Spitzenkoch mit Profil: Vincent Klink Foto: Leif Piechowski

Sie gelten als Topleute in ihrem jeweiligen Genre: Vincent Klink, Sternekoch und Chef der Wielandshöhe sowie das Krimi-Autoren-Duo Michael Kobr und Volker Klüpfel waren bei unserem Stadtschreibtisch zu Gast.

Stuttgart - Immer mehr Menschen essen vegetarisch oder vegan. Vincent Klink hält den Verzicht auf Fleisch aber nicht für eine pure Modeerscheinung. „Die Menschen werden künftig weniger Fleisch essen, weil sie mit Massentierhaltung, einem Verbrechen am Tier, und den Machenschaften der Fleischindustrie nichts mehr zu tun haben wollen“, sagte der Stuttgarter Sternekoch beim Stadtschreibtisch unserer Zeitung in der Buchhandlung Wittwer.

Wie es ohne Fleisch gehen kann erfährt man in über 120 Rezepten in Klinks neuestem Kochbuch „Voll ins Gemüse“. Der Virtuose der bodenständigen Küche schwingt dabei aber nicht die vegetarische Keule. „Man sollte aus dem Fleischverzicht keine Religion machen. Überhaupt widerstrebt mir alles Extreme“, sagte Klink, der Lust auf den richtigen Umgang mit Grünzeug und aufs Kochen überhaupt machen will. Die Anleitungen sind einfach, das Essen ist in 15 Minuten zubereitet.

Die 50 Zuhörer erfahren im Gespräch mit Bettina Hartmann, Redakteurin im Themenpool der Stuttgarter Nachrichten, dass der private Klink auch gerne mal Maggi in den Kartoffelsalat mischt, dass man Kohlgerichte nicht aufwärmen soll, und wie man eine Aubergine richtig zubereitet: Die Scheiben erst kurz blanchieren, abtrocknen und dann erst in Öl anbraten. Das hat er sich aus der türkischen Küche abgeschaut.

Klink, seit 36 Jahren Träger des Michelin-Sterns, ist auch ein kritischer Zeitgenosse. Über die Sternegastronomie hat er seine ganze eigene Sicht der Dinge. „Als junger Koch mit Ambitionen braucht man den Stern“, sagt Klink. Aber wenn er in Paris in einem Nobelrestaurant isst, dann widert ihn das manchmal an. „Da hocken keine Genießer, sondern lauter Waffenscheiber, Oligarchen und sonstige Verbrecher. Ein Graus.“

Essen spielt auch für Kommissar Kluftinger eine große Rolle. Er liebt Kässpatzen, auch wenn das seiner Figur nicht unbedingt zuträglich ist. Das Autoren-Duo Michael Kobr und Volker Klüpfel hat vor sieben Jahre diesen wunderbaren Ermittler geschaffen. Im neuen Krimi „Grimmbart“ löst er seinen achten Fall. Für die Fans von Klufti gibt es ein Kochbuch mit Allgäuer Leckerbissen wie Krautkrapfen, Weißlacker und Gschwollene. Wer die beiden im Wortduell mit Tom Hörner, Autor der Stuttgarter Nachrichten erlebt, dem wird klar, warum die beiden zu den Popstars der aktuellen Krimiliteratur zählen. Sie sind cool. Sie sind Kult, fallen sich und dem Moderator frotzelnd ins Wort und machen aus einer schlichten Lesung eine sogenannte Lit-Comedy.

Vom 3. März 2015 an gehen sie mit „My Klufti“ auf Tournee. Sein neuester Fall führt den Kultkommissar ins Schloss Bad Grönenbach, wo die Frau des Barons nicht nur ermordet, sondern auch wie auf einem uralten Familienportrait hergerichtet wurde. Auch privat ist einiges los: Kluftingers Sohn heiratet, die Schwiegereltern aus Japan haben sich angesagt. Auch diesen Plot hat das Duo gemeinsam entworfen. „Wenn einer keine Idee hat, dann fällt dem anderen was ein. Dann ist der Druck nicht so groß“, verrät Michael Kobr. Kürzlich haben sie sich bei Kluftinger sogar entschuldigt, dass sie ihn von einem Fettnäpfchen ins nächste schicken und ihm auch noch den nervigen Langhammer an die Seite gestellt haben. Im Moment schreiben sie an einem Theaterstück, dass in Kobrs Wohnort Memmingen aufgeführt werden soll, wollen sich weiter ausprobieren. 400 Bücher signieren sie an diesem Nachmittag bei Wittwer.

Ein Fan will Kluftinger nach Japan schicken. „ Mal schauen, das wäre eine spannende Recherchereise“, sagt Michael Kobr. Die Nische des Allgäu-Krimis haben die beiden früh besetzt. Nachahmer gibt es genügend. „Ich finde es schon bizarr, wenn ein Autor aus Norddeutschland einen Allgäukrimi schreibt“, sagt Volker Klüpfel. Wie lange Kluftiger noch ermitteln wird halten sich die beiden offen. „Wir schreiben mal bis Band zehn. Dann sehen wir weiter“, sagt Michael Kobr. Die 100 Zuschauer wurden dann zumindest noch Zeugen, wie der neunte Kluftinger beginnen könnte, als Tom Hörner den beiden Autoren einen Block in die Hand drückt: „Kluftinger schluckt. Seine Lederhose juckt im Schritt.“

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