Mitglieder des Staatsorchesters und des Stuttgarter Opernchores demonstrieren mit einer „musikalischen Intervention“ im Foyer des Stuttgarter Rathauses gegen die geplanten Kürzungen im Kulturbereich. Foto: Lichtgut

Die Stuttgarter Kultureinrichtungen müssen sechs Prozent ihrer Förderung abgeben. Das Land hat der Kultur wiederum Hilfe zugesagt.

Insgesamt knapp neun Millionen Euro pro Jahr muss die Kultur in Stuttgart sparen, um das Haushaltsloch zu verringern. Viele Kultureinrichtungen werden deshalb 6 Prozent weniger Fördermittel in den Jahren 2026 und 2027 bekommen. Das beschloss eine Mehrheit des Gemeinderates.

 

CDU-Rat Jürgen Sauer rechtfertigte die Pauschal-Kürzungen unter anderem damit, dass dadurch 18 andere Kulturinitiativen wie etwa die Kulturinsel in Bad Cannstatt, überhaupt weiterhin eine Förderung bekommen. Diese wäre sonst ausgelaufen.

Staatstheater müssen Teil beitragen

Gute Nachrichten erhalten die Staatstheater wiederum von Land. Eigentlich gilt eine Kofinanzierung zu jeweils 50 Prozent von Stadt und Land für die Einrichtung. In einer Mitteilung sagt das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst nun, den Landesanteil für 2026 zahlen zu wollen – trotz der Kürzungen der Stadt. Diese Zusage macht sie auch für das Linden-Museum und das Hotel Silber. Die Landesregierung gehe damit laut Ministerin Petra Olschowski gegenüber ihren Einrichtungen in Vorleistung. Laut Grünen-Stadtrat Marcel Roth seien dieser Entscheidung Gespräche zwischen Land und Gemeinderat vorangegangen. „Wir sind dem Land und Petra Olschowski dankbar für den Einsatz, das entlastet unsere Stuttgarter Kultureinrichtungen massiv“, sagt er.

Die Sparvorgaben waren vorab auf viel Kritik aus der Kulturszene gestoßen und lösten Protestaktionen aus, beispielsweise bei einem Konzert im Rathaus, das von Orchester und einem Chor begleitete wurde. Der Appell lautete, dass Stuttgart als Kulturhauptstadt in Gefahr sei. Zudem hat Marc-Oliver Hendriks, der Geschäftsführende Intendant der Staatsheater Stuttgart, bei einem Interview mit unserer Zeitung darauf hingewiesen, dass von den Sparmaßnahmen 120 Arbeitsplätze in Stuttgart betroffen seien. Dennoch hatte er zugesagt, dass der Spielplan für 2025 und 2026 auch mit den Kürzungen wegen der vertraglichen Bindungen eingehalten werden würde.  

Die Kürzungen in der Kulturförderung betreffen nicht nur die Staatstheater. Auch die Freie Szene hatte bereits mitgeteilt erheblich betroffen zu sein. Sie sehen sich gegenüber den festen Häusern benachteiligt, weil die Kürzungen, die sie betreffen würden, höher seien als beispielsweise für die Staatstheater Stuttgart.

Die Genehmigung läuft noch unter Vorbehalt, da dem Gesamthaushalt am Ende der Verhandlung noch zugestimmt werden muss.