Die „Erlebniswelt Markstein“ hat die Hürde im Gemeinderat von Vaihingen/Enz im Kreis Ludwigsburg genommen. Der Oberbürgermeister hofft auf einen Tourismus-Hotspot.
Die Stadt Vaihingen an der Enz hat in einem Grundsatzbeschluss grünes Licht für die „Erlebniswelt Markstein“ gegeben. Der geplante Mittelalterpark soll auf einem Gelände beim Stadtteil Kleinglattbach entstehen und eine Freizeitattraktion bieten. Der Plan wird seit Mai 2025 diskutiert – nun sind die ersten Weichen für die Umsetzung gestellt.
Für den Bietigheimer Investor Christoph Schlude ist der Park eine Herzensangelegenheit. Das Publikum will er mit interaktiven Erlebnissen begeistern und nachhaltig weiterbilden. Zum Repertoire zählen handwerkliche Vorführungen und mittelalterliche Events. Bewusst verzichtet Schlude auf Fahrgeschäfte im Stile von großen Freizeitparks.
Springender Punkt für eine endgültige Genehmigung dürfte trotzdem die Lärmbelastung sein. „Das Parken und das Türenschlagen – das ist das Thema“, sagte Hartmut Marx, Leiter des Vaihinger Stadtplanungsamtes, im Gemeinderat. Noch wird das Gelände landwirtschaftlich genutzt – bis zur Gartenschau 2029 den Park eröffnen zu können, sieht Marx als „sportlich“ an.
Unter anderem müssten Behörden wie das Landratsamt Ludwigsburg und der Verband Region Stuttgart (VRS) zunächst einer Änderung des Flächennutzungsplans und des Regionalplans zustimmen.
Wie verteilt sich der Mehrverkehr in Kleinglattbach?
Marx hält die Probleme mit einem „ordentlichen Abstand zur Wohnbebauung“ für lösbar. Auch wenn viele der bis zu 500.000 erwarteten Gäste pro Jahr mit dem öffentlichen Personennahverkehr über den Bahnhof und einem Shuttle-Service anreisen sollen, müsse man mit einigem Autoverkehr rechnen.
Laut einem Gutachten würden nur 2,1 Prozent mehr Fahrzeuge als bisher Kleinglattbach durchfahren, doch müsse man sich die Verteilung auf den Morgen und den Abend in einem Detailgutachten genauer anschauen – in diesen Zeitfenstern kämen und gingen die meisten Gäste.
Eine Lanze für das Projekt brach der Oberbürgermeister Uwe Skrzypek-Muth, der die Stadt im Zusammenspiel mit Schloss Kaltenstein, der Altstadt und dem 1250-Jahr-Jubiläum samt Gartenschau „Vaihingen ENZückt 2029“ touristisch erheblich aufgewertet sieht. Wenn die Stadt belegen wolle, dass Vaihingen touristisch etwas zu bieten hat, „brauchen wir ein scharfes Markenbild“.
Ein Familienhotel am Bahnhof mit 75 Zimmern soll entstehen
Skrzypek-Muth hofft, durch den Park einen Anstieg von Übernachtungen und Gastronomiebesuchen zu erreichen. Ein zusätzlich geplantes Familienhotel mit 75 Zimmern am Bahnhof soll sowohl Touristen als auch Geschäftsreisende ansprechen.
Einige Stadträte benannten die mögliche Mehrbelastung für Kleinglattbach kritisch, andere plädierten hingegen dafür, einem Investor mit einem derart großen Volumen nicht im Weg zu stehen. Der Ortsvorsteher Matthias Siewert (CDU) sprach von einem dreistelligen Millionenbetrag – „uns kostet es nichts“. Die Stadt sollte Investor Schlude „mit einem gewissen Vertrauen“ entgegenkommen.