Eine Multimediaschau im Stadtpalais Stuttgart beleuchtet die Ereignisse rund um den Schwarzen Donnerstag. Am 30. September 2010 hatte die Polizei den Schlossgarten im Zuge der Stuttgart-21-Proteste gewaltsam geräumt und dabei Wasserwerfer eingesetzt.
Stuttgart - Der Schwarze Donnerstag, die gewaltsame Räumung des Schlossgartens im Zuge der Stuttgart-21-Proteste durch die Polizei, jährt sich am 30. September zum zehnten Mal. Das Stadtpalais nimmt das Ereignis, „den wohl einschneidensten Tag in der jüngeren Stadtgeschichte“, zum Anlass, mit einer multimedialen Ausstellung einen „Erinnerungspunkt“ zu setzen.
„Es gibt Dinge, die so wichtig sind, dass man sie auch kurzfristig in Corona-Zeiten auf die Beine stellen muss“, betonte Museumsdirektor Torben Giese im Rahmen einer digitalen Vernissage am Dienstagabend. Die Ausstellung unter dem Titel „Schwarzer Donnerstag“ im Erdgeschoss des Museums will „mit Bildern und Filmsequenzen die Vielstimmigkeit der Protagonisten ins Zentrum rücken“. Wie die Kuratorin der Schau und Leiterin der Sammlung, Edith Neumann, erklärt, beleuchten die Filmausschnitte, die zeitlich nacheinander auf drei verschiedene Wände des Schausaals projiziert werden, die Ereignisse seit 1995 bis vor den Schwarzen Donnerstag, die gewaltsame Räumung des Schlossgartens selbst sowie die Phase danach. „Da geht es dann in die Rechtfertigung der Ereignisse“, so Neumann.
Der Blick zehn Jahre zurück sei zugleich der Blick nach vorne
Jeweils zugeordnet sind den drei Stationen zeitdokumentarische Exponate, die bereits während der verschiedenen Protestphasen für das Museum gesammelt wurden: Protestschilder der Demonstranten, Mauersteine aus dem abgerissenen Nordflügel des Bahnhofgebäudes sowie eine originale Baumscheibe eines der gefällten Parkbäume. „Die Ausstellung ist nicht nur ein reflektierter Blick auf die Ereignisse, sondern fragt auch nach den Folgen für die Stadtgesellschaft“, so die Kuratorin. Der Blick zehn Jahre zurück sei zugleich der Blick nach vorne. Während der digitalen Vernissage, die auf der Facebook-Seite des Stadtpalais abrufbar ist, sprach Edith Neumann mit dem Fotografen Andreas Langen, der im Auftrag des Stadtmuseums die Stuttgart-21-Demonstrationen über Jahre hinweg begleitet hat. Da der Planungsstab für den Aufbau des 2018 eröffneten Museums im Wilhelmspalais schon seit 2007 tätig war, hatte Langen auch am 30. September 2010 den ganzen Tag – „von morgens um neun bis nachts um halb vier“ – die Proteste für das Museumsprojekt begleitet und wurde so zu einem wichtigen Zeitzeugen.
Die Stimmung unter den Demonstranten kippt
In seinen Schilderungen der gewaltsamen Räumung des Parks beschrieb Langen, wie die Stimmung unter den Demonstranten kippte, als Wasserwerfer der Polizei gegen die Menschen eingesetzt wurden: „Da war pures Entsetzen“, erinnert sich der Fotograf. Er betonte auch, dass die Demonstranten im Schlossgarten zu keinem Zeitpunkt gewalttätig gewesen seien. „Es war klar, dass das viele Bürger nicht verzeihen würden und es der CDU die Macht kostet“, sagte Langen.
Die multimediale Ausstellung „Schwarzer Donnerstag“ ist bis zum 15. Oktober 2020 im Stadtpalais zu sehen. Auf Grund des Infektionsschutzes dürfen sich im Ausstellungssaal „Marie“ nur maximal acht Personen gleichzeitig aufhalten. Am 30. September, dem Jahrestag, beginnt um 19 Uhr eine Podiumsdiskussion zu den Ereignissen vor zehn Jahren. Die Veranstaltung wird live ins Internet übertragen.