Kathja Maneke liebt es, wenn alle Gäste im Saal sind, sie übers Publikum schaut, das Licht ausgeht, der Vorhang sich öffnet und die Veranstaltung beginnt Foto: Simon Granville

Kathja Maneke aus Öhringen ist seit Januar die Kulturmanagerin in der Leonberger Stadthalle. Für sie ist ihr Beruf Berufung.

An der Wand ihres Büros hängt ein Bild der frechen Kultfigur Pippi Langstrumpf in kunterbunten Farben. „Pippi ist mein Vorbild, sie ist selbstbewusst, stark und findet für jedes Problem immer eine Lösung“, sagt Kathja Maneke, die seit Januar dieses Jahres die Geschäfte der Leonberger Stadthalle leitet. Im Gespräch mit ihr wird schnell deutlich: Die 54-Jährige lebt ihren Beruf der Kulturmanagerin. Und sie liebt ihn, wenn sie ihn in einem städtischen Hallenbetrieb ausüben darf. „Ich bin ein Verwaltungsmensch, kenne da die Abläufe sehr gut. Und von meinem neuen Stadthallen-Team, das super ist, wurde ich so herzlich aufgenommen“, sagt die Chefin.

 

Der schönste Moment in ihrem Job sei, „wenn alle Gäste im Saal sind, ich aus dem Hintergrund übers Publikum schaue, das Licht ausgeht, der Vorhang sich öffnet und die Veranstaltung beginnt.“ Noch glücklicher ist sie, wenn die Menschen zufrieden nach Hause gehen. „Dann weiß ich, dass wir ein gutes Programm anbieten.“ Das neue Programmheft für Herbst 2024 und Frühjahr 2025 zusammenzustellen, war eine der ersten Herausforderungen für Kathja Maneke in Leonberg. „Unser Ziel war es, erst einmal eine bunte Mischung anzubieten.“ Sie wolle sehen, was bei den Leonbergern und den Menschen in der Region gut ankomme. So könne sie im Laufe der Zeit dann besser auf deren Bedürfnisse eingehen. „Die Leonberger sollen die Möglichkeit haben, vor Ort mit kurzen Wegen Kultur erleben zu können.“

Zeit für Neues

Die Stadthallen-Leiterin hat schon viele neue Ideen im Kopf, was sie künftig mit ins Programm aufnehmen möchte. Bereits ihre Handschrift trägt die neue Reihe „Schoog im Dialog“. Hier lädt die Moderatorin Bernadette Schoog mehrmals im Jahr berühmte Persönlichkeiten – wie beispielsweise Tatort-Kommissar Richy Müller, Tagesthemen-Moderator Ingo Zamperoni oder Harald Schmidt – Kabarettist, Schauspieler oder Buchautor – zu einem Gespräch in die Stadthalle ein. „Man könnte heute auch Podcast dazu sagen.“ Das Sommerfestival Leonpalooza, das ihr Vorgänger Nils Strassburg auf die Beine gestellt hatte, ist für sie „ein mutiges und tolles Projekt, das genau richtig war während der Corona-Pandemie.“ Jetzt sieht sie aber auch die Zeit für Neues gekommen. Maneke achtet auf Vielfalt im Programm. Für einige Vorstellungen zeichnen sich externe Veranstalter verantwortlich. Manche Programmpunkte sind Selbstläufer. „Dann schaue ich, wie ich unsere Veranstaltungen bestmöglich terminiere, damit die Vielfalt gewahr bleibt.“

Kathja Maneke ist bestens in der Kulturszene vernetzt. Sie profitiert von ihrer insgesamt 26-jährigen Tätigkeit als Geschäftsführerin des Kultur- und Tagungshauses in Öhringen, kurz Kultura genannt. „Das habe ich ab 1997 aufgebaut und groß gemacht, das war mein Baby“, sagt die Mutter zweier erwachsener Kinder. Leider hätten sich dort in Öhringen die Dinge nicht zum Guten gewandelt. „Der Kulturetat wurde gekürzt, von der Stadt gab es kaum mehr Unterstützung für die Kultura, sodass ich müde wurde, dort zu arbeiten“, erzählt Maneke.

Bevor Kathja Maneke nach Leonberg kam, hatte sie noch einen etwa halbjährigen beruflichen Ausflug zu Kultur bei Würth in Künzelsau gemacht. „Da war ich für Kleinkunst und das Open-Air zuständig, das war eine tolle Erfahrung, doch mir fehlte einfach der Hallenbetrieb mit all den unterschiedlichen Veranstaltungen.“ Daher musste sie nicht lange überlegen, als die Stelle in Leonberg ausgeschrieben war. In der Stadt unterm Engelberg habe sie schnell gemerkt, dass die Kultur einen wichtigen Stellenwert sowohl in der Verwaltung als auch im Gemeinderat habe. Wohl wissend, dass die Stadthalle als städtischer Eigenbetrieb ein Zuschussbetrieb ist: Im Haushaltsplan für 2024 wird mit einem Defizit von knapp zwei Millionen Euro gerechnet, zumal die Liste der Sanierungsprojekte sehr lang ist.

Das Online-Marketing verstärken

In ihrer ersten Zeit in Leonberg galt es nicht nur, das neue Programmheft zu füllen. Auch auf Instagram ist die Stadthalle mittlerweile vertreten. „Derzeit kreiere noch ich den Content“, sagt Maneke. Die neue Homepage ist in Arbeit. „Wir werden unser Online-Marketing verstärken und haben hierfür eine 60 Prozent-Stelle ausgeschrieben, da läuft gerade die Bewerbung“, sagt Kathja Maneke und freut sich schon auf Verstärkung.

Aufgewachsen ist die gebürtige Esslingerin in Aichwald. Nach ihrem Studium arbeitete die Diplomverwaltungswirtin eineinhalb Jahre in der Gemeinde Winterbach, wechselte dann nach Fellbach. Parallel absolvierte sie in Ludwigsburg ein Aufbaustudium Kulturwissenschaft und -management, schloss mit dem Magister ab. In ihrem letzten Jahr in Fellbach arbeitete sie im Kulturamt und war an der Organisation der Triennale Kleinplastik, die zeitgenössische Skulpturen internationaler Künstlerinnen und Künstler präsentiert, sowie des Open-Air-Kinos beteiligt. „Das war die beste Zeit meiner Ausbildung und ich wusste, dass es bei mir in Richtung Kultur gehen wird.“ Daher kam der Ruf nach Öhringen, wo sie auch ihren Mann kennenlernte und eine Familie gründete, genau richtig. Und jetzt freut sie sich, dass sie in Leonberg ihre Berufung ausleben kann. Der Wohnort bleibt vorerst in Öhringen. „Ich bin in der Regel drei Tage in Leonberg und zwei im Homeoffice, das lässt sich richtig gut vereinbaren.“