Sozialbürgermeisterin Isabel Fezer vertraut blind auf die Hand von Moussa Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Über 8500 Kinder aus Stuttgart zieht es in den Ferien ins Grüne – auch Flüchtlingskinder und Behinderte. Sozialbürgermeisterin Isabel Fezer hat die Kinder besucht.

Stuttgart - Raus aus der Stadt und rein in die Natur – jedes Jahr gehen 8500 Stuttgarter Kinder in der Ferienzeit in die 29 Waldheime. Außerdem finden Flüchtlingskinder und Kinder mit Behinderung einen Platz in der Gruppe. Gute Gründe für Sozialbürgermeisterin Isabel Fezer (FDP), sich das Erfolgsmodell mit dem evangelischen Stadtdekan Søren Schwesig, der Kinderbeauftragten Maria Haller-Kindler und der Staatssekretärin des Kultusministeriums Marion von Wartenberg anzuschauen. Auch Gemeinderäte und AWO-Mitarbeiter waren im katholischen Ferienwaldheim St. Antonius in Zuffenhausen und dem evangelischen Ferienwaldheim Feuerbacher Tal zu Gast.

Die erste Station in Zuffenhausen beginnt mit Gesang. Allerdings nicht nur die Kinder, sondern auch die Besucher bekommen ein Liedheft in die Hand. Schließlich ist im Waldheim jeder eingebunden. So sind über 230 Kinder aus Flüchtlingsfamilien in den Waldheimen in diesem Sommer wieder dabei. „Mittlerweile kann man Flüchtlingskinder und Kinder mit Migrationshintergrund aus Stuttgart nicht mehr unterscheiden“, sagt Bürgermeisterin Fezer. Dabei unterstützt das Zusammensein die Integration in den Alltag und vor allem das Lernen der neuen Sprache. Staatssekretärin von Wartenberg freut es, dass besonders die Flüchtlingskinder im Waldheim „einfach mal Kind sein dürfen“. So lassen sich traumatische Erlebnisse verarbeiten.

Schon geht es weiter in das Feuerbacher Tal. Auch dort haben die Kinder im Wald etwas vorbereitet und warten auf die wichtigen Besucher. Zuerst geht es über einen kleinen Barfußpfad. An der nächsten Station lassen sich die Gäste blind an einem Seil entlang führen. Auf dem Weg zum Waldheim kann man noch einige Baumgesichter aus Ton bestaunen.

Teilnahme für Kinder mit Behinderung möglich

Stolz ist Isabel Fezer auf die Unterbringung von Kindern mit Behinderung, die in fast allen Waldheimen möglich ist, wenn es die Räumlichkeiten zulassen. Das sei keine Selbstverständlichkeit in Baden-Württemberg. Im Feuerbacher Tal sind laut Heimleiterin Ulrike Brand vier Kinder mit Behinderung für die nächsten zwei Wochen dabei. „Jeder von ihnen bekommt einen eigenen Betreuer des Behindertenzentrums zur Seite“, sagt die Heimleiterin. Rund 60 Kinder mit körperlicher oder geistiger Beeinträchtigung nehmen dieses Jahr am Waldheimbetrieb teil. Die Eltern werden bei der Betreuung entlastet, und die Kinder freuen sich über die Abwechslung.

Damit es den Kindern gut gefällt, müssen sich die Gruppenleiter immer wieder etwas Neues einfallen lassen. Gleichzeitig müssen sie gut ausgebildet sein. Deswegen gibt es seit diesem Jahr ein gemeinsames Schulungswochenende aller Trägerverbände, das fester Bestandteil bleiben soll. Außerdem unterschreiben die teilweise noch unter 18-jährigen Betreuer eine Selbstverpflichtung, dass sie sich gegen Gewalt einsetzen und mithelfen, Missbrauch zu verhindern. „Wir setzen das Bundeskinderschutzgesetz in den Waldheimen mit klaren Regeln um“, sagt Jörg Schulze-Gronemeyer, der für die Kinder-Stadtranderholung zuständig ist.

Das Ehrenamt in den Waldheimküchen ist hingegen weiterhin bedroht. Durch die neuen Verordnungen der EU sei die Verantwortung nur von Hauptamtlichen tragbar, die dementsprechend angestellt und bezahlt werden müssen. Die Mehrkosten, die dadurch entstehen, werden bisher vom jeweiligen Träger übernommen. „Wir haben aber für 2016 einen Antrag für eine höhere städtische Förderung gestellt“, so Jörg Schulze-Gronemeyer.

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