Ob im M 5 je wieder der Zapfhan läuft, ist fraglicher denn je. Foto: dpa

Seit gut einem Jahr steht das Bistro M5 im Innenhof der Verwaltungszentrale leer, obwohl sich die Interessenten die Klinke in die Hand gaben. Doch die Stadt müsste für die Ertüchtigung viel Geld ausgeben – und liebäugelt mit Büroräumen.

Fellbach - Vor etwas über einem Jahr ging im Bistro M5 im Fellbacher Rathaushof das letzte Bier über die Theke. Seither steht nicht nur die auf zwei Geschosse verteilte Pachtfläche leer. Auch für die beim Publikum beliebte Außenbewirtschaftung im Herzen der Stadt gibt es nur eine Notlösung. Vier Monate vor der Eröffnung der Remstal-Gartenschau stellt sich der Rathaushof gastronomisch als Ödnis dar – während an Speiselokalen kein Mangel besteht, wird fürs Ausgehpublikum in der Stadtmitte ein Treffpunkt für lauschige Sommerabende fehlen.

Dass sich an dem Leerstand etwas ändern könnte, ist in absehbarer Zeit nicht in Sicht. Zwar kann sich Burg-Wirt Frank Ellinger – für die CDU mit Sitz und Stimme auch im Stadtrat vertreten – durchaus vorstellen, den zentralen Platz auch in diesem Jahr mit einer Sommer-Gastro zu bespielen. Ein dauerhafter Einstieg als M5-Pächter kommt für den gelernten Bäcker aber offenbar nicht infrage: Ellinger hat die Stadt unterrichtet, an einer Ganzjahrespacht nicht mehr interessiert zu sein.

Vermerkt war im abschlägigen Bescheid, dass sich die Stadtverwaltung überlege, das ehemalige Bistro eventuell als Bürofläche zu nutzen

Für andere Absagen hat die Stadt Fellbach im Schulterschluss mit einer für die Vorauswahl verantwortlichen Reutlinger Gastro-Agentur selbst gesorgt. Zwar gab es zahlreiche Gespräche mit Möchtegern-Pächtern, Gerüchte über eine Vinothek machten ebenso die Runde wie Pläne für eine Lokalbrauerei. Doch wer auch immer den Finger für die leerstehende Immobilie hob, handelte sich bei der Stadt einen Korb ein. Noch im Herbst beklagte eine Geschäftsfrau, mit der Idee, eine Probiertheke für lokale Weinerzeuger einzurichten, auf Granit gebissen zu haben. Sie erhielt eine Absage erhielt, noch bevor sie ein detailliertes Konzept vorstellen hatte dürfen. Vermerkt war im abschlägigen Bescheid, dass sich die Stadtverwaltung überlege, das ehemalige Bistro eventuell als Bürofläche zu nutzen. Bekanntlich klagt das Rathaus über Platznot und will nicht nur Flächen im früheren Notariat in der Wohncity, sondern auch das Domizil der Kunstschule für die eigenen Beschäftigten nutzen.

Wo früher Blumen verkauft wurden, gibt’s heute Konzertkarten beim i-Punkt

Als Variante für die leerstehende Gastro-Fläche im Rathaushof ist deshalb durchaus auch ein Amt mit viel Publikumsverkehr im Gespräch – auch wenn es bisher noch keine Entscheidung in der Sache gibt. Dass sich die Stadträte überhaupt mit der Frage befassen müssen, wie es mit dem Bistro weitergeht, liegt an Rathaus-Architekt Ernst Gisel. Der Baukünstler wollte unbedingt einige Ladengeschäfte und Gastronomie im Rathaus unterbringen, um das Leben in die Verwaltungszentrale zu bringen. Die Läden sind längst auf-gegeben. Wo früher Blumen verkauft wurden, gibt’s heute Konzertkarten beim i-Punkt. Wo einst Raum-Design ge-boten war, stellt nun die Städtische Galerie aus.

Keinen Wechsel gibt es im Restaurant „Esszimmer“ – zumindest für die nächsten fünf Monate. Das Pächter-Ehepaar Schassberger hat den Vertrag einvernehmlich mit der Stadt verlängert. Sie hatten fristgerecht zum 31. Dezember 2018 gekündigt, weil sie sich verändern wollten. Doch laut Nese San-Schassberger haben die Wirtsleute „noch nicht das Passende gefunden“. Das bestätigt auch die Stadt-verwaltung auf Nachfrage: „Die Beteiligten haben sich mündlich darauf geeinigt, den Vertrag bis 30. Juni 2019 fortzusetzen.“

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