Wie viel kostet das Ausleihen eines Autos bei Stadtmobil, Miles, Deer, Share Now und Co.? Bei welchem Anbieter darf man überall parken? Und warum gibt es kaum Elektroautos? Ein Carsharing-Vergleich für Stuttgart und die Region.
In der Region Stuttgart gibt es inzwischen viele Carsharing-Anbieter. Doch bevor man sich irgendwo anmeldet, sollte man prüfen, welches Unternehmen zu den eigenen Bedürfnissen passt. Wir haben die Angebote verglichen.
Wie groß ist das Angebot in der Region? Insgesamt habe sich die Anzahl der Carsharing-Fahrzeuge in Stuttgart innerhalb eines Jahres auf rund 1800 Autos verdoppelt, heißt es von der Stadtverwaltung. Allein von Stadtmobil gibt es in Stuttgart 160 Stationen, in der Region weitere 250. Bei Share Now sind die Fahrzeuge stationsungebunden, stehen also theoretisch überall bereit. Und seit diesem Jahr ist auch das Berliner Start-up Miles in Stuttgart vertreten, ebenfalls stationsungebunden.
Der reine E-Auto-Anbieter Deer aus Calw setzt vorrangig auf den ländlichen Raum, also etwa den Nordschwarzwald und die Schwäbische Alb. In der Landeshauptstadt hat Deer neun Stationen. Dazu kommen mit Flinkster noch ein Angebot der Deutschen Bahn sowie einige Leihfahrzeuge des Autohauses Krautter. In der Region Neckar-Alb gibt es außerdem noch den Verein Teil-Auto mit mehr als 100 Stationen. Und Tübingen hat den Anbieter Coono, der wie Deer nur E-Autos verleiht.
Wie viel bezahlt man bei wem? Die Preisgestaltung bei Carsharing-Angeboten unterscheidet sich enorm. Bei Stadtmobil wird eine Aufnahmegebühr von 50 Euro fällig. Dazu kommt bei regelmäßiger Nutzung ein Monatsbeitrag; je nach Tarif vier Euro oder 9,50 Euro für Einzelpersonen. Der „Tarif Easy“ kommt ohne Monatsgebühr aus. Ein Kilometer kostet zwischen 21 und 50 Cent, je nach Fahrzeugmodell und dem Tarif, dazu kommt ein Stundenpreis zwischen 0 Euro (nachts) und 6 Euro.
Bei Miles ist die Registrierung kostenlos. Die kleineren Fahrzeuge gibt es ab 69 Cent pro Kilometer, die größeren Fahrzeuge ab 98 Cent. Dazu kommt eine Gebühr von einem oder zwei Euro für das Öffnen eines Autos. Zwischenstopps kosten 29 Cent pro Minute. Alternativ kann man auch Stunden- oder Tagestarife buchen; so gibt es einen Kleinwagen für drei Stunden und bis zu 40 Kilometern Strecke ab 34 Euro.
Die Preise von Share Now richten sich unter anderem nach der Verfügbarkeit, also danach, ob es in einem Gebiet gerade viele oder wenige Fahrzeuge gibt. In Stuttgart sind nur Opel Corsa, Opel Astra und Opel Crossland verfügbar, bei diesen beginnt die Mietgebühr bei 24 Cent pro Minute. Es gibt auch Stunden- oder Tagespreise ab 11,99 Euro pro Stunde oder 29,98 Euro pro Tag. Bei diesen Zeittarifen kommt noch ein Kilometerpreis von 23 Cent pro Kilometer hinzu. Und pro Anmietung bezahlt man eine Versicherungsgebühr von 99 Cent. Die Registrierung ist kostenlos.
Bei Teil-Auto wird bei der Registrierung eine Kaution von 200 Euro fällig, sofern man plant, die Autos regelmäßig zu nutzen. Dazu kommt eine Aufnahmegebühr von 25 Euro plus fünf Euro für die Chipkarte. Bei regelmäßiger Nutzung wird zudem ein Monatsbeitrag von 9 Euro für Einzelpersonen fällig. Die Kosten pro Fahrt richten sich nach Tarif, Fahrzeugtyp und der Zahl der zurückgelegten Kilometer.
Keine Registrierungsgebühr sind hingegen bei den Anbietern Coono und Deer nötig. Zudem kosten die gefahrenen Kilometer nichts. Für die Miete eines der E-Autos von Coono bezahlt man 2,50 Euro Buchungsgebühr sowie zwischen 34 und 42 Cent pro Minute. Eine Miete für 24 Stunden kostet zwischen 65 und 81 Euro. Bei Deer kostet das Ausleihen eines Wagens 9,90 Euro pro Stunde, 69,90 Euro pro Tag sowie 109,90 Euro über ein Wochenende.
