Viel Asphalt, wenig Übergänge: die Konrad-Adenauer-Straße beim Charlottenplatz Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Aufbruch Stuttgart – so nennt sich ein neuer Verein, der die Stadtautobahn B 14 unter die Erde bringen oder sonst wie überwinden will. Jetzt gab es ein erstes Treffen mit der Rathausspitze.

Stuttgart - Anfang März fanden sie sich zu einem Verein zusammen: der ehemalige TV-Moderator Wieland Backes und andere prominente Stuttgart-Liebhaber. Ihr vorrangiges Ziel: ein Kulturquartier anstelle einer PS-Meile (der Konrad-Adenauer-Straße) zu schaffen. Seitdem herrscht emsiges Treiben und Schreiben.

Am Donnerstag gab es ein erstes Treffen mit Oberbürgermeister Fritz Kuhn, Baubürgermeister Peter Pätzold (beide Grüne) und Kulturbürgermeister Fabian Mayer (CDU). Am Ende des Meinungsaustausches, an dem seitens des Vereins Wieland Backes, Ulrike Groos (Kunstmuseum), Cornelia Ewigleben (Landesmuseum Württemberg), Arno Lederer (Architekt), Felix Fischer (Orchestermanager) und Jossi Wieler (Opernintendant) teilnahmen, meldete sich ein hochzufriedener Vereinsvorsitzender zu Wort: „Wir haben im Rathaus offene Türen eingerannt“, sagte Backes. Es sei gelungen, das Kernanliegen zu verdeutlichen: Stuttgart zum „Vorreiter für die moderne Stadt“ zu machen – mit weniger Verkehr und mehr Flair.

Umgestaltung der B 14 – „im Idealfall“ bis zum Marienplatz

Die Bewertung des Oberbürgermeisters unterscheidet sich kaum. Kuhn lobte am Freitag den Meinungsaustausch mit den Aufbrüchlern. „Vieles von dem, was ich an Visionärem seit Langem verfolge, wurde thematisiert.“ Dazu gehöre das Konzept nachhaltiger Mobilität. „Wir brauchen eine Rückeroberung der Stadt durch Fußgänger und Radfahrer.“

Im Gespräch mit unserer Zeitung konkretisierte der Oberbürgermeister die Überlegungen für einen Wettbewerb zur Umgestaltung der Konrad-Adenauer-Straße bis zum Österreichischen Platz – „im Idealfall bis zum Marienplatz“. Die Ideen reichen von einer teilweisen Untertunnelung bis zu einem „City-Boulevard“ mit Übergängen.

Geplant sei ein zweistufiges Verfahren, sagte Kuhn. In einem ersten Schritt sollen „Leitideen“ entwickelt werden. Dazu dient ein nicht näher terminiertes Kolloquium im Frühsommer – unter Beteiligung des Gemeinderats und des Vereins Aufbruch Stuttgart. Anschließend folge der eigentliche Wettbewerb. Die Mittel dafür sollen im Doppelhaushalt 2018/19 bereitgestellt werden, der im Herbst beraten wird.

„S21 schnell zu Ende bringen“

Eine Umgestaltung ist für Kuhn allerdings an die Fertigstellung von Stuttgart 21 geknüpft. „Ich kann ja nicht die ganze Stadt in eine Baustelle verwandeln.“ Das Großprojekt binde Energien und beanspruche gegenwärtig viel Raum in der Stadt. Es müsse möglichst schnell zu Ende gebracht werden. „Wir brauchen die Flächen für die Verwirklichung von Utopien“, sagte Kuhn – etwa für ein Konzerthaus auf dem S-21-Gelände. Darüber wurde am Donnerstag ebenfalls gesprochen. Kuhn kann sich dort bekanntlich auch die Ansiedlung des Linden-Museums vorstellen – einschließlich eines neuen Hauses der Kulturen, das eine Brücke von der Ethnologie in die multikulturelle Stadtgesellschaft schlagen soll. Als „visionäres Projekt“ bezeichnete er auch die weitgehende Verkehrsberuhigung der Schillerstraße vor dem neuen Bahnhof.

Für weitere Impulse aus der Stadtgesellschaft ist Kuhn nach eigenen Worten offen. Er beobachte, dass viele Bürger eine „visionäre Ungeduld in sich tragen“. Es gebe eine „Urbanitätsbewegung“ – mit starker Beteiligung der Wirtschaft. Wichtig sei, dass auch die Wissenschaft sich einbringe.

Ein Bürgerfrühstück wird geprüft

Zur Forderung der Industrie- und Handelskammer, den Wirtschaftsverkehr im kommenden Jahr von Fahrverboten auszunehmen und darüber rasch Klarheit zu schaffen, sagte Kuhn: „Das verstehe ich. Der Ball liegt hier aber klar beim Land. Wir setzen um, was das Regierungspräsidium im Luftreinhalteplan formuliert.“ Er wird für Ende April/Anfang Mai erwartet.

Die Zuständigkeit für ein anderes Thema liegt hingegen klar bei der Stadt: der Vorschlag des Vereins Aufbruch Stuttgart für ein Bürgerfrühstück auf der B 14. „Interessante Idee“, meint Kuhn. „Von den Kosten her aber kein Vergnügen.“ Es wird geprüft.

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