Bäume und Belagsstreifen sind im Plan gut erkennbar. Bäume an und Belagsstreifen über die Talstraße sind im Plan gut erkennbar. Foto: Stadt

Der Bereich beim Gaskessel soll ansehnlicher werden. Aber die Anwohner wehren sich gegen die Pläne. Sie wollen weder Bänke noch Vorgärten.

Stuttgart-Ost - Viele große und vielbefahrene Straßen führen ins Zentrum der Landeshauptstadt. Die Heilbronner Straße bietet stadteinwärts nach dem Pragsattel Aussicht auf die City, die Pischekstraße auch, die Weinsteige ist für Neuankömmlinge fast schon spektakulär. Das kann man von der Zufahrt über die Talstraße im Stuttgarter Osten nicht behaupten. Wer an der Gaisburger Brücke von der B10/B14 abfährt, passiert zwar ein für Stuttgarter Verhältnisse fast schon historisch zu nennendes „Tor“, das der Gaskessel und die Gaisburger Kirche bilden. Aber links und rechts an den Straßenrand sollte der Autofahrer nicht schauen. An der vielbefahrenen Kreuzung Talstraße/Rotenbergstraße/Wangener Straße heißen wenig vertrauenerweckend aussehende Gebäude mit Eckkneipen die Pendler und Besucher willkommen, ein bisschen Rotlicht-Milieu ist auch da. Etwas weiter bergauf wird die Talstraße von Firmen aus der Region als Lastwagen- und Omnibusparkplatz missbraucht, Anwohnern zufolge werden dort regelmäßig Lebensmittel umgeladen. Die Hinterlassenschaften der Spediteure ohne Ladeplatz locken die Ratten an.

Dieses östliche Eingangstor von Stuttgart soll jetzt, nach jahrelangen Überlegungen, schöner werden. Das Grundstück an der Ecke Tal-/Rotenbergstraße ist dem Vernehmen nach schon im Besitz der Stadt, die hüttenähnliche Gebäudeansammlung soll einer Blockrandbebauung mit Wohnungen, vielleicht auch Gastronomie oder Geschäften inklusive Tiefgarage weichen. Der Bereich weiter oben, wo links Alfdorfer- und Hornbergstraße, rechts die Haußmannstraße auf die Talstraße treffen, soll nach den Vorstellungen der Planer einen platzähnlichen Charakter bekommen, mit nur noch einer Fahrspur stadteinwärts, mit Bäumen, Vorgärten, Lichtbändern, die nachts für Atmosphäre sorgen. Diese bereits einmal überarbeiteten Pläne haben Stadtplaner und Bezirksvorsteher Martin Körner jetzt beim Runden Tisch Gaisburg vorgestellt. Sie sind nicht bei allen Anwohnern auf Gegenliebe gestoßen.

Die Massen von Fußballfans sind noch harmlos

Diese Anwohner, deren Familien zum Teil seit Jahrzehnten dort leben, haben einigen Grund für ihre Skepsis. Die Geschichten, die sie vom Leben am Ende der Talstraße erzählen, will man sich nicht im Detail vorstellen. Dass hier bei Heimspielen des VfB die Fußballfans in Massen sowohl zu Fuß als auch im Auto vorbeiströmen, ist der harmlose Teil. Manche stellen ihre Autos bei Dauerstau auf der Talstraße einfach auf die Privatparkplätze vor den Häusern und lassen sie über Stunden dort stehen. Die Polizei greift nach Angaben der Anwohner in den seltensten Fällen ein.

Die abendlichen oder nächtlichen Heimkehrer von Fußballspielen, Konzerten, Frühlings- oder Volksfest haben auf ihrem Rückweg vom Wasen in Richtung Innenstadt an dieser Stelle der Talstraße schon einiges an Weg hinter sich. So mancher hat bei solchen Anlässen einen über den Durst getrunken – und verspürt nach dem Fußmarsch einen gewissen Druck. Die Hinterlassenschaften egal welcher Konsistenz stinken am nächsten Morgen zum Himmel. Das haben die Anwohner beim Runden Tisch recht drastisch geschildert.

Mit diesen Erfahrungen über Jahre hinweg hat der eine oder andere Hauseigentümer dort kein Interesse an Vorgärten zur Talstraße hin, auch nicht an einer Art Möblierung mit roten Betonelementen, die als Sitzgelegenheiten dienen können. So war es in der ersten Planung vorgesehen.

Vorgärten sind schon aus den Plänen gestrichen

Jetzt haben die Stadtplaner einige Forderungen aufgenommen. Die Vorgärten wurden weitgehend gestrichen, damit die Anwohner ihre Autos direkt vor dem Haus abstellen können, vor Fremdparkern geschützt durch eine mit Pollern abgegrenzte Zufahrt von der Haußmannstraße her. Die Betonelemente wurden ersatzlos entfernt. Gestalterische Elemente sind nach wie vor neue Bäume an der Stelle, ein neuer, auf beiden Seiten der Talstraße einheitlicher Belag, verbunden durch helle Belagsstreifen quer über die Fahrbahn. Nachts sollen Lichtbänder den dann platzähnlichen Bereich verschönern. Auch die überarbeiteten Pläne sehen vor, dass die Bushaltestelle, die bisher vor dem Gaskessel ist, stadteinwärts über die Kreuzung vor den geplanten Neubau verlegt wird. Auch das schmeckt den Anwohnern nicht. Sie befürchten Vibrationen durch die Busse – und Schmutz durch die Fahrgäste.

Bezirksvorsteher Martin Körner begrüßte die überarbeiteten Pläne. „Es ist gut, dass es im unteren Gaisburg in der Talstraße endlich voran geht.“ Die Pläne werden in absehbarer Zeit im Bezirksbeirat und im Gemeinderat zur Abstimmung vorgelegt. Finanziert werden die Umgestaltungen – dazu gehört auch die Erweiterung der Klingenbachanlage auf der anderen Straßenseite, über die wir bereits berichtet haben – aus Mitteln der Stadterneuerungsprogramme. Das Gebiet ist Teil des Sanierungsgebiets Stuttgart 24, das mit der Maßnahme weitgehend abgeschlossen wäre.

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