Die Wendlinger Drittelscheuer ist als letzter Teil des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudeensembles des Wendlinger Stadtmuseum saniert worden.
Es war eine schwere Geburt – nach langer Planungs- und Bauphase sowie einigen teils pandemiebedingten Verzögerungen wurde nun die frisch sanierte Drittelscheuer als neuer Ausstellungsraum und Eingang des Wendlinger Stadtmuseums eingeweiht. Zeitgleich öffnete im ehemaligen Kuhstall der Drittelscheuer die neue Dauerausstellung zur Vor- und Frühgeschichte der Stadt ihre Tore. „Damit ist auch der letzte Teil des historischen Gebäudeensembles ins Museum integriert“, sagte Wendlingens Bürgermeister Steffen Weigel. Die Drittelscheuer wurde 1456/57 errichtet, mehrfach umgebaut und ist der älteste Teil des unter Denkmalschutz stehenden Ensembles. Dieses besteht aus dem barocken Pfarrhaus (1753), einem historischen Pfarrgarten mit Wasch- und Backhaus (1811) und der Pfarrscheuer (1751), in der eine alte Schmiede sowie landwirtschaftliche Exponate gezeigt werden.
Umbau des ehemaligen Kuhstalls
Vor fünf Jahren fasste der Wendlinger Gemeinderat den Baubeschluss, die ursprüngliche Idee gärte aber schon viel länger: Bereits bevor das Stadtmuseum 2004 eröffnet wurde, gab es erste Überlegungen, die Drittelscheuer einzubeziehen und dort die Vor- und Frühgeschichte Wendlingens zu verorten. Aufgrund der hohen Kosten wurde die Idee jedoch zurückgestellt. „Das ist an der Finanzierung gescheitert“, räumte Joachim Vöhringer, Leiter des Amt für Familie, Bildung und Soziales, ein. Der Baustart unter der Regie des Wendlinger Architekten Frank Brauneisen erfolgte schließlich im November 2017 – und hatte es in sich. „Die Hölzer und die Fundamente waren teilweise ziemlich marode“, sagte Brauneisen. So mussten unter anderem ganze Steinwände abgetragen, die Quader nummeriert und eingelagert, die Fundamente gerichtet und die Steinwände originalgetreu wieder aufgebaut werden. Auch die Holzkonstruktion war schwer angegriffen. „Da war alles verschoben und verdreht. Es war eine technische Meisterleistung des Zimmermanns, die Hölzer über verschiedene Winden wieder einigermaßen gerade zu bekommen“, so der Architekt. Und immer wieder kamen unvorhergesehene Dinge ans Tageslicht: „So haben wir beim Ertüchtigen der Firstpfette entdeckt, dass das oberste Holz komplett hohl ist und mussten schnell eingreifen, sonst wäre alles zusammengebrochen.“ Letztlich bekamen Brauneisen und sein Team aber alles in den Griff, abgeschlossen wurden die Bauarbeiten bereits im Juni 2020. Dass bis zur Eröffnung nun noch mal fast zwei Jahre ins Land gegangen sind, war hauptsächlich der Pandemie geschuldet. Daneben gab es Lieferschwierigkeiten etwa beim Glas für die Vitrinen. „Ich bin froh, dass wir fertig sind. Jetzt würde sich das alles noch schwieriger gestalten“, meinte Vöhringer.
Filmecke und Sonderausstellungen
Die ehemalige Drittelscheuer firmiert nun als großzügiges Foyer inklusive Kassenbereich und Verkaufsraum. Obendrein gibt es eine Filmecke, wo zur Einstimmung auf den Museumsbesuch eine von dem Landeshistoriker Raimund Waibel konzipierte audiovisuelle Präsentation mit dem Titel „7500 Jahre zwischen Neckar und Lauter“ gezeigt wird. Im ehemaligen Kuhstall, gleich rechts vom Eingang, ist die neue Dauerausstellung zur Vor- und Frühgeschichte der Stadt Wendlingen zu sehen, für die ebenfalls Waibel verantwortlich zeichnet. Zusätzlich besteht auf dem ehemaligen Heuboden die Möglichkeit, Sonderausstellungen zu zeigen oder Vorträge zu veranstalten. Den Auftakt macht die Sonderausstellung „Tracht des Jahres“, die noch bis zum 8. Mai zu sehen ist.
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Die Sanierung kostete 660 000 Euro. Eine Investition, die sich gelohnt hat, findet Bürgermeister Steffen Weigel.
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