Sechs Mal pro Jahr sollen die Bambuspflanzen abgemäht werden. Foto: Bernd Zeyer

Durch das unerlaubte Entsorgen von Gartenabfällen in der Natur siedeln sich artfremde Pflanzen an, die die heimischen Gewächse verdrängen. Im Zuffenhäuser Stadtwald gibt es Probleme mit wildem Bambuswuchs.

Zuffenhausen - Dass im Wald abgeladener Verpackungs- und Hausmüll nicht gut für die Natur ist, dürfte den meisten Zeitgenossen wohl klar sein. Dass aber auch Gartenabfälle negative Auswirkungen auf das natürliche Gleichgewicht haben, scheint sich noch nicht herumgesprochen zu haben. Mit gezielten Maßnahmen möchte das Garten-, Friedhofs- und Forstamt nun zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Zum einen sollen störende Neophyten (Pflanzen, die sich in Gebieten ansiedeln, in die sie eigentlich nicht gehören) bekämpft werden, zum anderen sollen die Bürger dazu angehalten werden, ihre Gartenabfälle korrekt zu entsorgen.

Wer im nördlichen Bereich des Zuffenhäuser Stadtparks unterwegs ist und den Blick aufmerksam schweifen lässt, dem fallen vielleicht zwei größere Flächen auf, in denen Bambuspflanzen wachsen. Die haben dort eigentlich nichts zu suchen, und zwar nicht nur aus optischen Gründen: Tritt Bambus großflächig auf, dann verdrängt er heimische Pflanzenarten. In diesem Fall den Zweiblättrigen Blaustern (Scilla bifolia). Dieses Liliengewächs kommt vor allem in bodenfeuchten Laubmischwäldern vor, blüht ab März und ist eine wertvolle Nahrungspflanze für früh im Jahr fliegende Bienenarten. Im Zuffenhäuser Stadtpark kommt der Blaustern sehr oft vor – jedenfalls noch. Mittlerweile wächst der Bambus nämlich auf fast 200 Quadratmetern und hat dort die Scilla verdrängt.

Bambus verdrängt den Zweiblättrigen Blaustern

„Bambus gehört hier nicht her“, sagt Hagen Dilling, der stellvertretende Leiter des Garten-, Friedhofs- und Forstamtes. Da das Zuffenhäuser Bambusvorkommen flächenmäßig das größte in ganz Stuttgart ist, wird hier mit der Aktion, die Pilotcharakter hat, begonnen. Insgesamt sechs Mal im Jahr werden die Bambuspflanzen gemäht, abtransportiert und im Kompostierhof entsorgt. Im Laufe der Zeit sollen sich dann immer weniger und dünnere Halme bilden. Bis die Bestände zurückgehen, werden allerdings einige Jahre ins Land ziehen. „Man braucht einen langen Atem“, sagt Dilling. Schnellere Erfolge wären beim Einsatz chemischer Substanzen zu erzielen, doch beim Gartenamt hat man sich wegen möglicher Nebenwirkungen bewusst dagegen entschieden. Ebenso wie gegen das großflächige Ausbaggern der Bambuswurzeln, denn dies wäre ein zu heftiger Eingriff in den Waldboden. Und einfach herausreißen lassen sich die Pflanzen auch nicht. Dann brechen sie ab, und die tief verzweigten Wurzeln bleiben in der Erde.

Dass im Zuffenhäuser Stadtpark überhaupt Bambus wächst, daran sind laut Dilling mit großer Wahrscheinlichkeit unsachgemäß entsorgte Gartenabfälle schuld. Das passiere in den meisten Fällen nicht aus bösem Willen, sondern aus Unwissenheit. „Viele Bürger haben kein Problembewusstsein bei Grüngut. Sie meinen, die Abfälle verrotten sowieso und sie tun dem Wald damit sogar noch etwas Gutes“, vermutet Dilling und sagt: „Ein sorgsamerer Umgang mit dem Wald wäre wünschenswert.“

Wer seine Gartenabfälle korrekt entsorgen möchte, hat einige Möglichkeiten: Grüngut wird kostenlos in Kleinmengen bis maximal zwei Kubikmeter pro Tag in den Wertstoffhöfen, auf dem Häckselplatz Epplestraße 178 in Möhringen und beim Kompostplatz Zuffenhausen (Ludwigsburger Straße 270, Montag bis Donnerstag 7.15 bis 15.45 Uhr, Freitag 7.15 bis 15.45 Uhr, jeder erste und dritte Samstag im Monat 7.30 bis 13 Uhr) angenommen. Zudem können Haushalte und Betriebe ihr Grüngut zweimal jährlich kostenlos abholen lassen.

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