Über die Verkehrssituation auf dem Platz ist heftig diskutiert worden. Foto: Georg Linsenmann

Im „westQuartier“ ist über die Gestaltung des Bismarckplatzes diskutiert worden. Die Verwaltung will zügig ans Werk gehen.

S-West - Um „Beteiligungskultur bis zum Spatenstich“ gehe es bei dieser vom Forum Lebendiger Westen aufgelegten Reihe zur Neugestaltung des Bismarckplatzes, betonte Martin Holch vom Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung. Dabei machte er aber auch deutlich, dass über den Siegerentwurf „ein demokratisch legitimiertes Preisgericht“ entschieden habe, weshalb entscheidende Punkt „nicht zur Debatte stehen“: die künftige Orientierung des Platzes hin zur Elisabethenkirche, die Aufhebung der Trennwirkung durch Straßen sowie der Verzicht auf „tiefere Eingriffe in die Randbereiche“.

Die Verwaltung will nun zügig ans Werk gehen

Ansonsten drückte Holch auch ein wenig aufs Gaspedal. Denn nun gehe es in die Entwurfsplanung, die man den Fraktionen des Gemeinderates bis zur parlamentarischen Sommerpause vorlegen wolle. Hintergrund sind die danach anstehenden Beratungen zum nächsten Doppelhaushalt, wo es bereits ums Geld für den auf Frühjahr 2021 ins Auge gefassten Spatenstich geht. Zum letzten Mal sollte deshalb nun der Siegerentwurf des Stuttgarter Planungsbüros Internationales Stadtbauatelier (Isa) öffentlich präsentiert werden, was Philipp Dechow übernahm.

Auch er betonte, dass das Areal aktuell „eine Verkehrsinsel mit Restflächen“ sei und dass das Areal so „keinen Platzcharakter aufkommen“ lasse. Kerngedanke des Entwurfes sei, zwischen den „Raumkanten im Osten und Westen“, also zwischen der Gebäudezeile mit Grün auf der einen und der Elisabethenkirche auf der anderen Seite, ein leicht gedrehtes Platz-Quadrat freizuschälen: „Mit einer Treppenanlage vor der Kirche, die als sozialer Mittelpunkt dient“, wie der Planer sagte.

In Kürze startet auch der Verkehrsversuch für die Schwabstraße

Wie dabei der Verkehr der querenden Schwabstraße bewerkstelligt werden könnte, das wird demnächst in einem Verkehrsversuch simuliert und sollte deshalb an diesem Abend außen vor bleiben. Gleichwohl wurde die Verkehrsfrage nun der heißeste Punkt. Speziell der Plan, die aktuell diagonal ins Verkehrskreuz laufende Bismarck- in die Vogelsangstraße abzuleiten. Der Anwohner und Architekt Wilfried Seidel erinnerte daran, dass die jetzige Situation „Ausdruck einer Maßnahme zur Verkehrsberuhigung der Vogelsangstraße war, wo sich dann auch mit dem Eiscafé an der Ecke ein beliebter Platz“ entwickelt habe: „Ich kann absolut nicht verstehen, dass man das jetzt wieder rückgängig machen will“, sagte Seidel, wobei ihn Rainer Benz unterstützte, einer der ersten Aktivisten des Forums.

Dagegen betonte der Architekt Jochen Hammer: „Die Verschwenkung der Bismarckstraße ist ein Hauptmerkmal des Entwurfs.“ Und dieser Entwurf sei auch „der Beste“ gewesen: „Ich habe selten einen so schlüssigen Plan gesehen, denn er holt aus der Fläche heraus, was vom städtebaulichen Ursprung her in ihr drinsteckt.“ Mit Vehemenz verteidigte dann der Architekt Carl Grieser den Isa-Entwurf: „Cafés kommen und gehen. Man kann eine solche Planung nicht an einem Café aufhängen. Lassen Sie sich den großen Wurf nicht zerreden!“, appellierte er an Dechow.

Ein Brunnen am Bismarckplatz wird es nicht geben

Dieser wiederum versuchte zu verdeutlichen, dass vor dem Café „nicht weniger, sondern noch mehr Fläche“ entstehen werde: „Wir führen den Radfahrverkehr auf die Straße, sodass der aktuelle zwei Meter breite Radweg frei wird.“ Das diese Planung „bei den Anwohnern und drüber hinaus ein Thema ist“, stellte der Bezirksvorsteher Reinhard Möhrle klar. Er regte an, die künftige Situation „farblich zu markieren“ und dies dann „mit der Nachbarschaft an Ort und Stelle zu besprechen“. Eine Anregung, die aufgenommen wurde. Die Stadtteilmanagerin Ute Kinn will die Sache umgehend terminieren und die Anlieger in dem Bereich entsprechend schnell informieren lassen.

Weitere Themen waren etwa „Wasser am Platz“, was laut Holch in Zusammenhang mit der Elisabethenanlage bedacht werden sollte, also auch „im Übergangsbereich dorthin denkbar sei“. Einen „Brunnen als Zugabe und Sahnehäubchen für den Bismarckplatz“ schloss er aus. Was viele offenbar ebenfalls umtreibt, ist das Schicksal des Baumbestandes. Hierzu erklärte Dechow: „Wir sind da nicht dogmatisch. Ein schöner alter Baum an der falschen Stelle ist mir wichtiger als ein junger neuer an der planerisch als richtig erachteten.“

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