Der Kursaal diente als Lazarett. Foto: Achim Zweygarth

Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs im Sommer des Jahres 1914 hatte auch unmittelbar Folgen für den Stadtbezirk Bad Cannstatt. Damit beschäftigt sich die aktuelle Schau im Stadtmuseum. Dargestellt ist unter anderem, an welchen Orten im Bezirk diese sich zeigten.

Bad Cannstatt - Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs im Sommer des Jahres 1914 hatte auch unmittelbar Folgen für den Stadtbezirk Bad Cannstatt. Damit beschäftigt sich die aktuelle Schau im Stadtmuseum. Dargestellt ist unter anderem, an welchen Orten im Bezirk diese sich zeigten.

Wilhelmsplatz: Die Sozialdemokraten organisierten Volksversammlungen gegen den Krieg. An die Cannstatter Versammlung im „Schwabenbräu“ am Abend des 28. Juli schloss sich eine spontane Demonstration am Wilhelmsplatz an.

Rathaus: Am Freitag, 31. Juli, wurde von 16 Uhr nachmittags an auf den öffentlichen Plätzen der Stadt die Erklärung des Kriegszustandes verlesen, in Cannstatt geschah dies beim Rathaus, am Bahnhof und vor den Kasernen.

Der Wasen als Exerzierfeld und Paradeplatz

Wasen: Am ersten Mobilmachungstag in Cannstatt, dem 2. August, muss es auf dem Cannstatter Wasen wie auf einem Pferdemarkt ausgesehen haben. In Reih und Glied standen Pferde nebeneinander und die Sachverständigen, Tierärzte und Beamte walteten ihres Amtes. In den ersten Augusttagen 1914 wurden dort an die 3000 Italiener untergebracht, die im süddeutschen Raum gelebt hatten und nun entlassen oder einberufen worden waren. Erst als die letzten das Stadion auf dem Wasen am 11. August verlassen hatten, brach ein Feuer aus und zerstörte die Anlage. Cannstatt war Garnisonsstadt, der Wasen diente als Exerzierfeld und Paradeplatz.

Kursaal: Der Kursaal wurde geschlossen, um als Lazarett zu dienen. Ein weiteres Reserve-Lazarett wurde im Mineralbad Leuze eingerichtet. Dazu kamen noch die Vereinslazarette des Roten Kreuzes im Städtischen Krankenhaus und in der Schuhfabrik Haueisen sowie ein Pferdelazarett in der Artilleriekaserne an der Taubenheimstraße. Der Kursaal war bereits am 5. August 1914 „in die Verwaltung des Deutschen Reiches“ übergegangen. Bei der Erstbelegung des Reservelazaretts Haueisen am 27. August wurden in Cannstatt 97 verwundete Franzosen untergebracht. Während des Kriegs waren die oberen und unteren Kursaalanlagen für die Öffentlichkeit gesperrt. Wegen der zunehmend angespannten Versorgungslage wurden dort Gemüsebeete und Kartoffelfelder angelegt, ein Schweinestall gebaut und eine Milchbude zum Hühnerstall umgebaut. Nach Kriegsende stand der Kursaal erst wieder im Frühjahr 1921 der Allgemeinheit zur Verfügung. Die Auflösung als Reservelazarett nach Kriegsende hatte sich verzögert, weil die Militärverwaltung die Räume noch für pflegebedürftige Kriegsgefangene aus Frankreich und Russland benötigte sowie für Kriegsinvaliden.

Denkmale stehen an vielen Stellen

Römerkastell: Der Bau des heutigen Stuttgarter Hauptbahnhofs erzwang die Verlegung des Dragonerregiments „König“ Nr. 26 zu einem neuen Standort. In Diskussion waren anfangs auch der Weißenhof und der westliche Rosensteinpark. Schließlich einigte man sich 1907 auf den damals noch fast völlig unbebauten Hallschlag. Am 1. Oktober 1910 bezogen die Dragoner ihr neues Quartier. Im Februar 1918 musste das Regiment wie viele Kavallerieeinheiten den größten Teil seiner Pferde abgeben. Es wurde in ein Kavallerie-Schützen-Regiment umgewandelt und im Stellungskrieg eingesetzt, da man die Pferde dringend für die Nachschubeinheiten und die Artillerie brauchte. Nach dem Waffenstillstand marschierte das Regiment in die Kaserne auf dem Hallschlag zurück und wurde dort bis Frühjahr 1919 demobilisiert.

Badstraße: Viele Cannstatter Vereine haben nach dem Ersten Weltkrieg Gedenktafeln gestiftet, von denen nicht alle erhalten sind. Ungewöhnlich ist eine Figurengruppe am Haus Badstraße 42, ein privates Erinnern im öffentlichen Raum. Der Kriegsausbruch hatte Folgen für beinahe jeden Cannstatter Verein. Vor allem die Turn- und Sportvereine waren betroffen. Allein vom Turnverein Cannstatt wurden 200 Mitglieder am ersten Mobilmachungstag eingezogen. Bis zum Ende des Krieges waren es 487. Auch viele Mitglieder der Gesangvereine waren im Krieg. Die Daheimgebliebenen der „Concordia“, „Cäcilia“ und des „Sängerbundes Cannstatt“ führten regelmäßig in der Stadtkirche Konzerte durch, um die Bevölkerung auf Stunden das Leid vergessen zu lassen. Dazu kamen kleine Aufführungen in den örtlichen Lazaretten vor den verwundeten Soldaten.

Steigfriedhof: Das zentrale Cannstatter Kriegerdenkmal findet sich am Eingangsbereich des Steigfriedhofs. Es entstand auf Initiative des Bürgervereins der Neckarvorstadt. Der Steinbruchbesitzer Fritz Schauffele stiftete den Travertinblock des Sockels, der Bildhauer Emil Kiemlen arbeitete mit an dem Denkmal, das einen sich noch einmal aufbäumenden Krieger zeigt, mit Kurzschwert und am Boden liegendem Stahlhelm. Auch auf dem israelitischen Teil des Friedhofs findet sich ein allgemeiner Gedenkstein, wohl aus den 1920er Jahren.

Gedenktafel aus Travertin

Stadtkirche: Unweit des Altars der Stadtkirche ist an der Wand das Denkmal für die Gefallenen aus der Kirchengemeinde angebracht, das der Bildhauer Ernst Yelin Ende der 1920er Jahre schuf. Bemerkenswert ist das Memorialbuch, das unterhalb des Denkmals in einer Wandnische hinter einem schmiedeeisernen Gitter mit den Jahreszahlen 1914/1918 liegt und noch heute vom Messner der Kirche jeden Monat weitergeblättert wird.

Lutherkirche: Im Haupteingangsbereich der Lutherkirche gibt es ein weiteres Denkmal, ebenfalls von Emil Kiemlen, aus dem Jahr 1933, für die Kriegstoten aus der Lutherkirchengemeinde. Ein toter Dragoner des Regiments 26 liegt dort mit seinem Degen. Am ehemaligen Stabsgebäude der Dragonerkaserne, dem heutigen Römerkastell, hängt eine Gedenktafel aus Travertin für die gefallenen Offiziere des Dragonerregiments König Nr. 26.

Adresse und Öffnungszeiten

Geöffnet ist das Stadtmuseum Bad Cannstatt, Marktstraße 71/1, mittwochs von 14 bis 16 Uhr, ssamstags von 14 bis 17 Uhr und sonntags von 12 bis 18 Uhr.

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