerlichen Aktionsfläche werden – auch um Fehlnutzungen zu vermeiden.

Das alte Norma-Gebäude in Wendlingen ist abgerissen. Wenn die letzten Überreste des ehemaligen Wohn- und Geschäftshauses abgeräumt sind, soll die Grube verfüllt und das Areal mit Schotter eingeebnet werden. Als Folgeprojekt will die Stadt dort ein Ärztehaus errichten, da das allerdings noch etwas dauert, liebäugelt die Verwaltung mit einer innovativen Zwischennutzung als Stadtstrand.

 

Auf dem Areal sollen Wohn- und Geschäftshäuser entstehen

Jüngst hat der Wendlinger Stadtrat seine Zustimmung zur Konzeption eines städtebaulichen Wettbewerbs für die Entwicklung des sogenannten Quartiers „Albstraße 29/WENA-Areal“ erteilt. Auch die Bürger sollen dabei beteiligt werden. Gegenstand des Wettbewerbs sind der Gebäudekomplex Albstraße 23 bis 25, der sich in privater Hand befindet, sowie das Areal der Nummer 29 – das die Stadt bereits 2023 erworben hat. Entstehen sollen auf den rund 4700 Quadratmeter nachhaltige Wohn- und Geschäftshäuser inklusive Tiefgaragen. Die Stadt will ihr Grundstück an einen Investor vergeben, der Wettbewerb soll in diesem Sommer ausgelobt werden. Wenn alles klappt, steht das städtebauliche Konzept im Herbst.

Bis tatsächlich die ersten Bagger zwecks Neubebauung rollen, wird indes noch einige Zeit vergehen: Die Verwaltung rechnet mit einem Baustart nicht vor 2027. „Wichtig ist, dass es in dieser Zeit zu keiner Fehlnutzung kommt“, erklärte Markus Lämmle, der Erste Beigeordnete der Stadt, im Gemeinderat. Der Vorschlag der Stadtverwaltung: Ein temporäres Nutzungskonzept, das zur Belebung beiträgt und durch gezielte Aktivierung eine einladende Atmosphäre schafft. Ein Teil der Fläche soll dafür mit Sand aufgeschüttet werden, eine Bewirtschaftung etwa durch Foodtrucks und kleinere Veranstaltungen wie Lesungen und ein Street-Art-Festival wären denkbar, so Lämmle weiter. In das Konzept eingebunden werden sollen neben dem Jugendrat auch Kindergärten und Schulen.

Einen Stadtstrand wie beispielsweise hier in Bad Cannstatt soll es künftig auch in Wendlingen geben. Foto: Horst Rudel/Archiv

Mit Blick auf das angrenzende Wohngebiet soll sich die Nutzung auf die Stunden mit Tageslicht beschränken: „Um Randale und Lärm zu vermeiden“, erklärte Lämmle. Er bezifferte die Kosten auf etwa 20 000 Euro, allerdings ohne die Einrichtung einiger zum Wohngebiet hin gelegenen Parkplätze. Der Betrag sorgte nicht bei allen Gemeinderäten für Begeisterung: „Angesichts unserer eher bescheidenen Haushaltslage ist das viel Geld“, kritisierte Stadtrat Michael Pillmayer (CDU). Zustimmung gab es indes von den meisten der übrigen Kommunalpolitikern: „Eine sinnvolle Nutzung ist eine gute Idee“, befand SPD-Fraktionschef Ansgar Lottermann. Öffentliche Plätze mitten in der Stadt könne man nicht genug haben, sie seien immer eine Bereicherung, befand auch Ursula Vaas-Hochradl (Grüne). „Wenn wir dort nichts anbieten, wird die Fläche wahrscheinlich in einer Art und Weise in Anspruch genommen, die uns nicht gefällt“, warnte Wendlingens Bürgermeister Steffen Weigel: „Als Alternative eine Bretterwand um das Areal zu ziehen, kommt nicht in Frage. Dazu liegt die Fläche zu zentral.“

Der Gemeinderat gibt der Verwaltung grünes Licht

Letztlich waren die Pro-Argumente überzeugend – der Rat beauftragte die Verwaltung, die Umsetzung eines Stadtstrands vertiefend zu untersuchen, eine Kostenschätzung anzufertigen und eine Nutzungsordnung zu erstellen. Auch nach einem möglichen Ankermieter beziehungsweise Betreiber soll schon Ausschau gehalten werden.