Aus der Alten Schuhfabrik sind alle Mieter ausgezogen. Foto: Simon Granville

Geschichten des Jahres: Künstler wollten die Alte Schuhfabrik als kreatives Zentrum erhalten. Ende 2024 mussten alle raus. Zukunft des Gebäudes ist noch ungewiss.

Was passiert eigentlich mit der Alten Schuhfabrik gegenüber dem Postareal in der Eltinger Straße 11, die unmittelbar an das Stadtumbaugebiet „Leonberg Mitte“ grenzt und in diesem Zusammenhang auch immer wieder zur Sprache kommt, aber dann doch ein eigenständiges Projekt der Leonberger Stadtverwaltung ist?

 

Mehr als 40 Jahre war das lange, dreistöckige Gebäude eine Institution in der Leonberger Kunstszene. Für den örtlichen Verein Kulturfabrik, aus einer Initiative heraus im Oktober 2021 gegründet, wurde es zur Herzenssache, das Haus zu erhalten und zu sanieren. Die Vereinsmitglieder hatten das Ziel, das mehr als 120 Jahre alte, historische Gebäude, einer der letzten Zeugen der frühen Leonberger Industrialisierung, vor dem Abriss zu bewahren und damit auch ein Stück Geschichte Leonbergs zu ehren, wie sie sagen.

Eine Herzenssache

Ein Konzept für eine Kulturfabrik hatten sie erarbeitet und der Stadtverwaltung sowie dem Gemeinderat vorgelegt. Darin verankert: „Der Wunsch der Förderung von bürgerschaftlichem und gemeinnützigem Engagement auf den Gebieten Kunst, Kultur, Kreativität und Bildung sowie die Förderung von zwischenmenschlicher und internationaler Begegnung und Zusammenarbeit, gegenseitiger Toleranz und der Völkerverständigung.“

Ein Auswahlverfahren läuft

Der Traum ist im alten Jahr endgültig geplatzt. In der Gemeinderatssitzung vom 9. April 2024 wurden der Beschluss der Räte aus der Sitzung von 27. Februar 2024 unter dem Punkt „Bekanntgaben“ kundgetan: Man suche für das Ziel, sozial geförderten Wohnungsbau zu schaffen, einen Investor. „Das Auswahlverfahren für die Projektsteuerung läuft derzeit, es liegen Angebote vor. Die Entscheidung soll bis Ende des Jahres getroffen werden“, sagte Leila Fendrich von der Leonberger Pressestelle im November. Ein Ergebnis ist bislang nicht bekannt.

Das Amt für Gebäudemanagement und das Amt für Kultur und Sport hätten sich rechtzeitig mit den Künstlerinnen und Künstlern in der Alten Schuhfabrik ausgetauscht, so die Pressesprecherin. „Es wurden persönliche Gespräche geführt und die Kündigung für den 30. November 2024 am 12. Juni 2024 versendet“, erklärte Fendrich. Carina Straub zog mit ihrem Geschäft „Bild+Rahmen“ in die Zwerchstraße 6 in die Altstadt. Die Künstlergemeinschaften lösten ihre Ateliers auf und verstreuten sich in alle Richtungen. Die VHS-Kunstschule zieht in das VHS-Gebäude in der Neuköllner Straße. „Dort sind Umbaumaßnahmen nötig“, so Fendrich. Andere Angebote wie Integrations- und Sprachkurse, die in der Schuhfabrik untergebracht waren, weichen in das alte Arbeitsamt in der Gerhart-Hauptmann-Straße aus. „Geplant ist, dass die Kunstkurse ab Wintersemester 2025 in der Neuköllner Straße stattfinden“ so Fendrich.