Nürtingen will Flagge zeigen als offene, naturnahe und kreative Stadt. Foto: Horst Rudel

Nürtingen soll fit für die Zukunft werden – und sich dabei Stück für Stück auch neu erfinden. Dafür sind Offenheit und Optimismus die Voraussetzung.

Nürtingen - Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“ – dieses Sprichwort könnte die Überschrift für den Stadtmarketingprozess sein, den die Agentur Gruppe Drei für Nürtingen skizziert hat. Um sich im Wettbewerb der Kommunen zu behaupten, soll sich die Stadt mit einer maßgeschneiderten Strategie auch über die Grenzen der Region Stuttgart hinaus positionieren.

Die Stadt muss ihre „Persönlichkeit“ bestimmen

Es gehe um nichts weniger, sagt der Agentur-Chef Alexander Doderer, als dass Nürtingen seine „Persönlichkeit“ bestimmt. Wer sind wir und wer wollen wir künftig sein? Diese Frage haben die Berater innerhalb der vergangenen zwei Jahre bei mehreren Bürgergesprächen den Nürtingerinnen und Nürtingern gestellt. Auch die Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU) beteiligt sich an dem Stadtmarketingprozess.

Studenten hatten im Rahmen einer Projektarbeit Menschen aus der Stadt aus acht verschiedenen Zielgruppen zu deren Blick auf Nürtingen, deren Wünschen und denkbaren Zukunftsszenarien befragt. Die Ergebnisse wurden im Januar vergangenen Jahres vorgestellt.

Nürtingen wirkt rückwärtsgewandt und stagnierend

Die Gruppe drei hat sich ebenfalls mit dieser Thematik befasst und trotz der unterschiedlichen Zielgruppen ein erstaunlich einheitliches Bild vorgefunden: Demnach konzentrieren sich die Wünsche auf die Erlebbarkeit des Neckars sowie die Belebung der Innenstadt. Allerdings, so die Beobachtung der Marketingexperten aus Villingen-Schwenningen, klaffe eine deutliche Lücke zwischen der eigenen und der Fremdwahrnehmung. Nürtingen würde zwar gerne weltoffen und mutig erscheinen, wirke auf Leute von außen jedoch rückwärtsgewandt, stagnierend und sich selbst überschätzend.

Alexander Doderer zufolge ist eine Abwehrhaltung und Selbstgefälligkeit gefährlich und stellt letztlich auch eine Bedrohung für den Wohlstand Nürtingens dar. Die Stadt müsse dem Wandel und neuen Ideen gegenüber offen sein. Wer sich gegen Veränderungen in einer sich dynamisch und rasant entwickelnden Welt sperre, schade sich selbst. „Das bedeutet in der Auswirkung, Komfortzonen zu verlassen, gewachsene Strukturen aufzubrechen, Risiken einzugehen und nicht begrenzt zu denken“, lautet die Empfehlung Alexander Doderers.

Nürtingen könnte die größte Outdoor-Galerie werden

Konkret legt das Büro einen Maßnahmenkatalog für Nürtingen vor. So könnte in den Sommermonaten ein für Spiel und Spaß nutzbarer „Stadtsandkasten“ angelegt werden. Unter dem Motto „Nürtingen stellt (r)aus“ könnte Deutschlands größte Outdoor-Galerie für Kunstwerke entstehen – ein weiteres Alleinstellungsmerkmal, das nicht nur die Identifikation der Bürger mit ihrer Stadt erhöht.

Ein Gründerzentrum in Kooperation mit der HfWU, um junge, hoch qualifizierte Leute in der Stadt zu halten, nennt Carolin Deberling, die stellvertretende Geschäftsführerin der Gruppe Drei, aks eine weitere Idee. „Nürtingen soll zum Lebensmittelpunkt der Bürgerinnen und Bürger werden, indem es einen kreativen und naturnahen Lebensraum für alle Zielgruppen und Generationen entwickelt“, sagt der Oberbürgermeister Otmar Heirich.

Schramberg, Rottweil und Immendingen haben sich gemacht

Offenheit und eine optimistische Grundeinstellung sind laut Alexander Doderer die Voraussetzungen dafür, dass sich Städte stets ein Stück weit neu erfinden. Beispiele von Städten im Land, die erfolgreich einen Strukturwandel hinbekommen habe, gebe es genügend: Schramberg, Immendingen, Rottweil oder etwa auch Villingen-Schwenningen hätten sich beachtlich gemausert.

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