Noch ohne Stühle, aber man kann ja auf der Wiese sitzen: Der Außenbereich des Wilhelmspalais. Foto: Stefan Mellmann

Die Gastronomen unter dem Stadtpalais wollen das Museum mit einem Sommerfestival noch attraktiver machen. Damit es noch in diesem Jahr Premiere feiern kann, müssen aber noch einige behördliche Hürden genommen werden.

Stuttgart - Das Wilhelmspalais soll nicht nur für Museumsliebhaber eine Anlaufstelle werden. So wollen es die Gastronomen, die auch die Wagenhallen in Stuttgart-Nord bespielen und Stadtgeschichte am liebsten selber schreiben würden. „Wir planen ein mehrtägiges Musikfestival im und um das Palais“, sagt Stefan Mellmann vom Drinnen & Draußen, wie die Museumsgastro heißt.

Damit das noch diese Sommersaison funktionieren kann, müssen die Festival-Planer aber noch einige Hürden bei der Verwaltung nehmen. Denn: Momentan besitzt Mellmann nicht mal eine Konzession, um den Außenbereich zu nutzen. Zumindest vor dem Palais. Die neuen Liegestühle sind trotzdem schon bestellt.

Dabei werden Erinnerungen an die Zeit wach, bevor das Palais saniert und als Museum mit dem Namen Stadtpalais genutzt wurde: Vor vier Jahren standen nämlich bereits rote Liegestühle vor dem historischen Bau, die Fläche galt als einer der beliebtesten Flanier-Plätze in der ganzen City. Auch damals zeigten sich die Wagenhallen – interimsmäßig – für das Gastro- und teilweise auch für das Kulturangebot verantwortlich. „Das wurde eben geduldet, weil es ja eh nur eine Zwischennutzungslösung war“, sagt Mellmann.

Liegewiese und Apfelbäume

So einfach wie einst ist es heute also nicht mehr. Der Antrag, den Bereich vor dem Gebäude nutzen zu können, liegt längst beim Baurechtsamt. „Wir hoffen, dass wir die Genehmigung bald bekommen“, sagt Stefan Mellmann. Zwar sind kleinere Veranstaltungen bereits möglich – wie jüngst die Neuauflage von „Live auf der Treppe“, wo es wieder regelmäßig Live-Musik vor dem Palais geben soll. Ohne die allgemeine Nutzungserlaubnis der Stadt muss Mellmann dafür aber jedes Mal eine Gebühr bezahlen.

So hängt auch das Sommerfestival mitunter davon ab, wie die Verwaltung die Sache sieht. Für Mellmann ist das Areal um das Gebäude für ein Festival ideal – im Zuge der 40 Millionen Euro teuren Sanierung des Wilhelmsbaus wurde der Parkplatz begrünt, Apfelbäume gepflanzt. Theoretisch könnte er als Liegewiese genutzt werden. Stefan Mellmann sieht vor dem geistigen Auge, wie hier lokale Bands mit bekannteren Acts spielen, von Folk bis Pop.

Die Stadt gibt sich zuversichtlich, was die Erlaubnis für eine Außenbestuhlung betrifft: „Die Konzession für die Vorderseite folgt, sobald die letzten baurechtlichen Verfahren abgeschlossen sind“, sagt Jana Steinbeck, eine Sprecherin der Stadt. Während des Umbaus sei das Konzept des Baus noch einmal weiterentwickelt worden. Dementsprechend müsse nun auch das Baurecht angepasst werden. „Eine Erweiterung der Gastronomie ist vorgesehen“, sagt Steinbeck. Es geht um mehr Fläche, mehr zugelassene Personen bei Veranstaltungen und längere Öffnungszeiten.

Die Kulturmeile mit Leben füllen

Insofern bekommt Mellmann von der Verwaltung wenig Gegenwind. Und auch politisch gehen die Diskussionen um die Kulturmeile vom Schauspielhaus bis zur Oper ja dahin, den Ort mit Leben zu füllen. „Wir müssen noch mit dem Gemeinderat über unsere Idee reden“, räumt Stefan Mellmann ein, gibt sich aber zuversichtlich, dass auch der begeistert sein dürfte. Wenn den Plänen der Kulturmeile auch nur eine der vier Fahrspuren der Konrad-Adenauer-Straße zum Opfer fallen würde, wäre vor dem Palais sogar noch mehr Platz für künftige Veranstaltungen, bemerkt der Gastronom.

Etwas weniger enthusiastisch ist Mellmann, was seine Vorstellungen vom Lichtkonzept im Foyer angeht, das einerseits für Vorträge und Veranstaltung, andererseits als Mellmanns Tagescafé genutzt wird. Da passt die helle Birkenoptik, zu Abendveranstaltungen wie Partys aber nicht. „Ich würde gerne mit Beamern arbeiten, um unterschiedliche Stimmungen herstellen zu können“, sagt Mellmann. Er ist sich aber auch bewusst: Bei so einem Eingriff hätten noch einige Menschen etwas mitzureden – nicht zuletzt das Stuttgarter Architektenbüro Lederer Ragnarsdóttir Oei.

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