Darf man die Autos überall abstellen? Bei Stadtmobil, Teil-Auto und Coono nicht. An dem Ort, wo man das Auto abholt, muss man es nach der Ausleihe auch wieder parken. Bei Deer kann man das Fahrzeug an einer beliebigen Deer-Station abstellen.
Flexibler sind hingegen Share Now und Miles. Bei diesen Anbietern kann man in der Landeshauptstadt an vielen Orten das Auto abstellen und die Miete beenden. Share Now hat einige klar definierte Ausschlussgebiete; vor allem am Rande der Stadt wie etwa Hedelfingen, Rohracker, Heumaden, Hoffeld, Mühlhausen, Hofen, Neugereut oder Zazenhausen. Zudem darf man die Leih-Autos nicht in Parkhäusern oder auf privaten Parkplätzen abstellen.
Welche Vor- und Nachteile haben die Anbieter? Wer mit einem geliehenen Fahrzeug auch einen Umzug erledigen oder für ein paar Tage oder noch länger in den Urlaub fahren will, sollte das Portfolio prüfen: Stadtmobil, Miles und Teil-Auto bieten Modelle vom Kleinwagen bis zum Transporter an. Share Now hat etliche Marken zur Auswahl, jedoch keine Transporter. Deer sowie Coono haben nur zwei Fahrzeugtypen.
Bei Stadtmobil, Miles und Share Now kann man auch weiter entfernt Fahrzeuge ausleihen. In gut 350 Kommunen in Deutschland gibt es Autos von Stadtmobil oder Kooperationspartnern. Miles ist bisher in zwölf, Share Now in acht deutschen Städten vertreten.
Bei Teil-Auto sowie Stadtmobil kann man eine Buchung nur zur vollen oder halben Stunde beginnen. Stadtmobil erklärt dies damit, dass die Nutzer „nicht unnötig in Eile versetzt werden sollen“.
Wer bietet Elektroautos an? Allen Klimaneutralitätsversprechen zum Trotz ist der Anteil der Carsharing-Elektroautos in den vergangenen Jahren gesunken. So stellte Car2Go um die Jahre 2017 und 2018 rund 600 E-Smarts in Stuttgart zur Verfügung. Inzwischen gibt es zwar rund 1800 Carsharing-Fahrzeuge in der Landeshauptstadt, doch der Großteil sind Verbrenner. In ganz Deutschland lag die Quote von Elektroautos bei Carsharing-Anbietern Anfang 2023 bei 20,5 Prozent.
Obwohl der Verein Stadtmobil vor mehr als 30 Jahren an den Start ging, gibt es bis heute nur 17 Elektrofahrzeuge in der Region Stuttgart und 120 Hybridfahrzeuge, „Tendenz steigend“, sagt Matthias Hartlieb, der Sprecher von Stadtmobil. „Die Herausforderung für Stadtmobil als rein stationsbasierten Carsharing-Anbieter ist, dass alle unsere Elektrofahrzeuge reservierte Stellplätze mit einem exklusiven Ladepunkt benötigen.“
Miles, der kein stationsbasierter Anbieter ist, hat zwar auch Elektrofahrzeuge im Angebot, jedoch mehr Verbrenner. Ausnahmen bilden die Firmen Deer und Coono, die nur E-Fahrzeuge verleihen.
Bei Share Now wird man fürs Tanken und Laden belohnt
Regeln
Leiht man einen Benziner von Stadtmobil oder Teil-Auto aus, kann man quasi überall unterwegs tanken. Ein Elektroauto aufladen geht jedoch nur an der Heimatstation. Die Elektroautos von Coono können ebenfalls nur an ihrer Heimatstation aufgeladen werden. Die E-Autos von Deer können auch an einer Deer-Station in einer anderen Kommune angeschlossen werden. Bei Miles und Share Now kann man an beliebigen Tankstellen und Ladesäulen stoppen. In den Autos liegen Tankkarten, bei Share Now wird die Bezahlung über die App geregelt.
Belohnung
Share Now belohnt seine Nutzer fürs Tanken und Laden: Wenn man einen Benziner mit weniger als 40 Prozent Tankfüllung volltankt oder ein Elektroauto mit einem Ladestand von niedriger als 35 Prozent an eine Ladesäule anschließt, erhält man ein Guthaben von fünf Euro.