Stadtmuseum Fellbach Sinnliche Erfahrungen in verdunkelten Räumen

Von Dirk Herrmann 

Bestandteil von „Mörike elemantar“: William Turners „Sunrise, with a Boot between Headlands“ circa 1840. Foto: Turner Bequest 1865, © Tate, London 2017, Farbe verändert.
Bestandteil von „Mörike elemantar“: William Turners „Sunrise, with a Boot between Headlands“ circa 1840. Foto: Turner Bequest 1865, © Tate, London 2017, Farbe verändert.

Als Einstimmung auf die Preisverleihung und Literaturtage gibt’s am Donnerstag die Vernissage „Mörike elementar“. Eine Besonderheit ist die Verknüpfung von Versen des Dichters mit Musik und Impressionen des Malers William Turner.

Fellbach - Ausstellungseröffnung – das bedeutet häufig Begutachtung von Ölgemälden oder Zeichnungen an der Wand oder Skulpturen auf Podesten inmitten angesagter Räume. Jene Vernissage, die am Donnerstagabend das Fellbacher Kulturleben bereichern soll, wird von diesem Prozedere deutlich abweichen. Das Ziel, so formuliert es die Fellbacher Kulturamtsleiterin Christa Linsenmaier-Wolf: „Wir wollen einen innovativen Ansatz verwirklichen, um dadurch auch neue Besuchergruppen zu erschließen“.

Die Ausstellung ist der nächste Step im Aufgalopp für den großen Sprung, die Verleihung des diesjährigen Mörike-Preises an die Lyrikerin Elke Erb. Die Zeremonie für diesen mittlerweile zehnten Mörike-Preis findet bekanntlich am Mittwoch nächster Woche (25. April) im Rathaus statt.

Das Zentrum bildet eine Installation mit Einspielungen und Projektionen

Eine knappe Woche zuvor, am 19. April, gibt es bereits „Mörike elementar“, wie die Präsentation im Stadtmuseum Fellbach überschrieben ist. Die Hoffnung der Ausstellungsmacherinnen ist, „mit medialen Mitteln alle Sinne des Besuchers anzusprechen“, so Linsenmaier-Wolf. Das Zentrum bildet eine Installation mit Einspielungen und Projektionen. Im verdunkelten und verfremdeten Raum erklingen Gedichte, gelesen von Doris Wolters und Sebastian Mirow. Sie werden von Musik und Geräuschen umspielt.

Dazu erscheinen Impressionen aus Gemälden des Mörike-Zeitgenossen und bedeutenden englischen Malers William Turner, dessen bevorzugte Themen Landschaften und Seestücke waren. Per Beamer auf die Wand projiziert wird beispielsweise Turners farbenkräftiges, grün-gelbes Werk „Sunrise with a Boat between Headlands“ aus dem Jahr 1840. „Eingeschlossen in eine Zauberwelt“, erläutert Christa Linsenmaier-Wolf, „taucht der Besucher somit ein in die Magie von Mörikes Versen und nimmt eine Auszeit vom Alltag.“

Der Nebenraum im Stadtmuseum bildet ein Echo zum Hauptraum. Hier werden Texte – Gedichte und Prosa – aller zehn bisherigen Mörikepreisträger/innen präsentiert, die sich auf Naturphänomene beziehen. So kann der Besucher ermessen, wie sich nicht nur die poetische Sprache, sondern auch unser Naturverständnis im Laufe von 200 Jahren grundlegend verändert hat. In der Gegenüberstellung von Tradition und Moderne greift die Sonderausstellung ein Grundprinzip der Dauerausstellung und des Mörike-Kabinetts auf.

Die Sonderausstellung „Mörike elementar“ wird am Donnerstag, 19. April, um 19 Uhr eröffnet

In Mörikes Lyrik spielen die vier Elemente eine bedeutende Rolle. Nicht nur in den Balladen „Der Feuerreiter“ oder „Die Geister vom Mummelsee“ sind die Elemente aktiv, auch in anderen Naturgedichten wirken sie – oft fast untrennbar ineinander verwoben. „Mörikes Verse liegen in einem besonderen Licht, sie spielen eine eigene Melodie und jedes Gedicht atmet auf seine Weise“, sagt die Kuratorin. Diese komplexen sinnlichen Qualitäten erlebbar zu machen, die Mörike wie kein zweiter Dichter mit hohem Kunstverstand entfaltet, ist ein Anliegen der Ausstellung.

Die Sonderausstellung „Mörike elementar“ wird am Donnerstag, 19. April, um 19 Uhr eröffnet. Sie dauert bis 22. Juli und hat dienstags bis sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet, am Tag der Mörike-Preis-Verleihung (25. April) bis 22 Uhr. Die Eröffnungsfeier wird (bei freiem Eintritt) aus Kapazitätsgründen in die Musikschule Fellbach, Guntram-Palm-Platz 2, verlegt. Dort sprechen Thomas Schmidt vom Deutschen Literaturarchiv Marbach und Christa Linsenmaier-Wolf. Verzahnt mit der Einführung liest die vielfach ausgezeichnete Sprecherin Doris Wolters Mörikes „Elementargedichte“. Die musikalische Umrahmung übernimmt das Posaunenquartett der Musikschule, die Fellbacher Weingärtner präsentieren zudem den Mörike-Wein 2018. Im Anschluss kann die eigentliche Ausstellung im Stadmuseum besucht werden.

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