Das Holzgerlinger Stadtfest ist groß, bunt, sehr belebt gewesen – und ein Seifenkistenrennen mit vielen ambitionierten Fahrern stand in seinem Mittelpunkt.
Es geht bergab, ein wenig, im Ortskern von Holzgerlingen. Genug zumindest, um eine Seifenkiste in Fahrt zu bringen, oder mehrere. 39 der antriebslos vierräderigen Eigenbaufahrzeuge gehen am Samstag beim Holzgerlinger Stadtfest an den Start, beim Qualifikationsrennen für das eigentliche Seifenkistenrennen, das am Sonntag stattfinden wird. Rund 260 Meter misst die Strecke, die am Holzgerlinger Rathaus vorbeiführt. Oben in der Böblinger Straße steht die Rampe, auf die die Seifenkisten gehievt werden und von der ab sie dann talwärts rollen.
Harry Fath, gut vertraut mit dem Rennsport, geht mit seinem HF Racing Team ins Rennen. Er hat Sponsoren gefunden und will all seine gesammelten Gelder nach dem Seifenkistenrennen der Jugendabteilung des Motorsportclubs KFV Kalteneck zukommen lassen. Er erzählt, nicht ohne Begeisterung, vom Wiederaufleben der Seifenkisten in Holzgerlingen: „Vor drei Jahren haben wir zum ersten Mal wieder eine Seifenkiste gebaut und beim Rennen gleich den Vizemeister gemacht.“ Gut zwanzig Jahre fand das Seifenkistenrennen beim Stadtfest nicht statt, nun soll es im Rhythmus von zwei Jahren veranstaltet werden – nur der Fußball EM halber wurde das zweite Rennen seither um noch ein Jahr aufgeschoben.
Jünger als 14 Jahre und leichter als 100 Kilo
Beim Rennen müssen sehr genaue Vorschriften eingehalten werden: „Es gilt das deutsche Seifenkistenreglement“, erklärt Harry Fath. Höchstens 14 Jahre alt dürfen die Fahrer oder Fahrerinnen der Seifenkisten sein, höchstens 100 Kilogramm dürfen sie wiegen, mit Besatzung. Alle Modelle, die an den Start gehen, entsprechen derselben Bauweise. Zwei Seifenkistenpiloten sind für das HF Racing Team im Einsatz: Lasse, 8 Jahre alt, und Piet, sein Bruder, 10. Ganz vorne liegt das Team am Samstag noch nicht. „Wir kämpfen noch ein bisschen“, sagt Harry Fath.
Emma Stäbler, neun Jahre alt, machte für ihr Team am Samstag schon vier Qualifikationsfahrten. „Wenn die Rampe runterklappt“, erzählt sie, „müssen wir versuchen, mittig auf unserer Stecke zu bleiben. Wenn wir hinten liegen, müssen wir am Ziel schnell bremsen, um nicht in die anderen Wagen zu fahren, und wenn wir erster sind, dürfen wir maximal ausfahren.“ Das freilich wünscht sie sich. „Ich fand es ziemlich aufregend, da runter zu fahren, aber es macht auch ziemlich Spaß, wenn man keine Angst mehr hat, nach dem ersten Mal.“ Bislang hat es bei Emma nur für den siebten und achten Platz gereicht – aber immerhin. Die Leitung des Seifenkistenrennens liegt beim KFV Kalteneck, die Fahrerlager werden vom Footballverein der Holzgerlingen Twister betreut, für die Zeitabnahme, die Streckenposten ist die Ski- und Snowboardschule Schönbuch zuständig. Jens Weinhardt und Sven Schönleber stehen als Rennleiter bei der Startrampe, Rafael Branke ist als dritter Rennleiter zuständig für die Technik. Die Qualifizierungsläufe sind vorbei, zwei Wertungsläufe sollen noch stattfinden, die Rennteilnehmer haben nun die Gelegenheit, ihre Seifenkisten in Schuss zu bringen – „Sie können zum Beispiel die Kugellager ausblasen und fetten oder Gewichte mitnehmen“ – all das bringt vielleicht Sekundenvorteile beim Rennen.
Joana Baaji und Marc Schmidt, die Leiterin der Ski- und Snowboardschule und ihr Stellvertreter, überlegen schon eifrig, wie sie ihre Fahrerin Leni, zwölf Jahre alt, weiter nach vorne bringen könnten. „Wir sind gerade auf dem neunten Platz, aber wir sind zuversichtlich, nach dem Tuning unserer Räder.“
Derweil bewegt sich das Geschehen auf seinen Höhepunkt zu. Denn ehe das Holzgerlinger Stadtfest offiziell eröffnet wird, findet ein besonderes Rennen statt. Überbordendes Leben herrscht in der Stadt schon lange überall. Die Straßen, Gassen sind voller Menschen, es wird gefeiert, etliche Stände sorgen für unterschiedliche Verkostung, es gibt Süßwaren, es gibt Sekt, es gibt alles. Und auf dem Marktplatz steht die Bühne, stehen viele Garnituren, steht ein Fass. Das Fass will angestochen sein.
Jubel, Trubel, Heiterkeit – das Stadtfest war ein Erfolg
Und, wie dies bei Stadtfesten üblich ist: Es gibt einen, dem das obliegt. Und der fährt am Samstag das letzte Rennen: Ioannis Delakos, Bürgermeister Holzgerlingens, tritt in einem Silberpfeil gegen Matti Frank an, der das Seifenkistenrennen drei Jahre zuvor für die Firma Hiller Gebäudetechnik gewann. Der Bürgermeister in der silbernen Seifenkiste ist die große Ausnahme beim Rennen, was Gewicht und Maße angeht. Leider läuft eine viel größere Kiste auch etwas langsamer – Delakos bleibt zurück, der Jüngere geht als erster durchs Ziel.
Dafür spricht der Bürgermeister auf der Marktplatzbühne bald schon Grüße aus an die Gäste, die aus Holzgerlingens Partnerstädten angereist sind. „Seit Monaten fiebern wir diesem Wochenende entgegen“, sagt der er und dankt vielen, vor allem den rund 750 ehrenamtlichen Helfern beim Fest, schlägt den Hahn pünktlich zur vollen Stunde, begleitet von einem Tusch, mit drei kräftigen Hieben ins Fass. Das Bier schäumt in die Krüge und die Stadtkapelle spielt: „Ein Prosit“.
Die Sieger
Finale
Trotz manchmal leichtem Nieselregen schlugen sich die Seifenkistenfahrerinnen und -fahrer sehr gut beim Finale ihres Rennens am Sonntagnachmittag in Holzgerlingen.
Gewinner
Den ersten Platz belegte, mit 29,04 Sekunden, Jaron Kirchner mit Startnummer 19 für das Team Flitzekiste Schönaich. Sehr knapp auf dem zweiten Platz folgte ihm Marlene Binder für das Häfner Racing Team.