Kulturchef Nikolai B. Forstbauer im Gespräch mit OB Fritz Kuhn (re.) – Klicken Sie sich durch unsere Bilder von der Eröffnung. Foto: Leif Piechowski

Die Redaktion der Stuttgarter Nachrichten (StN) ist wieder zu Hause. Am Freitag haben im Buchhaus Wittwer am Schlossplatz Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn, Wittwer-Geschäftsführer Rainer Bartle und StN-Chefredakteur Christoph Reisinger den Stadtschreibtisch eröffnet.

Stuttgart - Die Redaktion der Stuttgarter Nachrichten (StN) ist wieder zu Hause. Am Freitag haben im Buchhaus Wittwer am Schlossplatz Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn, Wittwer-Geschäftsführer Rainer Bartle und StN-Chefredakteur Christoph Reisinger den Stadtschreibtisch eröffnet. Künftig wird jeweils montags und freitags von 12 bis 18 Uhr sowie samstags von 12 bis 16 Uhr ein Redakteur dort sitzen, Artikel schreiben, zeigen, wie die Zeitung gemacht wird. Und natürlich dürfen und sollen dort die Leser ihre Kritik loswerden – und gerne auch ihr Lob.

Wittwer-Geschäftsführer Rainer Bartle im Video.

Es ist der Treff der Süchtigen. Sie brauchen das Rascheln der Seiten, das Knistern des Papiers, den Anblick der Buchstaben – dermaßen berauscht, können sie die Welt erforschen und neu erleben. Es ist dies eine besondere Erfahrung, Bücher und Zeitungen laden dazu ein. Der Stuttgarter Krimiautor Wolfgang Schorlau kennt dieses Gefühl gut. „Ich war immer ein manischer Leser, geradezu buchstabensüchtig“, sagte er am gestrigen Freitag bei der Eröffnung des Stadtschreibtisches unserer Zeitung im Buchhaus Wittwer. Gerne war er gekommen, um mit StN-Kulturchef Nikolai B. Forstbauer über sein neues Buch „Am zwölften Tag“ zu plaudern. Denn „Schreiben ist ein einsames Geschäft“, sagt Schorlau „Lesungen sind die einzige Möglichkeit, Leser kennenzulernen.“ So geht es auch den Redakteuren der StN, ihrem Geschäft des Schreibens gehen sie künftig im Buchhaus Wittwer nach. Und hoffen darauf, dass es kein einsames ist und sie viele Leser kennenlernen.

Somit kommt zusammen, was zusammen gehört. So sieht es Wittwer-Geschäftsführer Rainer Bartle: „Die StN sind die regional wichtigste Tageszeitung in Stuttgart, und Wittwer ist die regional wichtigste Buchhandlung.“ Vieles verbindet die Partner: Der Fokus auf die Region, der Anspruch an die Qualität, die Kundenorientierung und eben die Buchstabensucht – also die Liebe zum gedruckten Wort. Das nun durch das gesprochene Wort am Stadtschreibtisch ergänzt wird.

Nun ist die Redaktion der Stuttgarter Nachrichten also endlich wieder zu Hause: Im Herzen von Stuttgart eröffneten OB Fritz Kuhn, Wittwer-Geschäftsführer Rainer Bartle und StN-Chefredakteur Christoph Reisinger den Stadtschreibtisch im ersten Obergeschoss des Buchhauses. Vor Jahrzehnten waren die Redakteure den Druckmaschinen auf die Filder hinterher gezogen. Kuhn: „Ich glaube, dass der Wegzug ins Gewerbegebiet zwar Kosten gespart, aber den Zeitungen insgesamt nicht gut getan hat.“ Chefredakteur Reisinger ergänzt: „Wir haben lange darunter gelitten, und es war ein Wunsch der Redaktion, wieder mitten in der Stadt präsent zu sein.“ Der sich nun erfüllt hat.

Denn die Menschen zieht es in die Stadt. Das bestätigt auch die City-Managerin Bettina Fuchs. „Stuttgart wird immer sexier“, sagt sie. Dennoch brauche auch die Stadt nachdrückliche Worte zur Unterstützung: „Ich wünsche mir eine Imagekampagne für Stuttgart“, sagt sie – damit die Landeshauptstadt den schlechten Ruf der Stau-, Demo und Feinstaubstadt los wird. Schöne Worte also für ein schönes Stuttgart.

Botschafter dieser Stadt sind sie alle, die da waren. Eric Gauthier ist für Stuttgart sogar schon gestorben. Tausend Tode. „Bei ,Romeo und Julia’, im ,Schwanensee’, im ,Nußknacker’ bin ich gestorben“, sagte er, und ergänzte scherzhaft, „ich wollte endlich leben.“ Also gründete er die Gauthier Dance Company im Theaterhaus. Und weil er den Tanz so sehr liebt, organisiert er nächstes Jahr ein Festival. Zwei Wochen wird überall in der Stadt getanzt. Unter dem Titel „Colours“. Weil es alle Farben des Tanzes zeigen soll. Für ein buntes Stuttgart.

In der Brust des Kabarettisten Christoph Sonntag schlägt das Herz sowohl für das gesprochene als auch das geschriebene Wort. Denn auch wenn er als schlagfertiger Worte­schwinger auf der Bühne bekannter ist: Sonntag schreibt als „Fingerübung“ immer wieder Bücher, zuletzt ist sein 13. Werk erschienen: „Sonntags Ausflüge“. Die Anregung dafür bekam er bei seinen Auftritten überall im Lande. Martina Fiess bekannte, ihren Krimi „Tod in der Markthalle“ dort spielen zu lassen, „weil die Recherche so angenehm war“. Manchmal geht die Liebe zum gedruckten Wort auch durch den Magen.

Der Buchstabensucht sind alle unsere Gäste verfallen, ob es nun die Autoren Elisabeth Kabatek, Wolfgang Bok oder Andreas Braun sind oder Astrid von Velsen-Zerweck, Leiterin des Gestüts Marbach. Noch etwas verbindet sie: Alles was sie tun, machen sie mit Leidenschaft. So wie Gian Marco Schiaretti, der „Tarzan“ aus dem gleichnamigen Musical. Als Kind sang er „sehr gern, sehr laut“. Was die Nachbarn nervte. Heute wird er fürs Lianenschwingen und Brüllen bejubelt. „Tarzan“ ist übrigens ein Held aus einem Roman. Doch die Buchstaben drängten hinaus in die Welt – sie begannen ein eigenes Leben. Vorsicht, das kann passieren, wenn man liest.

Am Samstag sind von 11 bis 16 Uhr folgende Prominente zu Gast: VfB-Präsident Bernd Wahler, Zauberer Topas, Moderator Matthias Holtmann, Sprachkünstler Dodokay, Comedian Michael Gaedt, Autorin Sybille Lewitscharoff, Journalist Markus Heffner, Fotograf Harald Löffler, Professor Hans-Peter Burghof, Stiftungsleiter Christoph Dahl, Trikotsammler Ralf Burkhardt.
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