Rainer Breimaier ist innerhalb von knapp drei Wochen 2433 Kilometer mit dem Rennrad gefahren. Foto: Ralf Poller/Avanti

Nicht zum ersten Mal ist Rainer Breimaier beim Stadtradeln ganz vorne mit dabei. Seit 30 Jahren schwärmt er fürs Radfahren – weil er dabei der Natur nah sein kann.

Bis nach Athen hätte es Rainer Breimaier geschafft, wenn er all seine Kilometer vom diesjährigen Stadtradeln am Stück gefahren wäre. 2433 Kilometer hatten er und sein Rennrad nach knapp drei Wochen auf dem Buckel. Dabei wollte der Steinheimer noch mehr schaffen: 2700 Kilometer waren sein Ziel. Wahrscheinlich hätte er das auch erreicht, wäre er nicht drei Tage vor dem Ende des Stadtradelns verunglückt – ausgerechnet auf dem Rad. Seit drei Wochen kann Rainer Breimaier nun nicht mehr Fahrrad fahren. Es fehlt ihm. Als er für ein Foto in seine Radklamotten steigt und das leicht demolierte Gefährt hervorholt, sagt er: „da kommen jetzt aber Sehnsuchtsgefühle auf“ – und steigt schweren Herzens auf den Sattel.

 

Die Liebe zum Fahrrad schließt ein Auto nicht aus

Um es gleich vorwegzunehmen: Rainer Breimaier sieht sich nicht als Hochleistungssportler. Und nur weil er das Fahrradfahren liebt, ist er nicht gegen Autos. Er hat selbst eins in der Garage stehen, und nicht einmal ein kleines. „Bei einer fünfköpfigen Familie hat sich ein großes Auto angeboten, außerdem passt da mein Fahrrad rein, sodass ich es mit in den Urlaub nehmen kann“, sagt Breimaier. Im Urlaub wie auch zu Hause radelt der 62-Jährige am liebsten durch die Natur. Das sei ein Erlebnis, das Autofahrer niemals erreichen. „Gerade jetzt bei dem sommerlichen Wetter ist es total schön, wenn das Wasser glitzert“, sagt Breimaier. Eine seiner Lieblingsstrecken führt entlang des Max-Eyth-Sees in Stuttgart. Auch in den Ludwigsburger Zugwiesen ist er oft unterwegs. Dort begegnet er Kühen, Enten und Gänsen. „Die Gänse bitte ich dann, aus dem Weg zu gehen“, sagt Breimaier und lacht, „so nah kommt man der Natur nur auf dem Fahrrad.“

An seiner Schule ist er als Radfahrer bekannt

Vor 30 Jahren hat der Steinheimer entschieden, dass er künftig mit dem Fahrrad zur Arbeit fährt. Dafür muss er jeden Morgen 20 Minuten früher aufstehen und 15,5 Kilometer abstrampeln – bis nach Bittenfeld. Dort ist er Grundschullehrer. Für seine Kollegen und die Kinder ist er „der, der mit dem Rad kommt“. Aber er ist nicht mehr der einzige: Manche Kollegen und sogar den Rektor konnte Breimaier überzeugen, auch mit dem Rad zur Schule zu fahren. „Die denken sich: Wenn es der alte Mann schafft, schaffen wir das auch“, sagt er und lacht.

Dabei ist Rainer Breimaier alles andere als ein typischer alter Mann. Wenn man so möchte, deuten sein graues, ausgedünntes Haar und die dicken, weißen Augenbrauen auf seine 62 Jahre hin. Sie lassen ihn praktisch wie einen Grünen-Kommunalpolitiker aus dem Bilderbuch aussehen. Breimaier sitzt auch tatsächlich für die Grünen im Kreisrat und im Steinheimer Gemeinderat. Wie jung er aber im Herzen ist, zeigt der Hobby-Sportler in seiner Freizeit: Da spielt er Gitarre, schreibt eigene Lieder und tritt in einer Kirchenband und in seiner Schule auf. Abgesehen davon können ihm auch viele junge Leute nichts vormachen, wenn es um den Sport geht. Aufs Fahrrad steigt Breimaier bei jeder Temperatur, es ist ihm nie zu heiß oder zu kalt. Nur gefrorene Straßen meidet er. Wenn er nicht auf dem Rad sitzt, läuft er. Beim Bottwartal-Marathon steht er fast immer in seiner Altersklasse auf dem Treppchen. Bald macht er mit seiner Frau Urlaub in Irland, auch dort hat er sich für einen Marathon angemeldet. Der wird nun aber verletzungsbedingt ausfallen müssen. Breimaier hofft, dass er nach den Sommerferien wieder fit ist – fit genug für den Bottwartal-Marathon und um wieder mit dem Rad zur Schule fahren zu können.